Noch lange kein altes Eisen

Die Firmengründer Rolf Ströbel (links) und Siegfried Bullinger (vierter von links) mit ihren Kindern, die heute als Gesellschafter im Unternehmen tätig sind (von links): Markus Ströbel, Helen Ströbel-Glaser, Tanja Bullinger und Thorsten Bullinger. Foto: Bausch + Ströbel

50 Jahre sind ein besonderes Alter – für Privatpersonen, noch mehr aber für Unternehmen. Wenn sich eine Firma über fünf Jahrzehnte hat halten können, dann ist das Beleg dafür, dass in der Vergangenheit vieles richtig gemacht wurde. So auch beim Verpackungsmaschinenbauer Bausch + Ströbel in Ilshofen.

„Das hätte ich nie und nimmer gedacht“, sagt Siegfried Bullinger, schüttelt leicht den Kopf, lehnt sich in seinem Stuhl zurück und lacht herzlich. Es scheint fast so, als falle es dem geschäftsführenden Gesellschafter selbst schwer, das zu glauben, was sich in diesen Tagen bei Bausch + Ströbel in Ilshofen ereignet: Das Unternehmen, das heute hochkomplexe Abfüll- und Verpackungsanlagen für die pharmazeutische Industrie herstellt, feiert seinen 50. Geburtstag. Und blickt damit auf fünf erfolgreiche Jahrzehnte zurück.

Es sind Erfolgsgeschichten wie diese, die unsere Wirtschaftsregion auszeichnen und sie zu dem machen, was sie ist: zu einem der stärksten Landstriche der Bundesrepublik. Quasi aus dem Nichts heraus wurde das Unternehmen gegründet, hat sich über die Jahre hinweg weiter entwickelt und steht heute für Spitzenqualität made in Heilbronn-Franken. Die Maschinen sind in der ganzen Welt gefragt – die Exportquote des Unternehmens liegt bei rund 95 Prozent. Doch der Weg hin zum heutigen Erfolg war nicht immer einfach.

Die Geburtsstunde der Firma schlägt im Jahr 1967. Die eigentliche Tüftelei der Gründer Rolf Ströbel, Wilhelm Bausch und Siegfried Bullinger begann schon zwei Jahre zuvor – in einer Garage in Michelbach an der Bilz. „Wir wollten Haarfestiger abfüllen“, erinnert sich Gründer Siegfried Bullinger und ergänzt: „Wir konnten mit unserer Maschine nicht auf die Leistung kommen, die der Kunde wollte; der Haarfestiger hat zu sehr geschäumt. Außerdem hat das Mittel penetrant gerochen.“ Kurzerhand habe man die Maschine nach draußen verfrachtet und damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können: Der Geruch verflüchtigte sich, die Flüssigkeit kühlte ab und ließ sich tags darauf abfüllen, ohne dabei übermäßig zu schäumen.

Die erste Hürde war genommen – vermeintlich. Denn der Weg in die Selbstständigkeit gestaltete sich auch weiterhin schwierig. Banken lehnten Kreditvergaben ab, Gemeinden erteilten keine Baugenehmigung. „Wir wollten wachsen, aber man wollte uns nicht“, blickt Bullinger zurück. Michelbach, Schwäbisch Hall, Tüngental, Wolpertshausen – sie alle verweigerten dem Unternehmen die Ansiedlung. Diese Entscheidung haben die Kommunen inzwischen sicher bereut. Denn heute beschäftigt das Unternehmen rund 1.400 Mitarbeiter, investiert kräftig in seinen Standort und wächst und wächst und wächst.

Bodenständig

Auch Ilshofen, wo das Unternehmen schließlich seinen Heimathafen gefunden hat, tat sich mit dem Gedanken zunächst schwer, Industrie anzusiedeln. „Die Angst war groß, dass den örtlichen Einzelhändlern und Handwerkern dadurch die Arbeitskräfte entzogen würden.“ Es brauchte drei Runden im Gemeinderat, bis schließlich grünes Licht für den Bau gegeben wurde. „Voraussetzung dafür war, dass wir in einem Brief unsere Ziele formulieren. Wir haben gesagt: ‚In fünf Jahren möchten wir zehn Mitarbeiter beschäftigen‘. Bereits nach einem Jahr waren es 30“, verrät Bullinger schmunzelnd.

Bodenständig und bescheiden – das war das Unternehmen schon damals und ist es bis heute geblieben. Man sei stolz auf das Erreichte, sicher – vor allem aber sei man stolz auf die eigenen Mitarbeiter, betonen Siegfried Bullinger und Markus Ströbel, Sohn von Firmengründer Rolf Ströbel und neben Bullinger geschäftsführender Gesellschafter. „Ohne sie wäre all das nicht möglich gewesen. Sie sind unser höchstes Gut“, sind sie sich einig. Gleiches gelte für Kunden, Zulieferer und Geschäftspartner. „Das greift alles ineinander“, sagt Ströbel.

Jetzt heißt es, den Blick weiter in die Zukunft zu richten. „Wir haben lange Lieferzeiten. Daran wollen wir arbeiten.“ Modularisierung soll Abhilfe schaffen und dafür sorgen, dass die Produktion der Verpackungsmaschinen schneller geht. Auch im Service will sich der Maschinenbauer anders aufstellen: Bisher biete man vor allem einen reaktiven Service. Dieser soll nun verstärkt auch proaktiv stattfinden.

Keine Frage, die (Erfolgs-)Geschichte von Bausch + Ströbel wird fortgeschrieben. Vielleicht kann Siegfried Bullinger in den kommenden Jahren dann doch noch glauben, dass sie wahr ist.

Lydia-Kathrin Hilpert