Wie wird 2013?

Wie überall gehen auch die Menschen in unserer Region mit vielen Hoffnungen und Wünschen, aber auch manchen Ängsten und Sorgen ins neue Jahr. Wie dieses Jahr wird? Die pro-Redaktion hat Meinungen und Einschätzungen zusammengetragen von erfolgreichen Unternehmern, fleißigen Auszubildenden, Wirtschaftsförderern, Gewerkschaftern und Schülern. Und da Kinder unsere Zukunft sind, haben wir eine ganz besondere Schulklasse in den Mittelpunkt gerückt.
Statements
Die Klasse vier der Erich-Kästner-Schule in Künzelsau
Dr. Manfred Wittenstein, Vorstand der Wittenstein AG
Dr. Andreas Schumm, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken (WHF)
Dr. Rudolf Luz, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Heilbronn-Neckarsulm
Gerhard Flika, Azubi bei der Schreinerei Dominik Kugler in Bad Mergentheim
Die Klasse vier der Erich-Kästner-Schule in Künzelsau
Sie sind aufgeweckt, fröhlich, manchmal etwas vorlaut, aber meistens sehr diszipliniert, die elf Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse der Erich-Kästner-Schule für Sprachbehinderte in Künzelsau. Von einer Sprachbehinderung, wie sie sich der Laie vorstellt, spürt man auf den ersten Blick nichts: Alles ganz normal. Auch die Sorgen mit Blick auf die Zukunft. Denn 2013 ist für die vierte Klasse ein ganz besonderes Jahr. Im Sommer heißt es Abschied nehmen von ihren Hauptlehrern Mara Mössinger und Hans Peter Haller, die mit ihnen in den vier Jahren geduldig gelernt, geschrieben, gelesen, geforscht, gespielt, gesungen haben und manchmal auch etwas streng sein mussten. Abschied auch von Schulleiterin Ingeborg Kehlenbach und einer besonderen Schule, die ihnen Geborgenheit und Orientierung gegeben hat, und Abschied vor allem auch von vielen Klassenkameraden. Denn alle elf werden künftig in die verschiedenen weiterführenden Schulen gehen. „Ich möchte mit Jessica und Melissa in eine Klasse kommen und wünsche mir neue Freunde“, sagt Anja stellvertretend für viele. Die Angst in der neuen Schule allein zu sein, schwingt mit – bei allen. „Ich wünsche mir, dass wir in der neuen Schule nicht gemobbt werden“, so Patrick. Terry hofft auf nicht zu große Klassen, Dennis will, dass „die großen Schüler den Neuen helfen“, und Nick hofft, dass er auch in der 5. Klasse mit Kleinbussen in die Schule fahren darf und dass es dort auch ein warmes Mittagessen gibt. Auch an ihre Familie denken viele mit Blick auf das neue Jahr. Melissa will, „dass ihr Vater nicht mehr so viel arbeiten muss“, und Stephanie träumt davon, dass „mein Bruder wieder bei uns lebt“. Für Henrik ist es zudem wichtig, dass es im nächsten Jahr der Umwelt besser geht, Julia freut sich auf einen Computer an der neuen Schule, und Bastian hofft auf einen neuen Welpen, weil sein Hund gestorben ist. Eigentlich alles ganz bescheidene Wünsche der kleinen Viertklässler auf ihrem weiten Weg in die große Welt.
Thomas Zimmermann
Freude am Wandel

- Dr. Manfred Wittenstein (70) ist Vorstandsvorsitzender der Wittenstein AG. Foto: Konstantin Schmeisser
Wir werden 2013 in einer konjunkturell eher angespannten, volatilen Zeit leben. Ich sehe aber Grund zur Hoffnung, dass sich der politisch-ökonomisch verursachte Investitionsstau im Jahresverlauf auflösen kann. Das setzt voraus, dass man Staatsschuldenprobleme und Eurokrise sukzessive in den Griff bekommt. Im bundes- und europaweiten Vergleich liegen Baden-Württemberg und besonders die Region ganz weit vorne. Hier ist die Heimat vieler Weltmarktführer – wir sind Teil eines potenzialträchtigen Clusters mit enormen Chancen.
2013 dürfte aber nicht das große Wachstumsjahr werden. Das bedeutet für ein Unternehmen wie die Wittenstein AG, dass wir sehr wachsam auf die Zeichen der Zeit achten, um Chancen zu erspüren und diese dann rasch und flexibel nutzen. Die Bereitschaft und Fähigkeit zum Wandel ist überlebenswichtig. Der Neubau unserer Innovationsfabrik ist für mich geradezu Sinnbild unserer Entwicklung hin zu einem global handelnden Mechatronikkonzern. Wenn wir 2013 die Freude am Wandel behalten, ist mir nicht bange.
Gut gerüstet für den Wettbewerb

- Dr. Andreas Schumm (38) ist seit Januar 2012 Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken (WHF). Foto: WHF
Auch 2013 muss sich die Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken den Herausforderungen der Zukunft stellen. Eines der Megathemen wird dabei der demografische Wandel sein. Die Voraussetzungen in der Region, diesen Wandel zu gestalten, sind gut, vor allem, wenn es uns gelingt, dieses Thema gemeinsam anzugehen. Ein gutes Beispiel dafür ist das im vergangenen Jahr gegründete Fachkräftebündnis Heilbronn-Franken, das 2013 weitere Maßnahmen zur nachhaltigen Sicherung der Fachkräftebasis ergreifen wird. Trotz aller Eintrübungen am Konjunkturhimmel ist der demografisch bedingte Rückgang des Arbeitskräftepotenzials bereits zu spüren. Deshalb dürfen auch die Anstrengungen im Bildungsbereich nicht nachlassen. Obwohl hier in den vergangenen Jahren, vor allem durch das unermüdliche Engagement der regionalen Wirtschaft und Institutionen eine positive Entwicklung zu verzeichnen ist, besteht noch Spielraum nach oben.
Aufgrund der vielen sehr guten Qualitäten, die diese Region aufweist, ist sie auch für 2013 gut gerüstet. Trotzdem gilt es wachsam zu bleiben, um auch künftig im Wettbewerb der Regionen bestehen zu können.
Solidarität für Europa

- Dr. Rudolf Luz (56) ist seit 1998 Erster Bevollmächtigter der IG Metall Heilbronn-Neckarsulm. Foto: Foto: privat
Wir haben viel zu verlieren, aber die Chance ist da, mehr zu gewinnen. Europa wird auch im Jahr 2013 das bestimmende Thema sein. Ich gehöre einer Generation an, für die Europa ein Hoffnungsträger ist. Gut erinnere ich mich an die Kriegsgräberstätten an der Somme, die ich mit meinem Großvater und Vater als Schüler besuchte. Unvergesslich die Besichtigung von Auschwitz. Die tiefe Betroffenheit bleibt. Europa ist für mich ein Hoffnungsträger des Friedens – auch heute noch. Ich weiß nicht, ob das junge Menschen in Spanien, Griechenland oder anderswo so sehen können, wo jeder zweite Jugendliche aufgrund der Rezession ohne Arbeit und ohne Perspektive ist. Alle wichtigen Zukunftsfragen erfordern aber die Handlungsfähigkeit Europas, weil sie nationalstaatlich nicht mehr lösbar sind. Ich wage keine Prognose für 2013. Das Wort Krise kommt vom Griechischen krisis. Krisen sind aber im ursprünglichen Sinne immer auch Entscheidungssituationen. Ich wünsche mir, dass wir 2013 den Mut zu Entscheidungen für ein solidarisches und gerechtes Europa haben. Dann mache ich mir über die Zukunft keine Sorgen.
Schönes aus Lebendigem schaffen

- Gerhard Flika (27) aus Königheim absolviert derzeit eine Ausbildung zum Schreiner bei der Schreinerei Dominik Kugler in Bad Mergentheim. Foto: HWK
Bei mir laufen die Vorbereitungen für die Abschlussprüfung und für mein Gesellenstück. Für 2013 wünsche ich mir deshalb, dass ich meine Gesellenprüfung bestehe und anschließend weiter als Schreiner Erfahrungen sammeln kann, um später meinen Meister zu machen. Das Schreiner-Handwerk ist und bleibt ein Handwerk mit Tradition. Vieles ist aber durch neueste Technik, wie zum Beispiel mit einer CNCMaschine, einfacher geworden. Damit wachsen auch die Ansprüche der Kunden. Ich begann die Ausbildung zum Schreiner, um etwas aus einem Material zu schaffen, das nicht „kalt und tot“ ist, sondern warm und lebendig. Es ist schön zu sehen, wie aus einem Baum durch viel liebevolle und harte Arbeit ein Möbelstück entsteht. Den meisten Menschen ist das gar nicht bewusst und der Stellenwert des Schreiners deshalb oft nicht so hoch. Ich hoffe, dass sich das im Jahr 2013 verbessert. Nicht nur für das Schreiner-Handwerk, sondern für das gesamte Handwerk. Denn wenn das Handwerk nicht wäre, wo wären wir dann?
Individuelle Stärken fördern

- Gerald Schubert (48) leitet gemeinsam mit seinem Bruder Ralf Schubert seit September 2012 den Verpackungsmaschinenhersteller Gerhard Schubert GmbH in Crailsheim. Foto: Frieder Daubenberger
Auf der Suche nach einem Baugrundstück ist meiner Frau und mir im Gespräch mit Landwirten der Region aufgefallen, dass diese zum Großteil gar kein Interesse mehr haben, Grundstücke zu verkaufen. „Was wollen wir mit Geld? Der Euro ist doch ohnehin bald nichts mehr wert“, bekamen wir mehr als ein Mal zu hören.
Es macht uns große Sorge, dass das Vertrauen in Euroland schwindet. Andererseits scheint auch aufgrund der Eurokrise das Geld generell lockerer zu sitzen als in den vorangegangenen Jahren. Die Menschen und Entscheidungsträger haben aber wohl auch erkannt, dass Qualität eben auch das entsprechende Geld kostet. Dieses Verhalten wiederum kurbelt unsere Wirtschaft an, wo sich Qualitätsprodukte heute wieder verstärkt durchsetzen. Hiervon profitiert auch unser Unternehmen, das als weltweit aufgestellter Hersteller von Verpackungsmaschinen dadurch eine hervorragende Ausgangsposition für das kommende Jahr hat.
Die Entwicklung in den südeuropäischen Ländern ist aber generell als beängstigend einzustufen, selbst unser Nachbar Frankreich steuert nach dem Regierungswechsel in eine Wirtschaftskrise. Deutschland bleibt also mit Abstand die stärkste Säule der Europäischen Union. Auch 2013 müssen wir aber sehr hart arbeiten, um die Technologieführerschaft in Europa und der Welt zu behaupten. Hierzu sind erstklassige Fach- und Führungsleute notwendig, wie wir sie in unserer Firma glücklicherweise haben.
Mein größter Wunsch für das Jahr 2013 ist aber, dass Eltern, Lehrer und Führungskräfte künftig keine sogenannten Egoprothesen erziehen. In allen Ebenen der Gesellschaft ist es dagegen unheimlich wichtig, die individuellen Stärken einzelner Menschen zu fördern und somit Höchstleistung zu wecken.
Lesen Sie mehr zum Thema in der Januar-Ausgabe 2013 von pro:
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Das Jahr 2013 bringt wichtige Weichenstellungen
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