Hochmeister und Hightech

In Bad Mergentheim verbinden sich die Zeugnisse seiner reichen Stadtgeschichte mit erfolgreichen Unternehmensansiedlungen. Fotos: Christian Huber; Andi Schmid; Würth Industrie Service/Bernhard Zinnau

 

Restaurierter Stadtkern, ein imposantes Schloss, Kurgäste und Weltmarktführer – Bad Mergentheim ist ein Ort im Wandel.

Als „Grafschaft Mergintaim im Taubergau“ wird der Ort erstmals 1058 erwähnt. Optimal gelegen an der „via regia“, die Frankfurt mit Augsburg verband, wohnten hier die Herren von Lauda und Hohenlohe. 1219 traten die Brüder Andreas, Heinrich und Friedrich von Hohenlohe dem Deutschen Orden bei und vermachten ihm weite Teile ihres Besitzes. 1525 wurde Mergentheim zum Hoch- und Deutschmeister-Residenzsitz. Deutschmeister Wolfgang Schutzbar ließ 1546 die erste Wasserleitung und Kanalisation legen und das historische Rathaus erbauen. Aus der alten Wasserburg wurde im 16. Jahrhundert das prächtige Deutschordensschloss.

Auf Befehl Napoleons wird am 24. April 1809 das Ordensgebiet mit Württemberg vereinigt. Mit Gewalt vollzog man die Trennung von Würzburg. Etwas trotzig ob ihrer Verbindung zu Franken beraubt, hätte die Stadt eine unauffällige Entwicklung nehmen können – wenn da nicht ein Schäfer namens Franz Gehrig und seine Schafe 1826 die Karlsquelle entdeckt hätte. Inzwischen sind weitere heilende Quellen hinzugekommen. Das amtliche Prädikat „Bad“ erhielt die Stadt einhundert Jahre nach der Entdeckung der ersten Quelle.

Gesundheitsstadt Heute kommen immer noch zahlreiche Kurgäste für eine Heilbehandlung in Sachen Stoffwechsel oder Bewegungsapparat in die Stadt, die insgesamt rund 800 000 Übernachtungen pro Jahr zählt. Den größten Anteil daran haben die Kurgäste, die im Schnitt drei Wochen hier verweilen. Aufgrund der Gesundheitsreform und osteuropäischer Mitbewerber sind die Kurtaxeeinnahmen allerdings zurückgegangen. Angebote wie Kur- und Wellnessurlaub steuern dem Trend entgegen. Allein 3000 der über 11 000 Arbeitsplätze in der Stadt sind im Gesundheitssektor angesiedelt.

Heute trifft man in Bad Mergentheim aber nicht nur Kurgäste. An der Dualen Hochschule, einer Außenstelle von Mosbach, studieren über 500 junge Menschen. Die Zahl wird in naher Zukunft deutlich ansteigen. Bis dahin soll die „Willkommenskultur für Studenten“, so Bad Mergentheims Oberbürgermeister Udo Glatthaar, weiterentwickelt werden. Dazu zählen neben einer Mensa auch hinreichend Wohnraum. Weltmarktführer wie Würth-Industrie, Bembé oder Roto haben hier eine Heimat gefunden. Genau wie Udo Glatthaar, der vor eineinhalb Jahren als neuer Oberbürgermeister ins Amt einzog. Sein Kernthema: „die Stadtentwicklung gemeinsam voranzutreiben“.

Mit dem neuen Naturwärmekraftwerk Bad Mergentheim, einer Tochter des Stadtwerks Tauberfranken, ist bereits ein Paukenschlag gelungen. Seit Anfang Dezember im Probebetrieb, wird das Kraftwerk ab Januar Wärme und Strom für rund 2000 Haushalte liefern, darunter Großabnehmer wie Schulen, das Krankenhaus und das Solymar. Fast 8,2 Millionen Euro hat der Bau des Kraftwerks gekostet. Dazu kommen noch einmal 4,5 Millionen Euro für das Fernwärmenetz. „Dieses Projekt hilft, die regionale Versorgung der Stadt mit erneuerbarer Energie deutlich voranzubringen“, freut sich Glatthaar. Es sei von Anfang an ein Projekt für die Bürger der Stadt gewesen, so der OB.

Den Folgen der demografischen Entwicklung kann sich Bad Mergentheim derzeit noch entziehen. „Wir hatten in Summe noch nie so viele Einwohner wie heute“, betont Glatthaar. Die niedrige Arbeitslosigkeit (2,9 Prozent) und zahlreiche Arbeitsplätze sind ein Garant dafür, dass dies auch die  nächsten Jahre so bleiben wird. „Das tut der ganzen Region gut“, so der OB. Für Unruhe sorgte hingegen besonders in einer Nachbargemeinde der Bau des neuen Einkaufszentrums in Bahnhofnähe. „Wir mussten erst einmal die rechtlich unsichere und damit problematische Situation heilen“, betont Glatthaar. Inzwischen haben die Bürger die „Mall“ in Besitz genommen und sich die Gemüter beruhigt. Aktuelles Thema bleibt det optimale direkte Zugang von der Innenstadt.

Mittelfristig setzt die Stadt auf ein regionales Gemeinschaftsgefühl. Dabei sieht Udo Glatthaar die Lage Mergentheims zwischen den Oberzentren Würzburg und Heilbronn als Chance, als „lebendige Kontaktstelle zwischen den Polen“ sozusagen. „Wir haben hier Hochtechnologie, eine tolle Kultur, Tradition und eine extrem hohe Lebensqualität. Das sind Pfunde, mit denen man wuchern kann“, so Glatthaar über „seine“ Stadt und Region, in der er sich inzwischen zu Hause fühlt.

Heike Heise

Attraktion: Das neue schmucke Bad Mergentheimer Einkaufszentrum am Bahnhof. Foto: Ufuk Arslan

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