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Im Interview mit der vhs.business berichtet die Wirtschaftsingenieurin, Informatikerin und Dozentin Anika Widmann, wie sie den technologischen Wandel erlebt – im eigenen Berufsalltag und in ihren Seminaren.

Du bist Wirtschaftsingenieurin, Fachinformatikerin und leitest Seminare zu KI-Themen und Future Skills an der vhs.business. Was reizt dich an der Erwachsenenbildung?
Anika Widmann: Was mich wirklich antreibt, ist der Moment, in dem ein Funke überspringt, wenn Teilnehmende etwas Neues lernen, sodass sie es am nächsten Tag anwenden können und damit ihren Alltag ein Stück besser machen. Jede Gruppe bringt andere Erfahrungen mit und ich lerne bei jedem Seminar selbst dazu. Diese kleinen Veränderungen klingen unspektakulär, aber in der Summe bewegen sie wirklich etwas.
Was hat sich deiner Wahrnehmung nach in deinem Arbeitsumfeld durch KI in den letzten zwei Jahren konkret verändert? Gab es hier vielleicht sogar bestimmte Schlüsselmomente?
Widmann: Der Schlüsselmoment war für mich die Einführung von KI-Agenten, also Systeme, die eigenständig Aufgaben übernehmen und Prozesse automatisieren. Routineaufgaben laufen jetzt im Hintergrund und die gewonnene Zeit nutze ich für tiefere Gespräche im Team und strategisches Denken. Das erlebe ich auch in den Seminaren, die wir bei der vhs.business anbieten: KI nimmt keine Arbeit weg, sie schafft Raum für das, was wirklich zählt.
Was glaubst du unterscheidet Unternehmen, die KI gut integrieren, von denen, die sich damit schwertun?
Widmann: Erfolgreiche Unternehmen verstehen KI nicht als einmalige Tool-Einführung, sondern als iterativen Prozess und nutzen ihn, um ihre End-to-End-Prozesse grundlegend zu hinterfragen. Kurz gesagt: KI ist kein Tool, sondern eine Transformation. Sie fragen sich gezielt, wo die Stärken ihrer Mitarbeitenden liegen, und automatisieren dort bewusst nicht. Datenqualität ist dabei entscheidend. Wer keine saubere Datenbasis hat, wird von KI enttäuscht sein. Und eines darf nie vergessen werden: KI ist ein Algorithmus – ein mächtiger, aber einer, der Fehler macht. „Human in the Loop“ ist kein Nice-to-have, sondern Pflicht.
Welche Berufsbilder verändern sich deiner Einschätzung nach am stärksten – auch im Mittelstand, nicht nur in der Großindustrie?
Widmann: Die Chancen durch KI sind branchenübergreifend. Alles, was repetitiv und routinebasiert ist, kann perspektivisch automatisiert werden – vom Mittelstand bis zum Konzern. Was bleibt, ist echte menschliche Interaktion: das persönliche Gespräch, Handwerk, körperliche Präsenz – da stößt KI noch lange an ihre Grenzen. Die entscheidende Frage ist nicht, ob der Wandel kommt, sondern ob man ihn gestaltet oder abwartet.
Welche Fähigkeiten und Kompetenzen gewinnen durch KI an Bedeutung?
Widmann: Die sogenannten Future Skills des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft gewinnen massiv an Relevanz: Digital Literacy (digitale Grundkompetenz), Digital Ethics (digitale Ethik), Kreativität, Resilienz und Innovationskompetenz. Dazu kommt Prompting als echter Zukunfts-Skill. Wer klar formulieren kann, was er will, bekommt bessere Ergebnisse von der KI und von Menschen. Das ist ein Skill mit doppeltem Mehrwert.
Was müssen Mitarbeitende heute über KI verstehen, auch ohne eigenen technischen Hintergrund?
Widmann: Das Wichtigste: KI generiert plausible Antworten, keine garantierten Wahrheiten, kritisches Hinterfragen bleibt Pflicht. Ebenso wichtig ist Datensouveränität: Wer weiß, welche Daten er verwendet und woher das Tool kommt, schützt sich vor unerwünschtem Wissensabfluss. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist dabei kein Beiwerk, sondern gelebte Praxis und die Verantwortung für das Ergebnis bleibt immer beim Menschen.
Diverse Teams treffen nachweislich bessere Entscheidungen, auch beim KI-Einsatz. Erlebst du das in der Praxis oder bleibt das oft Theorie?
Widmann: Das ist definitiv keine Theorie. Was ich beobachte: Frauen prompten oft intuitiv präziser. Als Frau in der Technik überrascht mich das nicht, aber es ist schön, es in der Praxis zu sehen. Diverse Daten sind das Rückgrat jeder KI-gestützten Auswertung. Wer einseitige Daten verwendet, bekommt einseitige Ergebnisse. KI ist dabei ein echter Brückenbauer: Durch integrierte Übersetzungsfunktionalitäten wird Sprache als Barriere zunehmend irrelevant, verschiedene Kulturen können so besser zusammenarbeiten, und ein 60-Jähriger kann KI genauso souverän nutzen wie eine 12-Jährige. Was zählt, ist Neugier und die Bereitschaft, weiter zu lernen.
Was würdest du Unternehmen raten, die ihre Mitarbeitenden fit für die KI-Welt machen wollen? Wo fangen sie am besten an?
Widmann: Ein flexibles Rahmenwerk schaffen, mit kleinen konkreten Anwendungsfällen starten und Mitarbeitenden bewusst Zeit zum Ausprobieren geben. KI-Kompetenz entsteht im echten Tun, im Seminar geben wir dafür erste Anstöße. Netzwerke für Gleichgesinnte schaffen zusätzlich eine Dynamik, die kein Top-Down-Training ersetzen kann. Und wer darauf wartet, erst alles perfekt gelöst zu haben: Die Entwicklung ist schlicht zu schnell. Der beste Zeitpunkt anzufangen war gestern, der zweitbeste ist heute.
Was nehmen Teilnehmende aus deinen Seminaren der vhs.business mit, das sie anderweitig so nicht bekommen?
Widmann: Echte Praxis – als Fachinformatikerin mit End-to-End-Erfahrung verstehe ich nicht nur, wie man Tools bedient, sondern auch, was technisch dahinter passiert. Als systemische Business Coach verbinde ich das mit Reflexionsübungen und konkreten To-dos, damit Veränderung sich nachhaltig im Alltag der Teilnehmenden verankert. Gute Weiterbildung verändert dabei nicht nur den Arbeitsalltag, sie kann Leben verändern.
Zur Person
Anika Widmann ist Wirtschaftsingenieurin, Fachinformatikerin, Systemische Business Coach, zertifizierte Design Thinking Coach und Innovationsexpertin. Als Beraterin bei Kobold Consulting GbR begleitet sie Organisationen bei der digitalen Transformation und bringt viel Praxiserfahrung bei der Nutzung KI-gestützter Lösungen mit. Von diesem Fachwissen profitieren auch Teilnehmende der vhs.business – dort ist sie seit 2020 als Dozentin tätig.

vhs.business
vhs.business vereint die Expertise der Volkshochschulen Heilbronn, Neckarsulm und Unterland und bietet Unternehmen und Verwaltungen sowie ihren Teams ein breites Weiterbildungsangebot. Praxisnahe Inhalte, erfahrene Dozierende und kleine Gruppen stehen dabei im Mittelpunkt. Neben offenen Seminaren entwickelt vhs.business auch individuelle Firmenseminare – vor Ort oder als Inhouse-Schulung.
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