„Bewerbung kommt von werben“

Ein gutes Anschreiben und ein guter Lebenslauf sind das A und O beim Bewerben. Foto: Fotolia/Stockfotos-MG

Wie muss eine gute Bewerbung aufgebaut sein? Welche Inhalte sollten im Anschreiben, welche im Lebenslauf stehen? Beratungscoach Yvonne Fischer aus Nordheim gibt wertvolle Tipps, die angehende Azubis beachten sollten.

Frau Fischer, als Personal Coach und professionelle Bewerbungsberaterin wissen Sie genau, worauf es bei Bewerbungen ankommt. Was soll eine Bewerbung im Allgemeinen über eine Person aussagen?

Fischer: In dem Wort Bewerbung steckt das Wort „Werbung“. Warum bewerben Unternehmen ihre Produkte? Sie wollen deren Absatz steigern. Mit einer Bewerbung verhält es sich ähnlich. Der Bewerber will mit seinen Unterlagen auf sich aufmerksam, den potenziellen Arbeitgeber auf sich neugierig machen. Das gelingt ihm am besten, indem er seinen Nutzen für das Unternehmen darstellt.

Welche Funktion hat das Anschreiben in einer Bewerbung?

Fischer: Das Anschreiben hat die Funktion, dem Leser einen kurzen Überblick über die wichtigsten Erfahrungen und Kenntnisse zu geben. Zudem sollte darin das Interesse des Bewerbers zum Ausdruck kommen, warum er sich gerade bei diesem Unternehmen für die ausgeschriebene Position bewirbt.

Wie ist das Anschreiben aufgebaut?

Fischer: Im Allgemeinen umfasst das Anschreiben eine Seite und ist in einer gängigen Schriftart abgefasst – also in Arial oder Times New Roman. Den Aufbau eines Anschreibens vergleiche ich gern mit dem eines Aufsatzes – bestehend aus einer Einleitung, einem Hauptteil und dem Schluss. Somit umfasst das Anschreiben mindestens drei Absätze. Es gelten keine festen Normen, wann wo was zu stehen hat. So könnte im ersten Absatz begründet werden, warum man sich bewirbt. Im Hauptteil könnte etwas zur eigenen Person sowie den vorhandenen Kenntnissen stehen. Im letzten Absatz äußert man Freude über eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch.

Was hat sich im Laufe der Jahre beim Erstellen und Versenden von Bewerbungsunterlagen verändert?

Fischer: In Zeiten des Internets sollten man möglichen Arbeitgebern das Anschreiben und den Lebenslauf in getippter Form zusenden. Die meisten präferieren den Erhalt der Unterlagen per E-Mail. Im Lebenslauf muss auch nicht unbedingt mehr der Beruf der Eltern angeführt werden. Auch die Konfession kann meist weggelassen werden. Erfolgte der Aufbau des Lebenslaufes früher generell in chronologischer Form, wird heute der retrograde Aufbau bevorzugt. Das bedeutet, dass als zweiter Gliederungspunkt unter den persönlichen Daten die Berufserfahrung angeführt wird, die letzte Arbeitsstelle zuoberst. Wichtig ist, dass der Lebenslauf übersichtlich gestaltet und leicht zu lesen ist.

Was muss ich unbedingt beim Verfassen eines Anschreibens beachten?

Fischer: Man sollte immer genau die Anzeige, insbesondere das Anforderungsprofil lesen, sodass man sich nicht am Anforderungsprofil vorbei bewirbt. Auch auf eine korrekte Rechtschreibung und eine sachliche, nicht flapsige Ausdrucksweise sollte geachtet werden. Wichtig ist auch, authentisch zu bleiben und nicht zu übertreiben. Gleichzeitig muss man sich dessen bewusst sein, was man zu bieten hat.

Wie finde ich den besten Einstieg in das Anschreiben?

Fischer: Ein Journalist muss seine Leser mit der Überschrift und seinem ersten Satz neugierig machen, fesseln und zum Weiterlesen verführen. Das ist beim Verfassen eines Anschreibens ähnlich. Man sollte den ersten Satz des Anschreibens so formulieren, dass ein Arbeitgeber weiterlesen und mehr über einen erfahren möchte. „Hiermit bewerbe ich mich“ oder „Bezug nehmend auf Ihre Anzeige“ sind häufig verwendete Formulierungen und somit langweilig. Es gilt, mit dem Einstieg Interesse zu wecken, Spannung zu erzeugen und den Leser die Begeisterung spüren zu lassen.

Inwiefern gehe ich auf das Unternehmen, bei dem ich mich bewerbe, ein?

Fischer: Ich kenne Unternehmen, da wird die Bewerbung beiseite gelegt, wenn sie nicht zum Ausdruck bringt, warum man sich bei diesem Unternehmen bewirbt. Man sollte prüfen, ob man zum Unternehmen passt und begründen, warum man sich auf die ausgeschriebene Stelle und warum gerade bei diesem Unternehmen bewirbt.

Was ist ein absolutes No-Go beim Anschreiben?

Fischer: Es gibt mehrere No-Gos. Der Aufbau eines Anschreibens beginnt mit einem vollständigen Briefkopf (eigene Adresse mit Telefonnummer und E-Mail-Adresse, Adressdaten des Unternehmens, Datum und Betreffzeile). Man sollte den Ansprechpartner anschreiben, der in der Anzeige erwähnt ist und nicht „sehr geehrte Damen und Herren“ formulieren. Außerdem sollte die Betreffzeile nicht leer beziehungsweise nicht zu allgemein und somit nicht aussagekräftig gehalten sein. Konjunktive sollten nach Möglichkeit vermieden werden – sonst wird die Aussage abgeschwächt. Korrekte Schreibweise und Kommasetzung sind sehr wichtig.

Was ist Ihr Tipp für ein gelungenes Anschreiben für Berufsanfänger?

Fischer: Man sollte im Anschreiben begründen, warum man sich für diese Ausbildung entschieden hat und warum man die Ausbildung bei diesem Unternehmen machen möchte. Wenn man einen Beruf wählt, der einen interessiert, der Freude bereitet, kann man leichter und überzeugender formulieren, als wenn der Beruf eine Notlösung ist. Die Begeisterung wird für den Leser im Anschreiben spürbar werden.

Interview: Alexander Liedtke

Zur Person
Yvonne Fischer ist systemischer Coach und Outplacementberaterin in Nordheim.