Das Lernen hört nie auf

Neue Inhalte zu verarbeiten, kostet teilweise eine Menge Zeit. Umso wichtiger ist es, sein Umfeld miteinzubeziehen, wenn man sich für eine Fort- oder Weiterbildung entscheidet. Foto: Fotolia/ALDECAstudio

Man lernt nie aus. Wie viel Wahrheitsgehalt in dieser Binsenweisheit steckt, merkt man spätestens dann, wenn man wieder etwas Neues dazu gelernt hat. Wir haben herausgefunden, wo und inwiefern dies überall in der Region möglich ist – und was es tatsächlich bringt.

Für viele Menschen ist es zunächst eine Erleichterung, wenn sie die Schulzeit endlich hinter sich gebracht haben. Doch auch, wenn sie den Schulranzen für immer in den Keller verbannt haben und mit beiden Beinen fest im Berufsleben stehen: Das Lernen hört nie auf. „Wir erleben eine Arbeitswelt, die sich in einem dynamischen Wandel befindet: Ob es um die Digitalisierung von Geschäftsprozessen geht, Projekte zum Erfolg zu führen sind oder die Geschäftsbeziehungen im Rahmen der Globalisierung zunehmend internationaler werden – die Anforderungen an die berufliche Kompetenz von Fach- und Führungskräften steigen“, sagt Bernhard Löw, Mitglied der Geschäftsleitung des IHK-Zentrums für Weiterbildung. Dies betreffe das fachliche Berufswissen, etwa im Bereich Sprachkenntnisse, EDV-Wissen, kaufmännische und technische Kenntnisse, ebenso wie die Fähigkeit, mit anderen Menschen erfolgreich zusammenarbeiten zu können. Dabei gilt es beispielsweise, Sozialkompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, Konfliktbehandlung oder Teamfähigkeit zu entwickeln.

Simon Fauser, Geschäftsführer der Weiterbildungseinrichtung HILL (Heilbronner Institut für Lebenslanges Lernen) von der Hochschule Heilbronn, fügt hinzu: „Lebenslanges Lernen ist aufgrund dreier Aspekte wichtiger als je zuvor: Erstens, die Halbwertszeit des Wissens geht dramatisch zurück – immer schneller sind Inhalte überholt“, sagt er. „Zweitens, der Kontext des Wissens ändert sich immer häufiger – andere Firma, anderes Projekt, anderes Land. Und drittens – vielleicht am grundlegendsten –, die Weiterentwicklung der Fähigkeiten zur Veränderung wird absolute Voraussetzung – denn nur so ist Lernen möglich.“

Auch Peter Hawighorst, Leiter der Volkshochschule Heilbronn bestätigt, dass die Halbwertszeit an Wissen immer kürzer wird. „An der Hochschule erworbenes Wissen hat schon nach zehn Jahren nur noch 50 Prozent Gültigkeit“. Im IT-Fachbereich seien 90 Prozent des bereits erworbenen Wissens nach nur drei Jahren nicht mehr relevant. „An diesen beiden Beispielen sieht man, wie wichtig Weiterbildung ist, um beruflich oder vielleicht auch gesellschaftlich am Ball zu bleiben“, fügt Hawighorst hinzu. „Weiterbildung ist dazu da, die eigenen Potenziale zu fördern und die Teilhabe an Beruf und Gesellschaft lange möglich zu machen.“ Aus Sicht der Volkshochschule sei es besonders wichtig, dass Menschen sich Zeit ihres Lebens mit Lerninhalten befassen, um geistig beweglich zu bleiben, und zwar für alle Altersklassen. „Sprachen halten etwa geistig fit“, sagt Hawighorst. So könne sich etwa ein Mittdreißiger, der von seinem Arbeitgeber in einem Vierteljahr nach Peking geschickt wird, an der VHS schnell und kompetent Chinesisch lernen. Oder die rüstige 70-Jährige einen EDV-Kurs machen, um mit ihren Enkeln im Ausland zu skypen.

Wer besondere Kenntnisse mitbringt, hat nicht zuletzt in Zeiten von Fachkräftemangel ein berufliches Ass im Ärmel. Die berufliche Weiterbildung sollte daher immer zur beruflichen Laufbahn und zur Perspektive des Einzelnen passen, betont Löw. „So ist es sicherlich ratsam für jeden Absolventen der dualen Berufsausbildung, beispielsweise einen Mechatroniker, sich angesichts der rasanten technologischen Entwicklung in der Steuerungstechnik im Rahmen der sogenannten Anpassungsweiterbildung beruflich fit zu halten.“ An der IHK gibt es neben Sprach- und EDV-Kursen auch Masterstudiengänge sowie Seminare für Azubis, Kurse zu Recht und Steuer, Vertrieb oder für Fach- und Betriebswirte.

Beim HILL gibt es berufsbegleitende Bachelor- und Masterstudienprogramme in den Bereichen Technik, Wirtschaft und Informatik, die speziell auf die Anforderungen der Wirtschaft abgestimmt sind mit Abschlüssen mit international angeerkanntem akademischem Grad. Bei der Volkshochschule können Teilnehmer neben beruflichen Kursen und Sprachkursen auch Angebote zum Thema Allgemeinbildung wählen, die sich unter anderem auch an Zielgruppen wie Singles, Menschen mit Behinderung oder Jugendliche richten. Gleichzeitig bietet die Einrichtung auch kreative Kurse wie Fotografie, Malerei, Kochkurse, Gesundheit, Bewegung und Kultur. Für junge Menschen gibt es die Jugendkunstschule sowie schulische Vorbereitungskurse.

Laut Löw nehmen bundesweit die Arbeitgeber für Weiterbildung mehr als 26 Milliarden Euro in die Hand. „Viele Unternehmen sind bereit, ihre Mitarbeiter finanziell zu fördern, wenn diese sich in einem Fachgebiet qualifizieren wollen, das auch dem Betrieb zugutekommt. Zusätzlich gibt es staatliche Förderungsmöglichkeiten. Damit man sich unter der Fülle des Angebots für eine qualitativ hochwertige Weiterbildung entscheidet, rät Löw Unternehmen und private Weiterbildungsinteressenten eine Qualifizierungsberatung in Anspruch zu nehmen.

Wer sich für eine berufsbegleitende Weiterbildung entscheidet, muss auch den Zeitfaktor in Betracht ziehen: Zwischen einem und drei Jahren kann eine Fortbildung dauern. Damit auch das Privat- und Familienleben nicht leidet, empfiehlt Löw, ein aktives Zeitmanagement zu betreiben. „Das Umfeld sollte informiert und einbezogen werden, sodass es ein Verständnis für das wichtige Vorhaben entwickelt und gegebenenfalls unterstützen kann.“

Tanja Capuana