„Hör auf deinen Bauch …“

Albert Berner wurde am 12. Juli 85 Jahre alt. Künftig will er das Leben noch ein paar Jahre lang genießen und sich dem Golfspiel widmen. Foto: Lydia-Kathrin Hilpert

Albert Berner ist eine der prägenden Unternehmerpersönlichkeiten der Region. Er hat Höhen und Tiefen kennengelernt, aber immer an seinen Erfolg geglaubt und seiner Heimat die Treue gehalten. Im Interview verrät er, was ihn antreibt.

Der „Zeit“ haben Sie 2011 gesagt, dass Sie 2020 zwei Milliarden Euro umsetzen und mindestens 15 000 Leute beschäftigen wollen. Es hat nur fast geklappt. Kann ein Handelsunternehmen wie Ihres in Zeiten wie diesen noch wachsen?

Albert Berner: Aber selbstverständlich, denn auch bei Gegenwind wie Finanzkrisen und Corona gibt es Sieger. Die Berner Group hat im Geschäftsjahr 2018/2019 rund fünf Prozent beim Umsatz zugelegt, weil wir uns auf die geänderten Rahmenbedingungen mit einer großen Transformation eingestellt haben. Bei der Formulierung von Zielen halte ich es gern mit Herbert von Karajan, von dem bekanntlich das Zitat stammt: „Wer all seine Ziele erreicht hat, hat sie sich als zu niedrig ausgewählt.“ Nur anspruchsvolle Ziele sorgen meiner Meinung nach dafür, dass alle ihr Bestes geben.

Berner ist exportstark, so wie viele andere Unternehmen in der Region. Die Corona-Pandemie lässt Exporte stark einbrechen. Muss sich die Wirtschaft in Heilbronn-Franken neu erfinden?

Berner: Ich kann nur für uns sprechen. Wir sind europaweit gut durch die Pandemiephase gekommen und haben mit 13 Prozent Umsatzplus den besten Juni seit Gründung erreicht. Die Gründe: Unser Geschäft ist systemrelevant, weil das Handwerk in der Krise weiterhin funktionieren musste. Auch in der Zeit, als beispielsweise in Spanien oder Italien alles stillstand, durfte Berner noch raus. Im Gegensatz zu Hotellerie oder Reiseindustrie haben wir dadurch weiterhin signifikante Umsätze erzielen können. Mit dem Multikanalvertrieb haben wir zudem unseren Kunden rund um die Uhr und an sieben Tagen die Woche Produkte und Services anbieten können. Außerdem waren wir immer lieferfähig und wenn der Kunde es wollte, war der Vertriebsmitarbeiter immer auch persönlich erreichbar.

Sie sind Ihrer Heimatregion sehr eng verbunden und haben den Konzern lange Jahre von Künzelsau aus geleitet. Was machte die Stadt Künzelsau zum Top-Standort für Berner?

Berner: Künzelsau ist und bleibt meine Heimat. Schon früher, als ich noch regelmäßig auf Geschäftsreisen war, konnte ich es kaum erwarten, wieder nach Hause zu kommen. Hier in Hohenlohe hat sich insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg das Schrauben- und Befestigungscluster der Bundesrepublik Deutschland, wenn nicht sogar Europas gebildet. Von dem Know-how und Erfindergeist der Mitarbeiter und einer über Jahrzehnte weiterentwickelten Infrastruktur profitieren wir als Unternehmen und die Region im Ganzen noch heute. Sie finden hier eine enorme Wirtschaftskraft, die in dieser geballten Form ihresgleichen sucht. Hinzu kommt aber noch etwas ganz Besonderes: die erfreulich starke Bereitschaft der ansässigen Firmen, soziale und gesellschaftliche Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen.

Reinhold Würth und Gerhard Sturm waren Ihre Klassenkameraden. Auch danach gab es immer wieder Berührungspunkte. Hat diese Konstellation etwas mit Ihren Erfolgen zu tun?

Berner: Ich glaube, die Zeit, in die wir hineingeboren wurden, hat etwas mit Erfolg zu tun. Der Glaube an die Zukunft, Zutrauen in die eigene Kraft der Gestaltung und Mut sind Eigenschaften, die uns verbinden. Wir haben uns persönlich schon immer gut verstanden, sind aber aus demselben Holz. Deshalb war beruflich natürlich auch ein gewisser Wetteifer bei uns im Spiel, der uns motiviert und zu Höchstleistungen angetrieben hat.

Berner hat in den vergangenen Jahren die Digitalisierung vorangetrieben. Wie gehen Sie persönlich mit den digitalen Medien um?

Berner: Das Thema Digitalisierung ist bei uns zu Hause bei meiner Ehefrau Ulla in den besten Händen. Da halte ich mich schön raus.

Sie feiern Ihren 85. Geburtstag. Haben Sie einen Geburtstagswunsch, der sich bisher nicht erfüllt hat?

Berner: Ich würde gern einmal ein Hole-in-One beim Golf erreichen, also mit dem ersten Schlag die Kugel im Loch versenken.

Was würden Sie einem jungen Unternehmer raten, der auch so erfolgreich werden will wie Sie?

Berner: Hör auf keinen Rat, hör auf deinen Bauch und Verstand.

Interview: Dirk Täuber