„Ich war dem Tod näher als dem Leben“

Über viele Jahre hinweg griff Wolfgang K. regelmäßig zur Flasche, betrank sich hemmungslos und versuchte auf diese Weise, mit seinen Problemen fertig zu werden. Hilfe fand er schließlich bei den Anonymen Alkoholikern. Foto: Shutterstock/Axel Bueckert

Ich heiße Wolfgang K., bin 66 Jahr alt, lebe in Neckarsulm und bin ein waschechter Alkoholiker. Lange Zeit habe ich mich jeden Tag volllaufen lassen. Innerhalb weniger Monate hatte ich mich total heruntergesoffen. Mein Leben schien vorbei. Ich war am Ende. Dem Tod näher als dem Leben. Doch seit dem 9. Januar 1975 – seit über 43 Jahren – bin ich trocken. Für dieses Geschenk kann ich nur dankbar sein – einer höheren Macht und den Anonymen Alkoholikern. Doch der Reihe nach.

Ich weiß nicht, warum ich je Alkoholiker geworden bin. Meine Kindheit war sicher nicht der Auslöser dafür – auch wenn sie nicht immer einfach war. Ich wuchs als viertes Kind in einer Familie der Nachkriegszeit auf. Mein Vater war in Russland als vermisst gemeldet worden. Als er aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte, war er von den Kriegswirren stark traumatisiert. Wir waren arm. Heute würde man sagen, wir lebten ständig unterhalb der Armutsgrenze. Geld hatten wir nie viel. Aber uns war nicht bewusst, dass wir arm waren. Damals hatte keiner viel Geld zur Verfügung.

Ich erinnere mich daran, dass mir mein Großvater einst ein Wurstbrot anbot. Die Scheibe Wurst lag ganz hinten, am Ende der Brotscheibe. Ich fragte ihn, warum nicht das ganze Brot mit Wurst belegt sei. Er antwortete mir: „Wenn du von vorne nach hinten isst, dann freust du dich am Schluss.“

An mein erstes Glas Saft kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Aber ich weiß noch genau, wann ich das erste Glas Wein getrunken habe. Es war Silvester 1964. Ich war zwölf Jahre alt. Damals hatte ich ausnahmsweise ein Gläschen zum Anstoßen bekommen. Gleich nach dem ersten Schluck fühlte ich ein Kribbeln im Kopf. Ein Gefühl der Leichtigkeit. Von diesem Moment an wollte ich dieses trügerische Gefühl wieder erleben – wieder und immer wieder. Es war schon damals wie ein Rausch.

Nicht zufrieden

Ich weiß nicht, warum, aber ich glaube, dass ich als Kind nie richtig glücklich war. In der Schule wollte ich unbedingt ein guter Schüler sein, mich mit „Sonderaktionen“ hervortun. Ich war ein guter Sportler, habe immer eine Ehrenurkunde bei Sportveranstaltungen erhalten. Ich war bereit, freiwillig beim Aufstuhlen in der Festhalle zu helfen. Ich suchte immer die Nähe zu den Lehrern, die doch bemerken mussten, was ich für ein guter Junge war. Als ich dann mein Zeugnis bekam – was keinesfalls schlecht war –, war ich dennoch enttäuscht, dass es nicht besser war. Ich hatte mich doch so bemüht. Es reichte dennoch nicht für mehr. Warum, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass ich zu keiner Zeit das Gefühl hatte, den Ansprüchen anderer gerecht zu werden. Ich war immer der Meinung, das, was andere von mir erwarteten, nicht erreichen zu können.

Als ich 13 oder 14 Jahre alt war, trank ich Alkohol als Mittel zum Zweck. Der Alkohol war für mich wie eine Art Krückstock – für meine seelische Krankheit, die ich schon in meinen frühen Jahren hatte.

Während meiner Lehrzeit, ich war gerade 15 Jahre alt, bot sich mir öfters die Gelegenheit, an Alkohol heranzukommen. Bei Jubiläen etwa oder bei anderen Festen. Immer regelmäßiger griff ich zur Flasche. Schon damals hatte ich ein Problem mit Alkohol, war Alkoholiker, nur wusste ich das nicht. Die meisten Säufer wissen nicht, dass sie alkoholabhängig sind. Wüssten sie es, würden sie vermutlich aufhören zu trinken.

Mein Vater erzählte nie viel vom Krieg oder seinen Einsätzen in Frankreich, Polen oder Russland. Und doch war ich fasziniert – von seinem Dienstgrad und seinen Orden. Für mich stand fest: Auch ich wollte Soldat werden. Dann nämlich konnte ich meinem Vater beweisen, dass auch ich ein guter Soldat sein konnte. Als ich zur Musterung musste, wäre ich enttäuscht gewesen, wenn das Militär mich abgelehnt hätte. Doch ich wurde nicht ausgemustert, ich wurde einberufen.

Schnell wurde ich befördert, bekam einige Auszeichnungen, wurde zum Einzelkämpfer ausgebildet und war zuletzt bei einer Eliteeinheit eingesetzt. Dort war das Saufen – zumindest für mich – an der Tagesordnung. Ich war noch keine 20 Jahre alt.

Damals lief ich zur „Höchstform“ auf. Im Suff löste ich nachts um zwei Uhr einen Probealarm aus. Man kann sich vorstellen, was das für Konsequenzen hatte. Nach ähnlichen Vorkommnissen hat man mich wegen Leistungsfunktionsstörungen entlassen. Mein Traum vom Berufssoldat war vorbei. Geplatzt wie eine Seifenblase.

Zurück im zivilen Leben hatte ich viele Jobs. Hier mal einen, da mal einen. Nie etwas Festes. Ich habe es nirgends lange ausgehalten. Ich kam mit den anderen nicht klar. Doch ich war universell einsetzbar, weil ich vieles konnte. Weil ich vieles können musste. Ich musste Geld verdienen, um Alkohol kaufen und trinken zu können.

Noch während meiner Zeit bei der Bundeswahr lernte ich in einer Kneipe eine junge Frau kennen. Sie war die Schwester eines Schulkameraden und zahlte mir zwei Asbach-Cola. Später erinnerte ich mich daran und besuchte sie zu Hause. Ich hatte mich in sie verliebt. Nach meiner Zeit bei der Bundeswehr verlobten wir uns, zogen in eine gemeinsame Wohnung. Doch die Beziehung hielt nicht lange. Ich trank und wir hatten oft Streit deswegen. Wir trennten uns, sie zog aus unserer Wohnung aus – schwanger. Doch das wusste ich nicht.

Absturz

Statt mich um meine Zukunft zu kümmern, nahm ich einen anderen Alkoholiker in die Wohnung auf, der einen Teil der Miete bezahlte und was zum Saufen beisteuerte. Auch ich deckte mich mit Alkohol ein. Ich betrank mich jeden Tag. Innerhalb weniger Monate hatte ich mich total heruntergesoffen. Eines Nachts war es besonders schlimm. Kneipengenossen legten mich deshalb vor die Haustüre meiner Eltern. Es ging mir nicht gut und mein Zustand verschlechterte sich zunehmend. Ich fiel in ein Alkohol-Prädelirium. Ich sah einen Ölofen in meinem Zimmer, aus dem Mäuse herauskrochen. In Wirklichkeit stand dort gar kein Ofen. In meinem Wahn habe ich alles geschluckt, was ich erwischt hatte: Tabletten sowie Abfangjäger, ein Alkoholersatz, der gegen das Mandolinenfieber, besser bekannt als Zittern, wirkt. Als „Nachtisch“ habe ich sogar den Nagellackentferner meiner Schwester gesoffen. Alles in allem: ein tödlicher Cocktail.

Meine Eltern riefen eine Kontaktnummer der Anonymen Alkoholiker an und die den Notarzt. Standesgemäß liegend kam ich in die Notfallaufnahme. Von dort wurde ich sofort auf die Intensivstation verlegt. Mein erster Absturz. Doch es sollte nicht der letzte bleiben.

Im Januar 1974 lag ich schließlich im damaligen psychiatrischen Landeskrankenhaus Weinsberg auf der Station A7 – dem Tod näher als dem Leben. Ein Arzt sagte zu meinem Vater: „Nehmen Sie die Kleider Ihres Sohnes wieder mit, er hat nur wenig Überlebenschancen. Wenn was ist, rufe ich Sie im Laufe der Nacht an.“ Ich lag im „Leichenzimmer“. 14 Tage im Koma. Während dieser Zeit versuchte der Arzt, meinen Eltern schonend beizubringen, dass – wenn ich dies überleben sollte – es auf Dauer für mich keine Genesung gäbe. Eine Nachricht, die meinen Eltern sicher den Boden unter den Füßen weggezogen hat – hatten sie doch schon einmal ein Kind – ihr erstgeborenes im Alter von zwei Jahren – verloren. Ich selbst bekam von all dem nichts mit. Nicht wirklich. Doch ich hatte mich selbst gesehen, wie ich da im Sterben lag. Ja, es ist so, viele Alkoholiker saufen halt, bis sie sterben. Wieder einmal war ich dem Tod näher als dem Leben. Nach zwei Wochen erwachte ich aus dem Koma und sah erstaunt in das Gesicht eines Pflegers, den ich zuvor nur von „oben“ gesehen hatte. Er sah mich an und meinte scherzhaft: „Zuerst sterben wollen und dann blöde aus der Wäsche schauen.“ Nach zwei Monaten wurde ich auf eine andere Station verlegt. Es war grausam dort: Lauter psychisch Kranke waren eingesperrt – unter ihnen auch ein paar „Spezialisten“, wie ich einer war.

Damals gab es noch keine Alkoholiker- oder Entgiftungsstationen. Ich war auf einer geschlossenen Station für Geisteskranke gelandet. Ich wusste damals noch nicht, dass ich selbst auch krank war. Wenn ich Besuch bekam, betonte ich immer, dass ich nicht geistig krank sei und nicht zu den Verrückten dort gehörte; dass man mich unbedingt sofort dort herausholen müsse. Ich war doch nur durch jugendlichen Leichtsinn dorthin geraten. Ich hatte doch bloß einen Nervenzusammenbruch erlitten. Alle anderen waren zu Recht da, nur ich nicht.

Meine Rettung

Eines Morgens bekam ich Besuch von einem mir unbekannten Mann. Er sagte, er hätte von mir gehört. Meine Mutter hätte ihn angerufen und ihn gebeten, mit mir zu sprechen. Er sagte, dass er das gerne tun würde, wenn auch ich das wollen würde. Er brachte mir Kekse und Saft. Und ich brachte es nicht fertig, nein zu sagen. Der Mann hieß Max. Wir setzten uns in eine Ecke und unterhielten uns. Max war ein guter Erzähler. Er war in der Lage, mich zum Zuhören zu bringen. Seine Geschichte war so interessant, dass er mich in seinen Bann zog. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nie zuvor von den Anonymen Alkoholikern gehört. Max fragte, ob er erneut zum Reden kommen solle. Ich verneinte nicht und fragte ihn stattdessen, ob er mir nicht eine Schachtel Zigaretten mitbringen könnte. Nach der Begegnung mit Max konnte ich Nächte lang nicht mehr schlafen. Ich musste immer daran denken, was Max mir über sich und den Alkohol erzählt hatte. Max hatte Eindruck auf mich hinterlassen, seine Geschichte mich zum Nachdenken animiert. Auch ich suchte den Weg zu den Anonymen Alkoholikern. In der Anstalt gab es eine Gruppe, die ich besuchte.

Irgendwann wurde ich aus Weinsberg entlassen. Auch nach meiner Entlassung ging ich einige Male zu den Treffen der Anonymen Alkoholiker. Irgendwann blieb ich ihnen fern; ging nicht mehr dorthin. Warum? Auch das weiß ich nicht. Es kam, wie es kommen musste. Ich hatte einen Rückfall, hatte wieder zur Flasche gegriffen und wieder gesoffen. Wie hatte es nur so weit kommen können? Wie konnte ich mich nur so heruntersaufen, mich selbst so entwürdigen?

Die Einsicht kam irgendwann und ich ging erneut zu den Treffen der Anonymen Alkoholikern. Kein Vorwurf, keine Fragen. Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich war einfach froh, dass sie mich wieder herzlich aufnahmen – dieses Mal mit Erfolg.

Am 9. Januar 1975 durfte ich trocken werden. Ich wusste damals nicht, dass dieser Tag das Ende meiner Säuferlaufbahn sein sollte. Das sind bis heute 43 Jahre, in denen ich keinen Alkohol zu mir nehmen musste.

Im August des gleichen Jahres kam meine erste Tochter zur Welt. Ich nahm wieder Kontakt zu meiner „Ex-Verlobten“ auf. Zwei Jahre später heirateten wir. Nicht, weil die Liebe zwischen uns besonders groß war, sondern weil man damals halt heiratete, wenn man gemeinsam ein Kind bekommen hat. 1979 erblickte meine zweite Tochter das Licht der Welt. Die Ehe, die nie eine war, ging nach und nach dem Ende entgegen. Wir versuchten dennoch, den Schein zu wahren. Mein Sohn kam 1982 zur Welt. Es half nichts. Die Ehe scheiterte und wir ließen uns scheiden. Dennoch bin ich froh, dieses Kapitel in meinem Leben aufgeschlagen zu haben. Alle drei Kinder sind für mich ein Geschenk. Sie sind in meinem Herzen.

Zukunft aufbauen

Auch beruflich lief nicht alles von Vornherein rund. In den ersten Jahren hatte ich zwölf „Jobs“. Ich hielt es nie lange in einer Firma aus. Es gab keinen Job, in dem ich mich wirklich wohlfühlte. Heute weiß ich, dass das ausschließlich an mir lag – nicht am Arbeitgeber, nicht an den Aufgaben, nicht an den Kollegen. Zur damaligen Zeit war ich einfach noch nicht reif für eine verantwortungsvolle Aufgabe. Ich hatte noch zu viel an mir zu arbeiten.

Doch zumindest hatte ich Arbeit und lag nicht auf der faulen Haut herum. Ich ließ mich nicht von anderen oder vom Staat aushalten. Nichts tun, das wäre vielleicht eine Weile gut gegangen, aber längerfristig herumlungern, das hätte mich nicht erfüllt. Vor allem wäre es für meine Trockenheit nicht gut gewesen. Das Risiko eines Rückfalls wäre dramatisch gestiegen.

Ich machte jede Art von Arbeit: Brötchenverkäufer, Versicherungsvertreter, Totengräber, Band-, Lager- oder Kanalarbeiter. Als Kanalarbeiter fühlte ich mich irgendwie wohl, wusste ich doch, wie es war, in der Scheiße zu liegen.

Als Kanalarbeiter war ich viel auf Montage, immer unterwegs. So hatte ich die Möglichkeit, an vielen Anonymen-Alkoholiker-Meetings in verschieden Städten teilzunehmen. Ich lernte in Oldenburg meinen AA-Freund Heinrich kennen, der schon so lange trocken war, dass er wie Pergamentpapier knisterte. Anstatt die Spesen zu versaufen, ging ich nach Feierabend zu den Treffen und wenn keine Meetings zu finden waren, habe ich in Fachbüchern gelesen. Ich wollte trocken bleiben – um jeden Preis.

Irgendwann ging es auch beruflich voran. Mein Chef rief mich eines Tages zu sich und fragte mich, ob ich nicht Interesse hätte, die Technikerschule zu besuchen. Natürlich hatte ich Interesse. Also ging ich hin, machte meinen Techniker.

Ich bin in dieser Firma zum Bauleiter und Arbeitsvorbereiter aufgestiegen. Nach einigen Jahren, in denen ich überdurchschnittlich gut verdiente, fiel mir das Montagegeschäft immer schwerer. Nicht wegen der Arbeit an sich, sondern weil ich keine Motivation mehr hatte. Meine Familie fehlte mir. Ich war es leid, immer unterwegs zu sein, niemals zu Hause. Ja, meine Familie fehlte mir. Ich hatte wieder geheiratet. Inzwischen sind wir seit 35 Jahren zusammen, seit 31 Jahren verheiratet. Es ist ein Geschenk, für das ich täglich dankbar bin.

Eines Tages rief mich meine Ehefrau an und erzählte mir, dass eine Firma einen Techniker in meinem Fachbereich suchte. Ich hatte keine Erwartungshaltung, doch ich bewarb mich. Ich fragte mich, was passieren würde, wenn ich die Stelle tatsächlich bekommen würde. Der Verdienst war deutlich geringer als bei meinem derzeitigen Arbeitgeber – weniger als die Hälfte meines jetzigen Gehalts.

Es kam, wie es kommen musste: Ich bekam den Job. Und ich habe das Angebot angenommen. Ich dachte mir, wenn die sich für dich entschieden haben, dann ist das halt dein Weg, den eine höhere Macht mit dir vorhat. Ich hatte dort eine verantwortungsvolle Tätigkeit in leitender Funktion und verdiente gutes Geld. Jetzt bin ich im wohlverdienten Ruhestand und genieße mit meiner Familie das letzte Drittel meines Lebens.

Ein Wermutstropfen bleibt: Leider ist es meiner Frau und mir nicht vergönnt gewesen, eigene Kinder zu bekommen. Doch meine Kinder aus erster Ehe sind schon immer „unsere“ Kinder gewesen, die auch meine Frau als „ihre Mutter“ angenommen haben. Auch das sehe ich als eine Fügung Gottes. Wir haben inzwischen acht Enkelkinder, die sich immer freuen, wenn sie die Oma und den Opa sehen können. Und mich freut es auch. Sie sind die Erfüllung, die ich früher versucht habe, im Alkohol zu finden. Es ist wie ein Rausch – ein Rausch der Liebe.

Wolfgang K. / Lydia-Kathrin Hilpert

Die Präambel der Anonymen Alkoholiker

Anonyme Alkoholiker (AA) sind eine Gemeinschaft von Männern und Frauen, die miteinander ihre Erfahrung, Kraft und Hoffnung teilen, um ihr gemeinsames Problem zu lösen und anderen zur Genesung vom Alkoholismus zu verhelfen. Die einzige Voraussetzung für die Zugehörigkeit ist der Wunsch, mit dem Trinken aufzuhören. Die Gemeinschaft kennt keine Mitgliedsbeiträge oder Gebühren, sie erhält sich durch eigene Spenden. Die Gemeinschaft AA ist mit keiner Sekte, Konfession, Partei, Organisation oder Institution verbunden; sie will sich weder an öffentlichen Debatten beteiligen, noch zu irgendwelchen Streitfragen Stellung nehmen. Unser Hauptzweck ist, nüchtern zu bleiben und anderen Alkoholikern zur Nüchternheit zu verhelfen.

Erläuterung

Die Präambel beschreibt kurz und exakt das Tun und Lassen der Gemeinschaft AA. Für viele Außenstehende zu kurz. Deshalb einige Erläuterungen: Die Anonymen Alkoholiker sind Menschen aller Völker, Kulturen, Bekenntnisse und sozialer Schichten, die ein gemeinsames Problem haben – den Alkoholismus. Um ihr Problem, die Alkoholabhängigkeit, lösen zu können, schließen sich die Anonymen Alkoholiker zu Gruppen zusammen. Bei den meist wöchentlichen Gruppentreffen (Meetings) sprechen sie von ihren eigenen Erfahrungen mit dem Trinken, dem Aufhören und dem Leben ohne Alkohol: der einzigen Genesungsmöglichkeit.

Aus diesen Meetingsgesprächen schöpfen die teilnehmenden Alkoholiker immer wieder aufs Neue Erfahrung, Kraft und Hoffnung für ihr eigenes Leben, das sie in Selbstverantwortung führen wollen. Jeder muss seine Genesung – ein Leben ohne Alkohol – selbst in Angriff nehmen. Die Gemeinschaft AA, die Gruppen, die Genesenden zeigen nur die Lösungsmöglichkeit, Lösungswege auf. Mit dem Trinken kann nur aufhören, wer den Wunsch dazu hat. Jeder, der diesen Wunsch verspürt, ist im Meeting willkommen. Die AA-Gruppen, die als Gesamtheit die Gemeinschaft AA bilden, sind in sich völlig selbständig. Alkoholiker helfen sich und anderen, „trocken“ zu werden und zu bleiben. Durch eigene Spenden tragen sie auch die entstehenden Kosten. AA-Gruppen wie auch die Gemeinschaft als Ganzes, sollten von außen kommende Unterstützung ablehnen, da selbst wohlgemeinte Spenden abhängig machen können.

Die Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker bewahrt ihre Unabhängigkeit und Einigkeit weiterhin, indem sie sich nicht mit Institutionen und Personen verbindet oder sich zu den Streitfragen unserer Zeit äußert. Die Anonymen Alkoholiker stellen ihr gemeinsames Problem, ihre Abhängigkeit vom Alkohol, in den Mittelpunkt all ihrer Bemühungen um Genesung vom Alkoholismus. Wäre es anders, hätte sich die Gemeinschaft AA nicht weltweit ausbreiten können.

Die Anonymen Alkoholiker versuchen, ein glückliches, zufriedenes Leben zu führen. Durch ihr Beispiel im Meeting und im täglichen Leben zeigen sie noch leidenden Alkoholikern einen Weg aus dem Alkoholismus. Die Gemeinschaft versetzt Alkoholiker in die Lage, sich selbst zu helfen.

Kontakt

Anonyme-Alkoholiker-Hotline: täglich Montag bis Sonntag von 8 Uhr bis 22 Uhr für die Region Heilbronn-Franken unter Telefon 07131/19295 (gebührenfrei)