Im Kampf gegen kleine und große Energiefresser

Die Energiescouts von links: Lucas Mies, Anja Hermann und Alexander Baumann sagen Energiefressern den Kampf an. Foto: Ebm-Papst/Philipp Reinhard

Kleinvieh macht auch Mist – heißt es so schön in einer alten Redewendung. Wie viel Mist das sein kann, ist einem dabei gar nicht immer ganz bewusst. Drei junge Menschen, die allesamt in Mulfingen im Hohenlohekreis arbeiten, wissen das aber genau. Sie sind Energiescouts beim Ventilatorenhersteller Ebm-Papst.

Alexander Baumann, Anja Hermann und Lucas Mies haben eine Mission: Sie wollen Energie sparen. Und zwar kräftig. Aus diesem Grund sind die drei als Energiescouts bei Ebm-Papst aktiv. Sie fragen sich, was das ist, ein Energiescout? Es ist ein Azubi-Projekt. Jedes Jahr sagen drei bis vier Auszubildende beim Ventilatorenprofi der Energieverschwendung den Kampf an. Ausgestattet mit Wärmebildkamera und Druckluftmessgerät machen sie sich auf die Suche nach Energiefressern. Sie flicken Leckagen, messen die Raumtemperatur oder sorgen dafür, dass die Kollegen daran denken, bei Verlassen des Büros das Licht auszuschalten oder das Fenster zu schließen. Lauter Kleinigkeiten, von denen man meinen könnte, sie würden sich nicht auf den Energieverbrauch niederschlagen. Doch wer das glaubt, irrt sich gewaltig.

„Die Energiescouts sind jetzt in der siebten Generation. Seit 2010 haben wir durch sie rund 1,5 Millionen Euro einsparen können“, schildert Roberto-Fabio Nobile, der in der Presseabteilung von Ebm-Papst arbeitet und das Projekt mitbetreut. Allein im ersten Jahr wurden zirka 100 Leckagen beseitigt, wodurch 100.000 Euro eingespart wurden. „Wir wussten, dass es Einsparpotenzial gibt. Dass es jedoch so hoch ist, hätten wir nicht erwartet.“

1,5 Millionen Euro ist eine Summe, auf die man stolz sein kann – und ist. Sowohl in der Geschäftsführung als auch in den Reihen der Energiescouts selbst. Denn die jungen Menschen sind es, die das Projekt mit Leben füllen. Sie sind es, die heute schon an morgen denken – und das tun die drei aus voller Überzeugung. „Wir haben nur eine Erde. Und die müssen wir schützen“, sind sich die drei Azubis einig.

Sie schützen sie, indem sie nicht nur auf ihren eigenen Energieverbrauch achten, sondern auch den Kollegen in allen Abteilungen auf die Finger schauen. Alexander Baumann, der eine Ausbildung zum Industriemechaniker absolviert, und Lucas Mies, der sich zum Elektriker für Geräte und Systeme ausbilden lässt, sind vor allem in der Produktion unterwegs. Anja Hermann, die angehende Industriekauffrau ist, macht sich im Büro auf die Suche nach Energieeinsparpotenzial. Und dabei werden alle drei regelmäßig fündig.

„Die meiste Energie wird bei uns beim Erzeugen von Druckluft verbraucht“, erklärt Lucas Mies und ergänzt: „Wenn die dann auch noch verloren geht, ist bares Geld weg und der Umwelt nicht geholfen.“ Ein Umstand, der bei Ebm-Papst lange an der Tagesordnung war, den man so aber nicht mehr tolerieren wollte. „Aus diesem Grund sind die Energiescouts bewusst als Azubi-Projekt etabliert worden“, erklärt Nobile. Es sei gerade die junge Generation, die es zu sensibilisieren gelte. Dass dieses Ziel erreicht wird, merkt man im Gespräch mit den drei aktuellen Energiescouts. Sie brennen förmlich für die Sache. Man spürt, dass ihr Einsatz für die Umwelt nicht an der Grenze des Firmengeländes endet. Sie sind leidenschaftliche Verfechter, wenn es darum geht, Energie möglichst sinnvoll zu nutzen. Diesen Gedanken übertragen sie auch auf ihren Alltag. „Ich bin aufmerksamer geworden“, sagt Anja Hermann beispielsweise. Etwa, wenn es darum ginge, das Handyladekabel auszustecken, sobald das Smartphone geladen ist. „Und ich glätte nicht mehr jeden Tag meine Haare“, sagt sie lachend.

Motivation

„Unsere Azubis tragen den Gedanken mit nach Hause und verbreiten ihn so auch außerhalb des Unternehmens weiter“, so Nobile. Außerdem, fügt er hinzu, seien die Auszubildenden von heute die Fachkräfte von morgen. „Wir bei Ebm-Papst stehen ja für Umweltschutz. Es gehört zu unserer Philosophie, dass jedes Produkt, das wir neu entwickeln, seinen Vorgänger ökonomisch und ökologisch übertreffen muss“, schildert der Volontär der Unternehmenskommunikation die Motivation, die sich hinter dem Projekt verbirgt.

Heute sind die Energiescouts über Mulfingen und Ebm-Papst hinausgewachsen. Das Projekt findet Beachtung. Nicht nur seitens der Presse, die sogar aus Japan anreiste, um über das Thema zu berichten. Auch auf politischer und wirtschaftlicher Ebene wurde es schnell wahrgenommen. Inzwischen hat sich das Azubi-Projekt zu einem Schulungsprogramm der IHK gemausert. Rund 30 Industrie- und Handelskammern haben sich deutschlandweit entschieden, das Konzept für ihre Mitgliedsunternehmen anzubieten; die Zahl der ausgebildeten Energiescouts ist auf rund 2500 in ganz Deutschland angestiegen.

Keine Frage, die Ebm-Papst-Energiescouts sind echte Vorreiter. Damit das so bleibt, bleiben die drei Lehrlinge weiterhin am Ball, denn: „Unser ökologischer Fußabdruck wird immer größer. Dagegen müssen wir etwas machen – und das beginnt bei uns selbst“, mahnt Lucas Mies. Sein Kollege, Alexander Baumann, kann ihm da nur beipflichten: „Wir bleiben dran und wollen andere motivieren, das ebenfalls zu tun.“ Eines ist sicher, diese Mission werden sie garantiert erfüllen.

Lydia-Kathrin Hilpert

Energiescouts
2010 bei Ebm-Papst, dem Weltmarktführer von Ventilatoren und Motoren, in Mulfingen gestartet, wurde die Idee der Energiescouts inzwischen vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) als Schulungs- und Weiterbildungskonzept übernommen. Tausende junge Menschen sind im Bereich Energie- und Ressourceneffizienz bereits geschult worden.