Mehr Tempo, bitte

An Kühen mangelt es nicht in dem Dörfchen Wielandsweiler. Dafür hakt es allerdings in Sachen schnelles Internet. Foto: Andreas Scholz

Das Stadtgebiet von Schwäbisch Hall umfasst auch abgelegene Teilorte wie Wielandsweiler, das idyllisch im Rottal liegt. Aktuell wird das vermeintliche Dorfidyll jedoch getrübt: Schnelles Internet ist für die Bewohner passé, seitdem die Telefonanbieter den Zugang zum Netz gekappt haben. Nun wird nach Lösungen gesucht.

Holz und Wasser waren im Rottal schon immer wichtige Energielieferanten und Arbeitsplatzgaranten. Bis heute sind im Rottal immer noch einige Sägewerke in Betrieb. Auch Zimmereibetriebe besitzen im Randbereich des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald eine lange Tradition.

Mit ökologischen Holzhäusern hat sich die Helmut Müller GmbH + Co. KG in Wielandsweiler längst einen Namen gemacht. Modern sieht die Internetseite aus, auf der Helmut Müller und sein Team über ihre nachhaltigen Unterkünfte aus dem nachwachsenden Baustoff informieren. Suboptimal ist jedoch, dass unter anderem auch auf die schmucke Website des bekanntesten Unternehmens in Wielandsweiler vor Ort momentan kaum einer zugreifen kann.

Seitdem die Telefonanbieter das Dorf aus wirtschaftlichen Gründen vom Netz genommen haben, hat ein Großteil der Dorfbewohner unbefriedigenden Zugang zum world wide web. Der Unmut der Bürger wurde ob dieser Tatsache in den vergangenen Wochen und Monaten immer größer. Nur wer es sich leisten konnte, griff auf eine teure Lösung zurück, um sich doch irgendwie einen stabilen Internetzugang zu sichern.

Eine zufriedenstellende Dauerlösung muss also her. Die Stadt Schwäbisch Hall sieht das genauso. Die Stadtverwaltung und die Stadtwerke Schwäbisch Hall arbeiten bereits seit Jahren aktiv daran, Highspeed-Internet in der gesamten Siederstadt verfügbar zu machen. „Schnelles Internet ist nach meiner Auffassung ein essenzieller Bestandteil der Daseinsvorsorge. Deshalb ist mir die flächendeckende Versorgung ein persönliches Anliegen“, unterstreicht Hermann-Josef Pelgrim, Schwäbisch Halls Oberbürgermeister. Allerdings sei man von der Leitungsinfrastruktur beziehungsweise den Angeboten privater Anbieter abhängig.

Die Vorgeschichte

Im Vorwahlbereich 0791, der für Schwäbisch Hall, Michelfeld, Michelbach an der Bilz und Rosengarten gilt, hatte die Telekom im Jahr 2014/2015 auf Druck der Kommunen bereits auf schnelleres Kupferkabel mit bis zu 50 Megabit umgestellt. Anschließend wurde zusätzlich noch auf Vectoring, eine neue Technologie, die durch Ausgleich von störenden Strömungen ebenfalls für schnelleres Internet sorgt, gesetzt. Dem Wunsch nach weiteren Breitbandleitungen in den Stadtteilen kam der Telefonanbieter bisher aber nicht nach. „In den Neubau- und großen Teilen der Gewerbegebiete in Schwäbisch Hall sind gute Internetverbindungen vorhanden, die unter anderem auch von den Stadtwerken angeboten werden. Leider gelten diese Angebote derzeit noch nicht für Stadtteile in Außenbereichen wie Wielandsweiler und Sittenhardt“, bedauert Pelgrim.

Schwäbisch Hall hatte letztes Jahr zunächst für Wielandsweiler und Sittenhardt beim Bund einen Zuschussantrag für die Planung von schnellem Internet gestellt, der im November 2017 bewilligt wurde. Aktuell arbeitet die Verwaltung mit einem externen Büro zusammen, um einen Antrag auf Breitbandausbau vorzubereiten – die Planungen sollen im November dieses Jahres beendet sein. „Den jetzigen Plänen zufolge soll das Projekt mit den Stadtwerken im Sommer 2019 abgeschlossen sein“, hofft der 59-Jährige. Den betroffenen Einwohnern in den Außenbereichen gibt er folgenden Tipp: „Beim Breitbandausbau können die Bürger in Wielandsweiler und Sittenhardt helfen, indem sie weiterhin Druck auf die privaten Anbieter ausüben.“ Und Pelgrim ergänzt: „Das Angebot der Initiative aus Wielandsweiler zur Zusammenarbeit nimmt die Stadtverwaltung sehr gerne an.“

Dem Oberbürgermeister ist es wichtig, die Internetverbindungen im gesamten Stadtgebiet einschließlich der Stadtteile künftig nachhaltig zu optimieren. „Dies gilt auch für verbesserte Internetleistungen in unseren Schulen. Die Gespräche mit privaten Anbietern und den Stadtwerken werden fortgeführt“, versichert der Rathauschef.

Andreas Scholz