Natürlicher Naschgenuss

Obstliebhaber Reinhold Kett im Werkverkaufsladen von Reutter in Rosengarten-Westheim. Foto: Andreas Scholz

Süße Leckereien verkaufen und dabei Artenvielfalt und den Erhalt der heimischen Streuobstlandschaft unter einen Hut bringen – das ist das Zielvorhaben des Süßwarenspezialisten Reutter.

Ob Holunder, Kirsche, Birne oder Apfel – es gibt sie in mehreren Sorten: die leckeren Fruchtgummis, die nicht nur im Verkaufsladen der Reutter Verwaltungs- und Vertriebs GmbH in Rosengarten-Westheim kredenzt werden. Rund zwölf Prozent macht der Verkauf der Fruchtgummis aus sortenreinem Obst inzwischen in der Geschäftsbilanz des Süßwarenspezialisten Reutter aus.

Wenn es nach Geschäftsführer Hans-Georg Reutter geht, dürfen künftig gerne weitere Prozentpunkte hinzukommen: „Wir sind inzwischen rund um Schwäbisch Hall und im Hohenlohekreis schon an mehreren Verkaufsstellen mit unseren Fruchtgummis vertreten. Wir hätten auch nichts dagegen, wenn wir auch in der Heilbronner Ecke künftig noch stärker präsent wären“, erklärt er. Zusammen mit seinem Bruder Rolf-Dieter führt er die traditionsreiche Süßwarenfirma in der dritten Generation.

Hans-Georg Reutter freut sich nicht nur über das ökonomische Potenzial der Fruchtgummis, die zum Teil auch in Bioqualität angeboten werden. Mit den sortenreinen und natürlichen Fruchtgummis der Marke „Kreßberger Premium“ wird seiner Meinung nach ein wertvoller Beitrag zum Erhalt der heimischen Streuobstlandschaft geleistet und das Image der Genussregion Hohenlohe-Franken verstärkt. „Wir verwenden unter anderem Äpfel, Birnen und Kirschen von Streuobstwiesen aus der Region“, betont der Geschäftsführer und ergänzt: „Die Fruchtgummis sind auch eine weitere Vermarktungsoption vor dem Hintergrund, dass der Fruchtsaftkonsum seit Jahren tendenziell rückläufig ist.“

Natürliche Produktion

Bei der Umwandlung von Fruchtsäften in Fruchtgummis legen Hans-Georg und Rolf-Dieter Reutter mit ihrem Team Wert auf eine natürliche Produktionsweise. „In der Süßwarenindustrie werden nur Standardkonzentrate von Säften eingesetzt, weil die durch den Saft zugesetzte Flüssigkeit in der Produktion wieder heraus gekocht werden muss“, erläutert Hans-Georg Reutter. Das Ganze sei ein teurer Prozess, den die großen Hersteller nicht durchführen können und auch nicht wollen. „Sie verwenden deshalb Konzentrate, mit welchen nur eine geringe Flüssigkeitsmenge in die Produktionsmasse gelangt“, berichtet der Unternehmensleiter. Um Saftnachschub für die Fruchtgummiproduktion braucht sich Hans-Georg Reutter aktuell noch nicht sorgen. Reutter profitiert noch stark von der Pionierarbeit, die Reinhold Kett und Ulrich Zehender geleistet haben.

Die Idee, sortenreine Gummibonbons aus echtem und reinem Saft herzustellen, kam Reinhold Kett vor acht Jahren. In der Gemeinde Kreßberg, am äußersten Zipfel des Landkreises Schwäbisch Hall und am Rande der Fränkischen Moststraße gelegen, hat der Obstliebhaber in den vergangenen Jahren ein Bieneninformationszentrum und einen Streuobsterlebnispfad aufgebaut. „Mir ist es ein wichtiges Anliegen, dass regionale und historische Obstsorten wie Brettacher Apfel, Gewürz-Luike oder Jakob-Fischer-Apfel erhalten bleiben. Jedes Jahr haben wir in Kreßberg mehrere tausend Besucher, die sich über die große Artenvielfalt und den ökologischen Wert von Streuobstwiesen informieren“, erklärt der rüstige Rentner.

Zusammen mit Ulrich Zehender baute Kett ein Netzwerk an diversen Obstlieferanten entlang der Fränkischen Moststraße auf, um die Idee von sortenreinen Fruchtgummis umzusetzen. Er ist froh, dass mit der Firma Reutter der langjährige Lieferant seit Anfang 2019 die geschäftlichen Aktivitäten rund um die Gummibonbons übernommen hat. „Zuletzt wurden pro Jahr zirka 10 000 Liter Saft verarbeitet, aber da ist noch Luft nach oben“, meint Kett. Er hofft, dass es Reutter gelingt, die Fruchtgummis flächendeckend in der Region Heilbronn-Franken in Supermärkten und Hofläden zu platzieren sowie weitere Gartenvereine und Obstbauern von einer Kooperation zu überzeugen. „Egal, ob im Landkreis Schwäbisch Hall oder im Heilbronner Land. Es ist einfach schade, dass im Herbst auf den Obstwiesen noch viel zu viel Obst herumliegt und verfault“, sagt Kett.

Andreas Scholz