Sprache fürs Leben

In der Grundschule Grombach werden Wörter statt Fische geangelt. Die fünf Kinder der Fördergruppe müssen die Vokabeln den richtigen Artikeln zuordnen. Foto: Olga Lechmann

Nicht jedes Kind spricht gleich gut Deutsch. Darum unterstützt die aim zusätzlich zum Schulunterricht mit individueller und zielgerichteter Sprachförderung. Oft betrifft das Kinder mit Migrationshintergrund. Aber auch deutsche Kinder haben Nachholbedarf.

Was wären wir ohne Sprache? Wir könnten nicht miteinander kommunzieren, nicht lesen, nicht schreiben. Sprache ist der Schlüssel zur Welt, zur Integration, zur Bildung. Dennoch gibt es überall auf der Welt Menschen, die die jeweilige Sprache der einheimischen Bevölkerung nicht verstehen und sich nicht in dieser ausdrücken können. Die Gründe dafür sind mannigfaltig: Auswanderung, Flucht, Arbeitslosigkeit, mangelnde Schulbildung oder fehlendes Interesse. Hinzu kommt, dass wissenschaftlich bewiesen ist, dass eine Sprache am besten im Kindesalter erlernt wird, weil Kinder bekanntlich alles aufsaugen wie Schwämme, sich wegen falscher Aussprache nicht genieren und sich keine Gedanken über richtige oder falsche Satzkonstruktionen, Artikel und Pluralformen machen.

Genau hier setzt die Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken, kurz aim, mit ihrem Programm „Sprache fürs Leben“, das sie 2006 ins Leben gerufen hat, an. Mittlerweile hat die aim Kooperationen mit 150 Grundschulen in der gesamten Region, sprich in den Landkreisen Heilbronn, Schwäbisch Hall, Hohenlohe, Main-Tauber und Neckar-Odenwald. Spitzenreiter mit 104 Schulen ist Ersterer. Aufgrund der Unterstützung der Dieter-Schwarz-Stiftung können die Grundschulen das Sprachförderprogramm kostenfrei in Anspruch nehmen. Den Schwerpunkt bildet dabei die alltagsbezogene Sprachförderung in Kleingruppen. Ziel ist es, die Kinder entsprechend ihrer eigenen Möglichkeiten ohne Leistungsdruck in ihrer sprachlichen Entwicklung weiterzubringen. Beispielsweise wird spielerisch erklärt, welches Nomen welchen Artikel hat – wie in der Grundschule Grombach im Landkreis Heilbronn.

Sprachförderdozentin Birgit Hähnlein hat ein Angelspiel mitgebracht. Ihre fünf Schützlinge Esmanur (6), Dzejlin (8), Eyüp (7), Nechdet (9) und Burchin (9), die bulgarische und türkische Wurzeln haben, aber zum Teil in Deutschland geboren sind, gehen in die erste und zweite Klasse. Die Angel, mit der die drei Mädchen und zwei Jungs Begriffe wie Tisch, Dusche, Auto oder Fahrrad aus einem Papierteich herausziehen und den Artikeln der, die, das richtig zuordnen müssen, geht reihum. Wenn ein Wort beim falschen Begleiter einsortiert wird, korrigiert Hähnlein. Am Ende lobt sie ihre Gruppe: „Ich finde, das habt ihr spitze gemacht.“

Zweimal 45 Minuten lang, also zwei Unterrichtseinheiten, setzt sich die 54-Jährige mit den fünf Grundschülern zusammen. Insgesamt hat sie drei Gruppen an der Grundschule Grombach, darunter sind auch deutsche Kinder, die einfach etwas schüchtern sind. Hähnlein arbeitet seit sieben Jahren als Sprachförderdozentin – und geht darin auf. Dennoch betont sie: „Es reicht nicht, Kinder zu mögen.“ Man müsse ihnen auch Strukturen und Sicherheit geben und manchmal auch ein bisschen streng sein. „Die Kunst ist, allen Kindern gerecht zu werden“, weiß die Bonfelderin und konstatiert, dass es auf eine zielgerichtete und individuelle Förderung ankomme. Einen Plan B, „wenn es mal nicht so gut läuft“, hat sie jedoch immer in der Tasche.

In den letzten Minuten wird noch „Heiße Kartoffel“ gespielt. Jeder soll einen Begriff zum Thema Kleidung sagen. Viel Zeit zum Nachdenken haben die Kinder nicht – sonst „verbrennen“ sie sich die Finger.

Olga Lechmann