Und jetzt du!

Wer gehört zu wem? Sebastian Kuch und Daniel Braun (linkes Bild, von links) sind die Söhne von zwei der drei Gründer des Kupferzeller Fensterbauunternehmens KBK, Fritz Krüger, Rudi Braun und Manfred Kuch (Bild rechts). Fotos: KBK

Das eigene Unternehmen an die nächste Generation weiterzugeben, ist nicht einfach – weder unternehmerisch noch emotional. IHK-Fachmann Jürgen Becker erklärt den Hintergrund, Manfred und Sebastian Kuch erzählen aus der Praxis.

Das A und O: der Gründer muss loslassen. Da ist sich Jürgen Becker sicher. Er ist Fachmann für die Unternehmensübergabe bei der IHK Heilbronn-Franken und hat über 1300 Fälle in den vergangenen Jahren begleitet. Drei Unternehmen pro Tag stehen in der Region Heilbronn-Franken zur Übergabe an. „Jede Unternehmensübergabe ist anders, man kann da keine Schablone drüberlegen.“ Becker geht aktiv auf Unternehmen zu und bietet seine Hilfe an. „Die meisten sind sehr froh, 80 Prozent vereinbaren gleich einen Termin.“

Wo liegt die größte Gefahr, dass eine Übergabe scheitert? „Wenn der Senior nicht loslassen kann, wenn er kein Vertrauen in die Nachfolger hat, ist ein Scheitern vorprogrammiert. Ich denke, dieser Punkt wird häufig unterschätzt“, erläutert Becker. Verschiedene Punkte können dahinterstecken: Misstraut der Senior der Kompetenz des Nachfolgers? Braucht er schlichtweg noch eine Aufgabe nach einem Leben voller Arbeit? Oder ist das Unternehmen sein ganzer Stolz, sein Lebenswerk, sein Baby, das er einfach nicht loslassen kann?

Laut einer Studie der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hat jeder dritte Senior-Unternehmer Schwierigkeiten, sich emotional von seinem Lebenswerk zu lösen. Dies spiegle sich in den Kaufpreisen wider. 42 Prozent fordern zu Beginn der Verhandlungen der Studie zufolge einen überhöhten Kaufpreis. „Ein Fachberater kann hier helfen, sei es ein Unternehmensberater oder ein Psychologe, der hilft an den Kern der Sache zu kommen“, rät Becker.

Auch bei der Familie Kuch wird es in den kommenden Jahren zu dem Punkt des Loslassens kommen. Manfred Kuch, Mitbegründer des Kupferzeller Fensterbauunternehmens KBK, sieht dem gelassen entgegen. „Es fällt mir gar nicht schwer, aufzuhören. Die junge Generation ist die Zukunft“, meint er. „Die beiden jungen Geschäftsführer Daniel Braun und Sebastian Kuch machen einen sehr guten Job. Solange es noch gewünscht ist, bin ich dabei.“

Überzeugungsarbeit

Wie sieht das sein Sohn Sebastian? Er wird zusammen mit Daniel Braun, Sohn von Mitbegründer Rudi Braun, die Geschäftsleitung innehaben. „Zu Beginn gab es einige Revierkämpfe. Auch gerade, weil die jüngere Generation viel umstellen, digitalisieren, neue Prozesse etablieren will“, meint der 33-Jährige. „Was immer hilft, ist viel Überzeugungsarbeit. Bei den meisten Sachen konnten bis jetzt alle überzeugt werden und es gab keine Blockaden.“

Manfred Kuch und Rudi Braun haben sich frühzeitig Gedanken über das Fortbestehen ihres Unternehmens gemacht. Seit 2012 planen sie. Jürgen Becker unterstreicht die Wichtigkeit frühzeitiger Planung. „Manchen Unternehmern ist gar nicht klar, wieviel Zeit so eine Übergabe kostet.“ Gut fünf Jahre sollten dafür eingeplant werden, meint er. Im Internet gibt es Fahrpläne, die die zeitliche Abfolge und Dauer beschreiben. Becker plädiert für eine Unternehmensbewertung und Vermögensbestandsaufnahme – nicht nur wenn das Unternehmen außerhalb der Familie verkauft wird.

Nachfolgeregelung

Im Hause Kuch war nicht von vornherein klar, dass der Sohn übernimmt. „Nach der mittleren Reife habe ich erstmal eine Ausbildung in der Baubranche gemacht. Die endgültige Entscheidung fiel erst nach FH-Reife und BWL-Studium“, erzählt Sebastian.

Auch danach ging die Übergabe ohne Hauruck-Aktion vonstatten. „Es war so ein bisschen wie eine zweite Ausbildung, um das Unternehmen über Jahre hinweg von Grund auf kennenzulernen. Ich habe sämtliche Abteilungen durchlaufen, danach die Montageleitung übernommen.“ Seit 1. September ist Sebastian Kuch Teil der vierköpfigen Geschäftsführung. „Uns war wichtig, dass die Firma von der Philosophie her so weitergeführt wird. Dass ein menschlicher, freundschaftlicher und zuverlässiger Umgang mit unseren Kunden besteht“, erklärt Manfred Kuch die Sicht der Unternehmensübergeber. „Für mich persönlich läuft alles nach Plan. Die Kunden sind zufrieden, wir sind von den Mitarbeitern her gut aufgestellt, die Umsätze und die Entwicklung der Firma passen.“

Die Zahl der Unternehmensübergaben wird in den nächsten Jahren deutlich steigen. Schon jetzt ist jeder dritte Unternehmer in der Region Heilbronn-Franken 60 Jahre oder älter. Nach Schätzungen der IHK stehen in den nächsten drei Jahren im Landkreis Heilbronn rund 3400 Unternehmen zur Nachfolge an, im Landkreis Schwäbisch Hall sind es rund 1800 Betriebe, im Main-Tauber-Kreis rund 1400, im Hohenlohekreis rund 1000 und in der Stadt Heilbronn rund 1300.

Der Trend geht zu einer weiteren Zuspitzung der Lage: Die Unternehmer, die heute zwischen 50 und 60 Jahren sind, werden bis 2033 ihr Unternehmer übergeben. Nach einer Altersstrukturerhebung der IHK fallen rund 13.000 Unternehmer in Heilbronn-Franken in diese Altersgruppe. Jährlich stehen damit etwa 1300 Betriebe zur Übergabe an.

Was eine geregelte Übergabe noch schwieriger machen wird: Der Trend gegen die Selbstständigkeit wird ergänzt durch den demografisch bedingten Mangel an potenziellen Nachfolgern aufgrund zahlenmäßig schwächerer Jahrgänge.

Denise Fiedler