Wir krempeln die Ärmel hoch

Tatkräftige Unterstützung in Krisenzeiten bieten Jens Petruschat, Andreas Siebert, Roland Streckfuß und Stefan Häring (v. l.). Foto: Wolfgang Reiher

Jetzt gilt es, gemeinsam die Corona-Krise in der Region zu meistern. Die Raiffeisenbank Hohenloher Land, gestärkt durch eine Fusion, hilft Firmenkunden in Not – und hat sich dafür mit allen regionalen Banken im Hohenlohekreis verbündet.

Die Fusion 2019 kam zur rechten Zeit, darin ist sich die Führungsriege der Raiffeisenbank Hohenloher Land einig. Vergangenes Jahr verschmolzen die Raiffeisenbanken Kocher-Jagst und Bretzfeld-Neuenstein zu einer Einheit: Entstanden ist nach eigenen Angaben die größte Raiffeisenbank Baden-Württembergs. Und jetzt, wenige Monate später, muss die Bank in der Corona-Krise ihre neugewonnene Stärke beweisen. „Der Zusammenschluss hat sich als großer Vorteil in dieser durch Corona schwierigen Zeit herausgestellt“, sagt der Vorstandsvorsitzende Andreas Siebert. „Wir haben Spezialisten aus beiden Häusern und konnten daher sehr gut mit A- und B-Teams arbeiten, um als systemrelevantes Unternehmen jederzeit leistungsfähig zu sein.“

Temporär waren 13 von 18 Bankfilialen zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden geschlossen. Seit Ende Mai sind alle Filialen mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen wieder für den Publikumsverkehr geöffnet. Die Betreuung der Kunden per Telefon und Videochat wurde aufgestockt. Auch die Onlinebankingquote habe sich deutlich erhöht. „Trotz aller Vorteile: Nur Online wird bei uns nicht gehen“, meint Siebert. „Wir leben in einer ländlichen Region, da ist der persönliche Charakter sehr wichtig.“ Dieser Ansicht ist auch Vorstandsreferent Jens Petruschat: „Ganz viele Kollegen kennen ihre Kunden nicht nur aus dem geschäftlichen Umfeld, sondern aus dem Ort, aus dem Verein. Der persönliche Kontakt zu Menschen, die man kennt, ist für uns unerlässlich. Als Genossenschaftsbank betreuen wir so seit über 125 Jahren die Menschen der Region.“

Sorgen und Nöte

Die Nähe zu den Kunden gibt der Bank auch tiefe Einblicke in die aktuellen Sorgen und Nöte in der Corona-Krise. Roland Streckfuß, der seit rund 40 Jahren die Firmenkunden betreut, zeichnet ein gemischtes Bild: „Wir haben viele gute Jahre gehabt, in denen die Firmen Eigenkapital und Liquidität bilden konnten. Dadurch hat es nicht jeden so hart getroffen. Aber ein Teil, vielleicht ein Drittel, wurde kalt erwischt. Denen ist die Liquidität ausgegangen und ohne die Corona-Hilfen wären sie nicht durchgekommen. Kein Geld, keine Löhne – das ist auch für die Beschäftigten richtig hart.“

Baubranche und produzierendes Gewerbe haben laut Streckfuß dank voller Auftragsbücher keinen massiven Einbruch erlebt, aber Gaststätten, Hotels und auch den Einzelhandel hat es stark erwischt, da von heute auf morgen die Umsätze wegbrachen. „Handel und Gastronomie: Da haben wir die meisten Coronahilfedarlehen gegeben. Wir mussten hier sehr schnell handeln, sonst wäre dem ein oder anderen Betrieb tatsächlich die Luft ausgegangen“, berichtet Streckfuß.

Zum einen gab es Corona-Soforthilfen als Direktzuschüsse, die von den Kunden selbst beantragt werden mussten. Dieses Programm wurde mittlerweile von der Überbrückungshilfe, ebenfalls in Form von Zuschüssen, abgelöst. Zum anderen bieten die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die L-Bank Baden-Württemberg Förderdarlehen, die über die Hausbank beantragt werden. „Bei diesen Darlehen müssen wir prüfen, ob der Kunde zum Zeitpunkt 31.12.2019 in Schwierigkeiten war. Wenn alles normal gelaufen ist, bekommt er die Mittel. Wenn er schon Schwierigkeiten hatte, dürfen wir sie nicht beantragen“, erläutert Streckfuß.

„Wenn Umsatzerlöse wegbrechen, dann wird die Liquidität für ein Unternehmen das beherrschende Thema“, ergänzt Stefan Häring, stellvertretender Vorstandsvorsitzender. „Zum einen haben wir direkte Liquidität zur Verfügung gestellt durch Kreditfinanzierungen, zum anderen indirekte Liquidität, indem wir für bestehende Darlehen die Rückzahlungen für bis zu sechs Monate ausgesetzt haben, um eine unmittelbare Entlastung für unsere Kunden zu schaffen.“

Pragmatische Hilfe

Diese kostenfreie Tilgungsaussetzung, die von der Raiffeisenbank Hohenloher Land initiiert wurde, erfolgte im Schulterschluss aller regionalen Kreditinstitute. „Noch bevor das gesetzlich geregelt worden ist durch den Krisenstab der Bundesregierung, haben die Sparkasse Hohenlohekreis, die Volksbank Hohenlohe, die Volksbank Krautheim und wir, die Raiffeisenbank Hohenloher Land, unseren Kunden proaktiv angeboten, die Raten auszusetzen – gemeinschaftlich“, erläutert Siebert. Da sich Ratenstundungen negativ auf das Rating, auf die Einschätzungen der Kunden auswirken können, sollte niemand schlechter gestellt werden, weil er mehrere Konten bei verschiedenen Banken hat. „Diese Hilfsaktion ist etwas Besonderes. Die regionalen Banken, die Wettbewerber sind, haben sich zusammengeschlossen, um gemeinschaftlich die Unternehmen in der Region zu unterstützen“, sagt Siebert. Darin zeige sich die hohe regionale Verbundenheit der Kreditinstitute im Kreis. „Nur wenn es der Region gut geht, geht es uns allen auch gut“, ist Siebert überzeugt.

Für Häring zeigt sich in der Krise auch die Stärke genossenschaftlicher Werte, getreu dem Motto: „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele.“ Für die Zukunft sei ihm daher nicht bange, obwohl sie von Unsicherheit geprägt ist. „Wir haben hier viele sehr tatkräftige Unternehmen, die es gewohnt sind, auf Krisen zu reagieren“, stellt Häring fest. „Diese Krise ist allerdings ein Jahrhundertereignis, das es in dieser Form noch nicht gab.“ Dennoch ist er zuversichtlich, dass sie gemeistert werden kann – gemeinsam.

Dirk Täuber