Wohntraum in luftiger Höhe

Tobias Hellers heimliche Leidenschaft: Der Zimmerermeister baut nebenberuflich Baumhäuser. Foto: Tobias Heller

Herr Heller, Lebenstraum Natur heißt Ihre Website, auf der Sie individuelle Wohnformen wie Baumhäuser, Erdhäuser und Mobile Häuser vorstellen, die stark von der klassischen Betonbauweise abweichen. Wie kamen Sie auf die Idee mit dem Baumhaus?

 

Tobias Heller: In meiner täglichen Zimmererarbeit habe ich viel mit geraden Balken zu tun. Seit Jahren macht es mir aber immer mehr Spaß, auch mit Rundhölzern und Baumstämmen, also mit Holz in seiner natürlichen Form, zu arbeiten. Holz ist ein schönes, organisches und warmes Material. Es lassen sich daraus tolle Formen heraussägen. Die Idee für ein Baumhaus reifte bei mir im Jahr 2007. Da habe ich im Garten in Braunsbach-Weilersbach mein erstes Baumhaus gebaut, um die Möglichkeit zu haben, etwas Abstand zum Alltag zu gewinnen.

 

Wie muss ich mir denn das Übernachten in einem Baumhaus oder Erdhaus vorstellen?

 

Heller: Ich bin im Baumhaus viel mehr mit der Natur verbunden. Es ist schon manchmal vorgekommen, dass ein Specht früh am Morgen auf das Holz geklopft hat. Auch meine Kinder nutzen das Baumhaus gerne als kleinen Abenteuerspielplatz. Im Winter ist es im Baumhaus ohne Heizung eher ungemütlich. Aber im Erdhaus kann ich es im Winter dank Holzofen schön warm haben. Und im Sommer ist es im Erdhaus angenehm kühl.

 

Welche Materialien und Werkzeuge verwenden Sie für Ihre Baum­häuser, Erdhäuser und winzigen Häuser, die auch Tiny Houses genannt werden?

 

Heller: Baumhäuser baue ich aus verleimten Holzplatten. Daraus lassen sich ohne viel Aufwand interessante Formen mit Ecken und Türmen bauen. Für die Tragkonstruktion verwende ich gerne Stämme aus Robinienholz. Auch die Terrassen, Geländer und Treppen mache ich am liebsten aus Robinie. Es ist neben Eiche das haltbarste Holz, das bei uns wächst. Erdhäuser können mit normalen Steinen gemauert werden, ich verwende aber auch gerne große Natursteine in Kombination mit Lehm und Holzstämmen. Tiny Houses sind kleine Holzhäuser, die sich mit einem Anhänger oder auf dem Lkw transportieren lassen. Das Grundgerüst besteht aus Holzbalken oder stabilen Holzplatten. Für die Dämmung verwende ich am liebsten Holzweichfasern. Außen setze ich auf eine Holzschalung und innen kommt ein Streichputz auf eine Gipskartonplatte.

 

Wie sehen Sie denn die Marktchancen für individuelle Hausformen? Wie groß ist in Ihrem Unternehmen die Nach­frage nach solchen Projekten?

 

Heller: Pro Jahr kommen schon mehrere Baumhäuser zusammen. Ausbaufähig ist sicher der Bereich mit den Erdhäusern. Ich hoffe, dass sich zukünftig der Markt dafür noch besser entwickelt, denn die Erdhäuser bieten ein großes Potenzial. Mein Traum wäre, dass in Kommunen eines Tages spezielle Erdhaussiedlungen ausgewiesen werden. Ebenfalls schön ist es, dass Erdhäuser für Nachbarn kaum sichtbar sind.

 

Können Sie denn vom Bau vom Baumhäusern, Erdhäusern und mobilen Häusern inzwischen leben? Was ist Ihr Kerngeschäft?

 

Heller: Ich hätte nichts dagegen, wenn ich künftig mehr individuelle Häuser bauen könnte. Aber mein Kerngeschäft sind nach wie vor die typischen Auftragsarbeiten. Ich bin immer noch der Dorfhandwerker, wenn zum Beispiel in der Landwirtschaft dringende Reparaturarbeiten anstehen. Auch Dachfenster, Gauben und Terrassen zählen zu meinen häufigen Aufträgen. Interview: Andreas Scholz

 

Zur Person

Zimmerermeister Tobias Heller aus Braunsbach ist seit 17 Jahren selbstständig. Der Holzliebhaber übernimmt klassische Auftragsarbeiten wie den Bau von Gauben, Dächern oder Carports. Im Gespräch erklärt er, wie er ein neues Geschäftsmodell ausbauen möchte: Dem Bau von Baumhäusern, Tiny Houses und Erdhäusern gilt seine heimliche Liebe. Mehr Infos über seine Projekte gibt es unter www.lebenstraum-natur.info