100 Jahre Druck

Die Führungsspitze: Daniel Mahl, Erwin Oscar Mahl und Florian Mahl (v.l.) leiten die Druckerei der Familie in vierter Generation. Foto: Oscar Mahl

Im Jahre 1828 gründete ein Schriftsetzer in Schwäbisch Hall eine Druckerei, die der Buchdrucker Oscar Mahl 1919 übernahm. Der Betrieb ist bis heute in Familienhand und wird in vierter Generation geführt. Wir haben mit Geschäftsführer Erwin Oscar Mahl über das Familienunternehmen gesprochen.

Wie wichtig ist Familie für Sie?

Erwin Oscar Mahl: Familie bedeutet für uns Kontinuität in der Unternehmensführung. Das Kapital bleibt im Unternehmen, um die großen Investitionen in neue Technologie stemmen zu können. Gleichzeitig übernimmt die Familie eine große soziale Verantwortung sowohl gegenüber den Mitarbeitern als auch in der Region, beispielsweise mit ehrenamtlichen Tätigkeiten. Jahrzehntelange Betriebszugehörigkeiten sind bei uns keine Seltenheit, sondern Normalität.

Ihre Cousins Daniel und Florian Mahl sind Gesellschafter des Unternehmens.Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Mahl: Die Zusammenarbeit von mir, Florian und Daniel in der vierten Generation funktioniert sehr gut. Jeder hat seinen eigenen Aufgabenbereich. Wichtige strategische Entscheidungen werden immer gemeinsam mit den Führungskräften des Unternehmens getroffen und getragen.

Wie ist es Ihrer Familie gelungen, seit 100 Jahren ein Unternehmen am Laufen zu halten?

Mahl: Ganz nach dem Motto „Tradition bewahren, Zukunft gestalten“ haben wir kontinuierlich in die Herstellung neuer Produkte investiert, ohne unsere traditionellen Wurzeln zu verlieren. So verlagerte unser Großvater Erwin Mahl bereits in den 1950er Jahren vorausschauend die Druckerei von der Haller Altstadt in das neue Industriegebiet Stadtheide, obwohl die Laufkundschaft damals noch einen Laden in der Innenstadt bevorzugte. Reiner und Volker Mahl investierten Ende der 1960er Jahre in den Endlosformulardruck, um die boomende Nachfrage nach Computerformularen decken zu können. Und die aktuelle Generation hat in der Haftetikettenfertigung eine neue Nische gefunden. Jährlich werden über eine Milliarde Etiketten an unsere Kunden ausgeliefert.

Was waren die tiefgreifendsten Veränderungen in Ihrer Familie?

Mahl: Eine war der frühe Tod des Großvaters Erwin Mahl im Alter von 57 Jahren im Jahre 1959. Reiner Mahl, der damals in Heidelberg Jura studierte, musste als junger Mann gemeinsam mit seinem Bruder Volker Mahl, der noch nicht volljährig war, spontan die Firma übernehmen. Eine andere war der Rückgang der Geschäftsformulare durch das Aufkommen des Laserdruckers und der digitalen Medien Ende der 1990er Jahre. Nur durch die rechtzeitige Umstellung seit 1994 ist das ohne große Blessuren gelungen.

Wird die nächste Generation Oscar Mahl weiterführen?

Mahl: Wie in vielen Familienbetrieben muss auch die nachfolgende Generation bereit sein, die Verantwortung für ein Unternehmen zu übernehmen. Das wollen und können wir nicht erzwingen. Auch gehört ein großes Stück Leidenschaft dazu. Noch hat die vierte Generation etwas Zeit, die Nachfolge zu regeln. Schön wäre es, das Unternehmen auch in fünfter Generation in Familienhand zu legen.

Interview von Nadja Müller