Vom ländlichen Schrozberg aus hat sich HAKRO zu einem der führenden Anbieter hochwertiger Corporate Fashion entwickelt. Im Interview spricht Geschäftsführerin Carmen Kroll über die Verantwortung gegenüber Menschen entlang der gesamten Lieferkette und darüber, warum nachhaltiger Unternehmenserfolg weit mehr ist als eine wirtschaftliche Kennzahl.

Interview mit Carmen Kroll, Geschäftsführende Gesellschafterin bei HAKRO
HAKRO behauptet sich seit mehr als fünf Jahrzehnten in einer Branche, die immer wieder von Krisen, Strukturwandel und internationalem Wettbewerbsdruck geprägt war. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Carmen Kroll: Als Familienunternehmen denken wir nicht unbedingt in Quartalen, sondern in Generationen. Diese langfristige Perspektive hat uns geholfen, auch schwierige Zeiten zu meistern. Wir sind unseren Grundwerten Qualität, Verlässlichkeit und Verantwortung immer treu geblieben und haben Veränderungen frühzeitig als Chance verstanden. Gleichzeitig investieren wir kontinuierlich in unsere Mitarbeitenden, in langfristige Partnerschaften mit unseren Produktionsbetrieben und in die Weiterentwicklung unserer Produkte. Diese Beständigkeit schafft Vertrauen – bei unseren Kunden und unseren Partnern.
Trotz globaler Ausrichtung sind Sie Ihrem Stammsitz treu geblieben. Was macht Schrozberg für Sie so besonders?
Carmen Kroll: Schrozberg ist Teil unserer Identität. Natürlich liegt unser Standort nicht in einer Metropolregion, gerade das hat Vorteile: kurze Wege, eine enge Verbundenheit mit den Menschen und eine Unternehmenskultur, die von Vertrauen und Nähe geprägt ist. Wir beweisen seit vielen Jahren, dass erfolgreiche internationale Unternehmen nicht zwingend in Großstädten zu Hause sein müssen.
Ihr persönliches Leitbild lautet: „In guten Produkten spiegeln sich das Können, die Liebe und die Zeit, die Menschen ihnen bei der Herstellung geben.“ Wie stark prägt der Gedanke die Unternehmensstrategie?
Carmen Kroll: Ich bin überzeugt, dass Qualität immer bei den Menschen beginnt. Hochwertige Kleidung entsteht nicht allein durch gute Materialien oder moderne Technik, sondern vor allem durch engagierte Menschen, die ihre Arbeit gern und mit Sorgfalt machen. Deshalb gehört für uns die Verantwortung für die Menschen entlang der gesamten Lieferkette untrennbar zur Produktqualität. Dieses Verständnis prägt unser tägliches Handeln.
Diese Haltung wurde auch extern gewürdigt: HAKRO wurde zum zweiten Mal in Folge als „Fair Wear Leader“ geehrt. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?
Carmen Kroll: Fair Wear bewertet nicht einzelne Projekte, sondern das systematische Engagement eines Unternehmens für faire Arbeitsbedingungen mit seinen direkten Produktionspartnern. Für uns ist soziale Verantwortung in Form von beständigem Dialog und Raum für Feedback kein Marketinginstrument, sondern ein strategisch verankerter Bestandteil für eine gute Zusammenarbeit mit unseren Partnern. Dass dieses Engagement anerkannt wird, freut uns sehr und bestätigt unseren Weg.
Der „Brand Performance Check“ für das Fair-Wear-Leader-Siegel wurde inzwischen erneut durchgeführt. Wo konnten Sie sich weiterentwickeln?
Carmen Kroll: Die Anforderungen entwickeln sich kontinuierlich weiter. Das ist aus unserer Sicht auch richtig, denn Nachhaltigkeit ist kein Zustand, sondern ein fortlaufender Verbesserungsprozess. Im Audit standen erneut Transparenz, Risikomanagement und die Zusammenarbeit mit unseren Produktionspartnern im Fokus. Entscheidend ist aber auch, wie wir selbst unter anspruchsvollen Bedingungen konkrete Fortschritte erzielen konnten. So haben wir intern unsere teamübergreifenden Prozesse für neue Partnerschaften gestärkt, Partnerbewertungen neu gedacht, lassen nun auch unsere eigenen Geschäftspraktiken von unseren Partnern bewerten. Wir denken aber auch in die Zukunft, wie uns beispielsweise KI-Tools unterstützen können. Wir hatten den Eindruck, dass wir Fair Wear damit begeistern konnten und sind gespannt auf das Ergebnis.
Wenn man über faire Arbeitsbedingungen spricht, bleibt das oft abstrakt. Was tut HAKRO dafür, dass es den Menschen in den Produktionsstätten in der Türkei, in Laos und Bangladesch gutgeht?
Carmen Kroll: Der wichtigste Faktor sind vertrauensvolle Partnerschaften mit unseren Produktionsbetrieben. Wir arbeiten eng mit ihnen zusammen und unterstützen sie dabei, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen. Dazu gehören funktionierende Beschwerdemechanismen, Mitbestimmung, Arbeitsschutz und Schulungen. Unsere Teams besuchen die Produktionsstätten regelmäßig und stehen im direkten Austausch mit den Verantwortlichen. Unser Ziel ist es, gemeinsam Verbesserungen zu erreichen – nicht nur Anforderungen zu kontrollieren.
Mit dem Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz und anderen Vorgaben gehen Sie offensiv um. Wo liegen die größten Herausforderungen für die Branche?
Carmen Kroll: Wir sind der Meinung, dass verantwortungsvolle Geschäftspraktiken auch einen regulatorischen Rahmen brauchen, um flächendeckend zum Tragen zu kommen. Deshalb sehen wir sich verschärfende Regulatorik und Gesetze grundsätzlich als positiven Schritt. Allerdings besteht eine große Herausforderung darin, diese wachsenden Anforderungen wirksam und gleichzeitig praktikabel umzusetzen. Gerade in globalen Lieferketten braucht es Transparenz, belastbare Daten und enge Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Zugleich darf Nachhaltigkeit nicht allein zu einer bürokratischen Pflicht werden. Entscheidend ist, dass gesetzliche Vorgaben tatsächlich zu besseren Arbeits- und Lebensbedingungen führen.
Würden Sie sich ein noch stärkeres Umdenken in der Gesellschaft wünschen, wenn es um fair und nachhaltig hergestellte Textilien geht?
Carmen Kroll: Ja. Ich wünsche mir, dass Qualität, Langlebigkeit und Transparenz im Hinblick auf den Herstellungsprozess einen höheren Stellenwert bekommen als kurzfristige Trends oder der niedrigste Preis. Gute Kleidung hat ihren Wert – für die Menschen, die sie nähen, für eine Produktion, die wir ehrlich hinterfragen, und am Ende für alle, die sie tragen.
Interview von Natalie Kotowski und Teresa Zwirner
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Carmen Kroll ist geschäftsführende Gesellschafterin der HAKRO GmbH und führt das Familienunternehmen in zweiter Generation. Das 1969 gegründete Unternehmen mit Sitz in Schrozberg steht für langlebige, nachhaltige Unternehmensbekleidung, beschäftigt rund 200 Mitarbeitende und engagiert sich als Mitglied der Fair Wear Foundation für faire Arbeitsbedingungen in ihren Partnerproduktionen.
