An die Spitze dank Innovation

Gerhard Waldmann setzt bei seinen Produktentwicklungen bereits seit 30 Jahren auf Nachhaltigkeit. Der Leuchtenhersteller schaffte es an die Spitze der Branche. Fotos: privat

Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell und treibender Faktor für Innovationen? Das ist auf jeden Fall ein erfolgversprechender Ansatz – wie der Leuchtenhersteller Waldmann aus Schwenningen beweist. „Innovationen müssen Marktanteile sichern und Alleinstellung schaffen“, betont Inhaber Gerhard Waldmann.

Der Name ist Programm. Seit fast 10 Jahren beschäftigt sich das Innovationsnetzwerk Schwarzwald-Baar-Heuberg mit Innovationen. Als Bühne, auf der Unternehmen aus der Region ihre Innovationen präsentieren, als Plattform für Unternehmer, die den Austausch auf Augenhöhe suchen sowie als Drehscheibe für Kontakte und Kooperationen. Die Gespräche und Diskussionen der Netzwerker drehen sich meist um dieselben Fragen: Wie kommt man zu Innovationen, mit denen eine Alleinstellung am Markt gelingt? Welche Innovationsprozesse führen zum Erfolg? Welche Innovationen sichern die eigene Zukunft?

Schon früh hat das Innovationsnetzwerk beim Thema Maßstäbe gesetzt: „Innovationen heute müssen vor allem nachhaltig sein“, lautet die Maxime des Vorstandes. Unternehmen, die im Rahmen des Netzwerks ihre Innovationen präsentieren wollen, müssen sich deshalb die Frage gefallen lassen, welchen Beitrag sie zum Thema Nachhaltigkeit leisten. Und zwar in der eigenen Produktion wie auch bei der Produktentwicklung.

Nachhaltigkeit ist das Geschäftsmodell

Ein gutes Beispiel für nachhaltige Innovationen ist der Leuchtenhersteller Waldmann aus Schwenningen. Seit Jahren dreht sich hier fast alles um das Thema Nachhaltigkeit. „Ich bin der grünste Grüne“, betont Inhaber Gerhard Waldmann. „Das Thema treibt mich seit jeher um.“ Dass das kein Lippenbekenntnis ist, zeigt ein Blick zurück in die 80er Jahre. Bei der Innovation, die Waldmann quasi über Nacht an die Spitze der Branche katapultierte, stand schon vor 30 Jahren das Thema Nachhaltigkeit Pate bei der Entwicklung.

Auf einer Messe zeigte die Schwenninger Firma erstmals Leuchten, die ihr Licht an die Decke schickten. „Waldmann war der erste Leuchtenhersteller, der die Energie der Lichtreflexion nutzte“, erklärt der Inhaber. „Damals haben mich alle für verrückt erklärt. Heute finden Sie kein Leuchten-Unternehmen mehr, das nicht von der Reflexion lebt“, betont Waldmann.

Durch diese Innovation schaffte es das Unternhem damals international an die Spitze der Branche. Das Unternehmen, das mit seinen zwölf Tochtergesellschaften heute 60 Prozent seines Umsatzes außerhalb Deutschlands erwirtschaftet, setzte fortan immer neue Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit: 50 Prozent des für die Fertigung benötigten Stroms erzeugt das Unternehmen über Wärmerückgewinnung selbst, sämtliche Produkte sind 100 Prozent recyclebar. Die sparsamste Arbeitsplatzleuchte von Waldmann verbraucht gerade mal sieben Watt. Im Vergleich dazu startet eine simple Glühbirne erst bei 25 Watt. „Nachhaltigkeit ist unser Geschäftsmodell“, so Waldmann, „und für mich persönlich der treibende Faktor für alle unsere Innovationen.“

Und womit beschäftigt sich das Unternehmen heute? „Was uns derzeit umtreibt ist der Megatrend Digitalisierung. Gerade im Büroumfeld gibt es hier erhebliche Möglichkeiten.“ Was genau der Schwenninger Betrieb zurzeit in der Pipeline hat, will der Chef noch nicht verraten. Immerhin aber hat man bei Waldmann bereits einen Chief Digital Officer eingestellt. Dessen Job es ist, mit den Kunden zu reden um zu herauszufinden, welcher Weg für die Firma sinnvoll ist. Denn Innovationen, auch wenn sie Megatrends folgen, seien ja kein Selbstzweck. „Es geht um sinnvolle Nutzungen, nicht um Klamauk. Die Innovationen müssen uns Marktanteile sichern und Alleinstellung schaffen.“

Nach knapp zehn Jahren Netzwerk-Arbeit kann Armin Frank, erster Vorstand des Innovationsnetzwerks den Unterschied zwischen einer Invention und einer Innovation sehr genau definieren. „Eine Invention ist zunächst mal nur eine Erfindung. Eine Innovation aber ist etwas, was der Markt wirklich will“, so der ehemalige Gründer und Geschäftsführer von DISC Archiving Systems. Entscheidend sei der Wunsch einer Vielzahl von Kunden nach einer Lösung. Und die Übereinstimmung zwischen diesem Kundenwunsch und der Fähigkeit eines Unternehmens, den Wunsch tatsächlich zu erfüllen. Wie aber kommen Unternehmen gezielt und auf kürzestem Weg zu Innovationen, die der Markt wirklich will?

Von der inkrementellen zur radikalen Innovation

Hierzu lohnt ein Blick hinter die Kulissen des Innovationsmanagements von Kern Liebers. In Deutschland gehört Kern Liebers zu den großen, unabhängigen Familienunternehmen. Das Schramberger Unternehmen startete vor 130 Jahren mit der Herstellung von Zugfedern für die Schwarzwälder Uhrenindustrie. Heute ist die Kern-Liebers-Firmengruppe ein global aufgestelltes Zulieferunternehmen mit rund 8000 Mitarbeitern.

Dirk Heers, Technischer Geschäftsführer und CTO bei Kern Liebers, gewährt einen Einblick in das Innovationsmanagement der Firmengruppe. Von der Idee über die Invention bis hin zur Innovation hat man im Unternehmen den gesamten Prozess weltweit geregelt und sich vor drei Jahren zum Thema Innovation ganz neu aufgestellt. Natürlich gab es im Betrieb immer schon so genannte inkrementelle Innovationen. Entwicklungen, bei denen die bestehenden Produkte stetig und schrittweise optimiert wurden. Bei solchen verbesserten Versionen bestehender Produkte bleiben Vertriebswege und Kundennutzen in der Regel gleich und auch die Alleinstellungsmerkmale sind eher gering.

Stetigen inkrementellen Innovationen kombiniert mit punktuellen radikalen Innovationen verdankt das Schramberger Familienunternehmen sein enormes Wachstum. Doch mit der Dynamisierung des Kerngeschäfts Automotive und vor dem Hintergrund der neuen Trendfelder Elektrifizierung und Digitalisierung im Automobilsektor, entstand in dem Traditionsunternehmen die dringende Notwendigkeit nach einer Steigerung radikaler Innovationen. „Unser inkrementeller Ansatz wurde dem gestiegenen Innovationstempo insbesondere im Automotive-Sektor nicht mehr gerecht“, erklärt der CTO. Für ein dauerhaftes Wachstum brauche es neue, flexible und wachstumssteigernde Innovationsmethoden.

„Am Anfang steht bei uns immer die Idee“, so Heers. Bei Kern Liebers tauscht man deshalb Innovationsideen quer über den gesamten Globus aus. Um die unendlich vielen Ideen weltweit erfassen, bewerten und speichern zu können, hat Kern Liebers ein internes Tool entwickelt, in dem jeder Mitarbeiter seine Idee anmelden und beschreiben kann. Rund 15 Innovationsprojekte haben die Ideenpipeline aktuell erfolgreich durchlaufen. Sechs davon sind dabei in der Vorentwicklung für die gesamte Gruppe positioniert und werden von dem globalen Akteur aktiv mit Budget und Mitarbeiter-Ressourcen verfolgt.

Nicht gerade viele Ideen für ein so großes Unternehmen, ist der erste Gedanke. Aber einerseits verhindert das ausgeklügelte Innovationsmanagement, dass sich das Unternehmen verzettelt und dass wertvolle Ressourcen in Ideen fließen, die sich am Schluss als unbrauchbar erweisen. Andererseits geht es bei den radikalen Innovationen, die Kern Liebers in der Pipeline hat, auch nicht gerade um Peanuts. „Durch die tiefgreifenden Veränderungen, die radikale Innovation auslösen, können ganze Märkte umgestaltet und bekannte Produkte komplett von einem Markt verdrängt werden. Oft werden sogar komplett neue Geschäftsmodelle geschaffen“, so Heers. Das seien die Innovationen, denen Kern Liebers auf der Spur ist.

Angela Imdahl

Zur Person
Angela Imdahl ist Coach und Consultant sowie Gründungsmitglied und langjähriger Vorstand des Innovationsnetzwerks SBH e. V.. Außerdem erarbeitete sie die „Enkeltaugliche Strategie“, eine Weiterentwicklung der „Engpasskonzentrierten Strategie“ von Wolfgang Mewes.