Anpfiff zum Recycling

Wie im Fußball ist laut PreZero-­Geschäftsführer Dietmar Böhm auch im Wertstoff- management das gute Zusammenspiel verschiedener Mitspieler essenziell. Foto: PreZero Digital GmbH

Seit Anfang des Jahres kooperiert das Recyclingunternehmen PreZero mit dem Fußballverein TSG 1899 Hoffenheim. Dietmar Böhm spricht im Interview über die ungewöhnliche Partnerschaft.

Was haben Wertstoffmanagement und Fußball gemeinsam?

Dietmar Böhm: Wenn man so will, ist Wertstoffmanagement ein Mannschaftssport, genau wie Fußball. Es hilft nichts, nur einzelne Ballzauberer auf dem Platz zu haben. Es müssen alle miteinander arbeiten. Das heißt zum Beispiel, dass Recycling nur funktioniert, wenn Verpackungen recycelbar sind, Abfälle schon beim Verbraucher richtig getrennt werden und in leistungsstarken Sortieranlagen die Rezyklate, sprich Wertstoffe, gewonnen werden können.

Warum sind Sie eine Partnerschaft mit einem Fußballverein eingegangen?

Böhm: Fußball bewegt in unserem Land die Menschen und hat eine hohe Sichtbarkeit. Genau die brauchen wir auch, um möglichst vielen Menschen zu zeigen, wie wichtig eine vernünftige Trennung von Abfällen für das Recycling ist.

Warum haben Sie sich die TSG Hoffenheim ausgesucht?

Böhm: Die TSG Hoffenheim ist ein Verein, der auch abseits des Platzes Verantwortung übernimmt. Das vielfältige Engagement und die regionale Nähe haben uns zusammengebracht. Anschließend haben wir schnell herausgefunden, dass wir diese strategische Partnerschaft wollen, um gemeinsam ein Zeichen für Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung zu setzen.

Wobei unterstützen Sie den Klub?

Böhm: PreZero unterstützt die TSG bei der Implementierung eines Wertstoffmanagementsystems. Das heißt, wir analysieren, wo Abfälle anfallen, um was für Abfälle es sich dabei handelt und was anschließend damit gemacht wird. Zum Beispiel haben wir herausgefunden, dass pro Heimspiel rund vier Tonnen Abfälle anfallen. Eine genauere Analyse ergab: Rund 60 Prozent davon könnten recycelt werden. Also überlegen wir nun, wie wir ein praktikables Abfalltrennsystem im Stadion installieren können, um diesen Anteil einem Wertstoffkreislauf zuzuführen.

Vier Tonnen pro Heimspiel sind ja eine beachtliche Menge an Abfällen. Was passiert bisher mit dem Müll nach der Veranstaltung?

Böhm: Als Wertstoffmanager sprechen wir zunächst nicht von Müll, sondern von Abfällen, die Wertstoffe am falschen Ort sind – beispielsweise Bio-Abfälle. In Biogas-Anlagen wird daraus nachhaltige Energie gewonnen. Kunststoffe können geschmolzen und zu neuen Produkten werden. Sogar für den Grünschnitt haben wir eine Recyclingmöglichkeit geschaffen: Aus den rund zwei Tonnen Gras pro Monat wird Papier für die Autogrammkarten der Spieler hergestellt. Bis wir tatsächlich ein funktionierendes Trennsystem im Stadion installiert haben, werden die Abfälle noch thermisch verwertet, um die darin enthaltene Energie zu gewinnen.

Funktioniert eine Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen genauso wie mit der TSG Hoffenheim?

Böhm: Absolut, denn wir haben viele gute Argumente. Mit einem funktionierenden Wertstoffmanagement tragen unsere Partner nicht nur aktiv zum Klimaschutz bei, oftmals kommen auch ökonomische Vorteile hinzu. Denn ein Wertstoff, den Unternehmen recyceln können, müssen sie weder aufwendig als neuen Rohstoff aus der Natur gewinnen, noch müssen sie ihn erneut einkaufen.

Im Umfeld des Fußballstadions in Sinsheim entsteht aktuell die „Klima Arena“, an der sich Ihr Unternehmen ebenfalls beteiligt. Was können Besucher dort

erleben?

Böhm: Die „Klima Arena“ für Bürger zeigt auf, welche Auswirkungen der Klimawandel auf den Menschen haben wird und was wir tun können, um das Klima zu schützen. Als Partner der „Klima Arena“ zeigen wir den Besuchern aller Altersgruppen, wie wichtig der Beitrag von Recycling zu Ressourcenschonung und Klimaschutz ist.

Nachhaltigkeit sowie Klima- und Naturschutz sind große Themen der Zukunft. Was muss sich Ihrer Meinung nach in diesen Bereichen tun, um Umweltverschmutzung und Klimawandel entgegenzuwirken?

Böhm: Wir müssen lernen, dass Abfälle Wertstoffe am falschen Ort sind. Wenn wir versuchen, mehr zu recyceln, Dinge zu reparieren, anstatt sie direkt wegzuwerfen, und den Wert in den verarbeiteten Rohstoffen erkennen, werden wir einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dazu folgendes Beispiel: Um 250 Gramm Gold zu erhalten, kann man entweder eine Tonne Handys und Smartphones recyceln – denn so viel Gold steckt darin – oder man baut über 60 Tonnen Golderz ab. Das zeigt, das sich Recycling lohnt und zwar sowohl ökologisch als auch ökonomisch.

Interview: Alexander Liedtke

Zur Person
Dietmar Böhm ist Geschäftsführer von PreZero. PreZero ist einer der führenden Entsorgungs- und Umweltdienstleister in Deutschland mit Hauptsitz in Neckarsulm. Das Unternehmen verfolgt an 80 Standorten und mit mehr als 3000 Mitarbeitern in Deutschland und Europa das Ziel, die Ressourcenverschwendung in der Abfallentsorgung gegen Null zu senken. PreZero ist Teil der Schwarz Gruppe, zu der unter anderem auch Lidl und Kaufland gehören.