Auf Umwegen zum Traumberuf

Die junge Mutter, Anne Herrmann, ist froh, dass sie Karriere und Kind vereinen kann. Foto: Christiane Hampe

Junge Mutter und Azubi? Klingt nach keiner leichten Aufgabe – doch für Anne Herrmann ist das dank gutem Zeitmanagement kein Problem. Sie ist auf dem Weg zu ihrem Traumberuf. Als Mutter einer Zweijährigen orientiert sie sich beruflich noch einmal komplett neu: von einer staatlich anerkannten Physiotherapeutin zur Altenpflegerin.

Ständig unter Strom für Familie und Traumberuf: Täglich meistert Anne Herrman den Spagat zwischen Arbeitsplatz, Kindertagesstätte, Bildungszentrum und Haushalt. Im Seniorenzentrum St. Barbara in Grünsfeld ist die 28-Jährige als Auszubildende Teil eines 20-köpfigen Pflege­teams. Sie unterstützt die Bewohner bei der Körperpflege, beim Essen und Anziehen sowie bei der Tagesgestaltung.

Dabei hat die junge Mutter die individuellen Bedürfnisse der ihr anvertrauten älteren Menschen immer im Blick. Sie betreut, berät, tröstet, unterstützt und lacht mit ihnen. Und damit nicht genug: Auch organisatorische Tätigkeiten wollen erledigt sein. Denn Berichte schreiben und Bewohnerdaten verwalten sind ebenfalls Aufgaben einer angehenden Altenpflegerin. Zusätzlich ist die junge Frau verantwortlich für die korrekte Gabe von Medikamenten und hilft – falls nötig – in Notsituationen oder begleitet Sterbende.

Die ersten Dienste im Seniorenzentrum St. Barbara hat sie bereits geleistet und ist begeistert: „Die Arbeit ist total abwechslungsreich und spannend. Im Dienst bin ich für etwa 15 Bewohner verantwortlich. Das ist zwar manchmal stressig, macht aber wirklich viel Spaß. Man bekommt von den Bewohnern so viel zurück. Wir lachen viel. Auch mit den Kolleginnen“, sagt Anne. Den theoretischen Teil der Altenpflegeausbildung absolviert sie am Caritas-Bildungszentrum in Bad Mergentheim.

Zusammen mit ihren Mitschülern wird sie in speziellen Lernfeldern mit Themen wie Anatomie, Krankheitslehre oder Lebenswelten alter Menschen unterrichtet. „Alles sehr interessante Themen und ich habe das Glück, dass ich vieles noch aus meinem vorherigen Job kenne“, so die junge Mutter.

Vor der Altenpflegeausbildung und der Geburt ihrer Tochter Adele hat Anne als Physiotherapeutin gearbeitet. Diese Ausbildung schloss sie 2015 erfolgreich ab. Für den Wechsel in die Altenhilfe hat die 28-Jährige verschiedene Gründe: „Ich habe mich schon immer für Altenpflege interessiert. Ausschlaggebend waren auch die Verdienstmöglichkeiten, die in der Altenhilfe einfach besser sind. Und durch das Schichtsystem sind meine Arbeitszeiten flexibler. Um Beruf und Familie zu vereinbaren, bietet mir die Altenpflege deshalb viel mehr Möglichkeiten als der Job als Physiotherapeutin“, sagt Anne. Auch, weil die Dienstzeiten im Seniorenzentrum mit den Arbeitszeiten von Partner Oliver Adler gut zu vereinbaren sind, fiel Annes Entscheidung auf die Ausbildung zur Altenpflegerin. „Das ergänzt sich ganz gut. Wir bekommen es immer optimal hin – mit einem guten Zeitmanagement ist alles möglich“, ist sich die junge Mutter sicher.

Dass Flexibilität am Arbeitsplatz von Arbeitnehmer- wie auch von Arbeitgeberseite gleichermaßen wichtig ist, weiß Christian Knittel, Pflegedirektor der Seniorenzentren Haus Heimberg, St. Barbara Grünsfeld und St. Hannah Distelhausen: „Um junge Menschen für die Pflegeausbildung und später als motivierte Mitarbeiter zu gewinnen, die Freude an der Arbeit und dem Umgang und mit unseren Bewohnerinnen und Bewohnern haben, muss man ihnen entgegenkommen und ihnen zeigen, dass wir uns freuen, dass sie für uns arbeiten. Ich denke, da sind wir in unseren drei Seniorenzentren gut aufgestellt. Denn bei uns arbeiten Menschen für Menschen – Individuen sind bei uns herzlich willkommen. In diesem Ausbildungsjahr haben 13 Nachwuchskräfte eine Ausbildung in unseren Heimen angefangen – dass freut uns nicht nur, darauf sind wir stolz.“

Christiane Hampe