„Berufsbilder verändern sich“

Neue „Audianer“: 149 Azubis und dualen Studenten übernahm der Automobilhersteller Ende 2018. Foto: Audi AG

Audi, der größte Arbeitgeber der Region mit fast 17.000 Mitarbeitern am Standort Neckarsulm, bietet zahlreiche Aus- und Weiterbildungs­möglichkeiten. An der Audi-Akademie wird die Belegschaft fit für die Herausforderungen der Zukunft gemacht. Im Interview gibt Johann Fandrich Einblicke in das Bildungskonzept des Automobilherstellers.

Was zeichnet die Audi AG als Arbeit­geber in Neckarsulm aus?

Johann Fandrich: Als größter Arbeitgeber in der Region bietet Audi seinen Mitarbeitern eine moderne Arbeitsumgebung, Raum für Innovationen sowie vielfältige individuelle Entwicklungsmöglichkeiten bei hoher Beschäftigungssicherheit. Wie alle „Audianer“ sind auch schon unsere Auszubildenden in Zukunftsthemen wie Elektromobilität und Digitalisierung direkt involviert. Unterstützt werden sie dabei zum Beispiel durch unser „Mobile Learning“: Als erster Autohersteller haben wir damit ein Konzept für mobiles und digitales Lernen in der Berufsausbildung etabliert. Mehrere aktuelle Rankings, etwa die Studien von „trendence“ und „Universum“, belegen die hohe Arbeitgeberattraktivität der Audi AG, und „Focus Money“ zeichnete Audi 2017 als „Deutschlands besten Ausbildungsbetrieb“ in der Kategorie „Automobil“ aus.

Wie hat sich das Arbeitsumfeld in den letzten Jahren verändert und was bieten Sie künftigen Arbeitnehmern?

Fandrich: Durch die Digitalisierung und die Entwicklung bei den alternativen Antrieben brauchen unsere Mitarbeiter neue Kompetenzen. Daher passen wir unsere Ausbildungsberufe und -inhalte permanent an Zukunftsthemen und neue Technologien an. So gewinnen beispielsweise Elektromobilität, Virtual Reality, Mensch-­Roboter-Kooperationen oder auch 3-D-Druck eine immer größere Bedeutung. Einige unserer Azubis haben erst kürzlich eigenständig ein Projekt zum autonomen Fahren erarbeitet. Mit diesen regelmäßigen Updates unserer Aus- und Weiterbildungen sind wir zukunftsfähig aufgestellt und bieten unseren Mitarbeitern sehr vielversprechende Perspektiven.

Welche Aufstiegschancen und welche Fortbildungsmöglichkeiten gibt es im Unternehmen?

Fandrich: Die Audi-Akademie als zen­trale Anlaufstelle für die Aus- und Weiterbildung fördert das lebenslange Lernen der Mitarbeiter. Dabei stehen sowohl fachliche als auch überfachliche Qualifizierungsmaßnahmen zur Wahl. Die angebotenen Qualifizierungen für Zukunftsfelder wie Elektromobilität und Virtuelle Fabrik haben wir fast verdoppelt und setzen dabei auf eine Kombination aus digitalen Online-Lerneinheiten und Präsenzveranstaltungen. In den Auslandsstandorten haben die Mitarbeiter außerdem die Möglichkeit, unter anderem ihre persönlichen Kompetenzen zu erweitern. Wichtig ist uns, dass Mitarbeiter nach ihrer Ausbildung ihre Fachkompetenzen erst in ihrem Beruf vertiefen und Erfahrungen sammeln. Mit dieser soliden Basis und einer zielgerichteten Weiterbildung ist auch die Entwicklung in eine Fach- oder Führungslaufbahn möglich.

Audi hat in Neckarsulm 891 Azubis und 45 duale Studenten. Wie hat sich die Ausbildung verändert und wo liegen heute die Schwerpunkte?

Fandrich: Wir überprüfen kontinuierlich die Kompetenz- und Qualifikationsbedarfe, passen sie an neue Entwicklungen an oder schaffen ganz neue Berufsbilder. Dabei sind wir auch im engen Austausch mit Hoch- und Berufsschulen, um mögliche Lücken schnell zu schließen. Insbesondere Elektromobilität und Digitalisierung beeinflussen die Berufsbilder entscheidend. Wir haben unsere Ausbildungsberufe vorausschauend darauf angepasst und bieten zum Beispiel bei den Kfz-Mechatronikern den Schwerpunkt Hochvolt- und Systemtechnik an. Daneben legen wir auch auf die Entwicklung persönlicher Kompetenzen wie Teamorientierung und ein Miteinander sehr viel Wert. Deshalb fördern wir nach wie vor die persönliche Kommunikation genauso wie moderne Formen der Zusammenarbeit.

Wie fördern Sie den Nachwuchs?

Fandrich: Wir bieten unseren Azubis viel Raum für eigene Projekte. Zum Beispiel im Rahmen der „Azubi Zukunftswerkstatt“, einem Projekt, bei dem sie ihre Kreativität ausleben und verschiedene Ideen einfach mal ausprobieren können. Solche Aufgaben helfen den Azubis zugleich, ihre persönlichen Stärken zu finden und zu festigen. Das selbstgesteuerte Lernen in Gruppenarbeiten fördert zudem ihre Eigeninitiative. So lernen sie nicht nur selbständig mit digitalen Lerneinheiten, sondern können auch eigenverantwortlich solche kleinen „Lernnuggets“ für andere Azubis erstellen. In ihrem ersten Jahr bei uns nehmen sie zusätzlich an Teamtrainings teil, die Wir-Gefühl und Eigenverantwortung stärken. Im zweiten Ausbildungsjahr vertiefen die Azubis dann ihre sozialen Kompetenzen in sozialen Projektwochen, in denen die jungen „Audianer“ in Kindergärten oder anderen sozialen Einrichtungen unterstützen.

Wo kann es künftig Einschnitte geben und wo will Audi besonders wachsen?

Fandrich: Die traditionellen Berufsbilder verändern sich – nicht nur in der Automobilbranche. Wir haben darauf schon frühzeitig reagiert und werden unsere Ausbildungsberufe kontinuierlich an Zukunftsthemen anpassen. Natürlich qualifizieren wir nicht nur unsere Azubis weiter, sondern fast jeden Mitarbeiter im Rahmen der Transformation in den Zukunftsfeldern Elektromobilität, Brennstoffzelle und IT. So bereiten wir alle Mitarbeiter auf die künftigen Herausforderungen bestmöglich vor – auch unsere Azubis. Denn fest steht: Der Nachwuchs sichert die Zukunft. Und Audi braucht auch in Zukunft neue Ideen von seinen Mitarbeitern.

Interview: Uwe Deecke

Zur Person
Johann Fandrich ist Leiter der Aus- und Weiterbildung von Audi am Standort Neckarsulm.