Besserung im ÖPNV in Sicht?

Zugausfälle und Verspätungen bei der Stadtbahn S4 sorgen für Frust bei den Pendlern. Foto: Uwe Deecke

Verspätungen und ausgefallene Züge waren in der Vergangenheit sowohl bei der Stadtbahn S4 als auch bei der Frankenbahn keine Seltenheit. Das soll sich in diesem Jahr ändern.

Vieles tut sich bei der Frankenbahn, der wichtigsten ÖPNV-­Verbindung nach Stuttgart, die angesichts staugeplagter Autobahnen an Bedeutung gewinnt. Hier ist alles im Umbruch, bevor der neue Betreiber Go Ahead die Strecke Würzburg–Stuttgart im Dezember von der Bahn übernehmen wird. Alte Züge ohne Klimatisierung sind hier noch unterwegs, es gibt oft Verspätungen und Zugausfälle. Pendler haben es in beiden Richtungen nicht leicht, pünktlich zur Arbeit zu kommen.

Sie hoffen auf Besserung, wenn Ende des Jahres der britische Anbieter Go Ahead übernimmt, mit Zügen der neusten Generation und, glaubt man dem Unternehmen, auch ausreichend Personal, das gerade ausgebildet wird. Weiter zuständig für Verwaltung, Pflege und Wartung der Strecken ist die DB Netz AG. Die Züge werden auf der Frankenbahn im Stundentakt verkehren, kürzere Fahrzeiten sind wegen der vernachlässigten Infrastruktur nicht möglich. Vergünstigungen gibt es seit Kurzem mit dem BW-Tarif. Bereits in der ersten Stufe seit Dezember 2018 schließt der Tarif bei den Bahnfahrscheinen auch das ÖPNV-Ticket am Zielort ein, sodass die Fahrgäste nach der Ankunft mit der Bahn ohne neues Ticket Busse und Stadtbahnen vor Ort nutzen können.

Während auf den Nordstrecken noch von guten Verhältnissen gesprochen werden kann, leidet die Stadtbahn S4 von Karlsruhe Richtung Heilbronn seit Jahren an Personalmangel. Das ärgert viele Pendler, die in die Stadt wollen und vergebens auf den Zug warten. Das Personal aus Karls­ruhe ist besonders unterbesetzt, was in den letzten Jahren zu den vielen Zugausfällen auf der Strecke führte. Pünktlich sind hier nur 81 Prozent der Züge, weit unter den Vorgaben des Landes, die bei 90 Prozent liegen.

Reaktivierung der Zabergäubahn

Als Gründe gelten Wartezeiten, Langsamfahrstellen, starke Bautätigkeit in der Karlsruher Innenstadt und eine deutlich gestiegene Störungsanfälligkeit im Netz der AVG. Besonders schwierig wird es im Kraichgau, wo es nur ein Gleis in jede Richtung gibt und die Stadtbahn oft zum Halten gezwungen ist. Öfter wurde in der Vergangenheit auch ein Schienenersatzverkehr mit Bussen angeboten. Bei der Personalsituation steht die AVG im harten Wettbewerb um Lokführer, die auch bei der Frankenbahn benötigt werden. 350 Stadtbahnführer arbeiten beim Unternehmen mit seinen gesamten Strecken, Krankheitsfälle fallen stark ins Gewicht.

Hoffnungen setzen Pendler auf eine Reaktivierung der Zabergäubahn von Lauffen am Neckar bis nach Leonbronn, die bis 1986 verkehrte und nach wie vor der Bahn gehört. Für sie gab es eine Untersuchung hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit, die aber eher ernüchternd ausfiel. Eine Reduzierung der Züge könnte eine Verbesserung bringen, würde aber auch weniger Nutzen bedeuten. Die geschätzten Investitionskosten belaufen sich auf 52 Millionen Euro, dazu kommen Nebenkosten von 13 Millionen Euro. Die Kosten für die Fahrzeuge werden auf bis zu 36 Millionen geschätzt.

Stillgelegt wurde im Jahr 1966 die Bottwartalbahn von Heilbronn nach Marbach am Neckar. Der Verwaltungsausschuss des Kreistags stimmte nun zu, sich an einer Machbarkeitsstudie zwischen Marbach, Beilstein und Heilbronn zu beteiligen. Dafür gibt es positive Signale im Ludwigsburger Kreistag. Auch der künftige Nahverkehrsplan der Region Stuttgart räumt dem Projekt eine hohe Priorität ein.

Billig wird die Umsetzung allerdings nicht: Allein der erste Abschnitt von Marbach bis Beilstein könnte 75 Millionen Euro kosten. Er soll weitgehend auf der Originaltrasse verlaufen, die dann nach Ilsfeld, Talheim und Heilbronn führt. Unrealistisch erscheint eine Alternativroute über Abstatt und Untergruppenbach, die starke Eingriffe in die Natur und vorhandene Bebauung bedeuten würde und kaum zu bezahlen wäre.

Verbessert hat sich das ÖPNV­Angebot rund um Heilbronn zweifellos bei den Bussen. Sie werden intensiv genutzt und sind pünktlich – wenn kein Stau im Berufsverkehr herrscht. Dabei gibt es in den letzten Jahren ein erweitertes Angebot an Verbindungen, doch auch hier ist der Fachkräftemangel zunehmend zu spüren.

Uwe Deecke