Bildung in allen Lebenslagen

Auch am Campus Sontheim bietet die Hochschule Heilbronn Beratung für Studenten in schwierigen Situationen an. Foto: Hochschule Heilbronn

Die Hochschule Heilbronn ist Vorreiter in Sachen Familienfreundlichkeit. Zahlreiche Angebote helfen Studierenden mit Kindern – oder mit Pflegefällen daheim. Auch die Mitarbeiter der Bildungseinrichtung profitieren von der Unterstützung.

Familienfreundlichkeit ist ein fester Bestandteil der Hochschulkultur an der Hochschule Heilbronn (HHN). Es geht darum, familiengerechte Arbeits- und Studienbedingungen für Studierende und für das eigene Personal zu schaffen und zu erhalten. Seit 2005 ist die Bildungseinrichtung als familiengerechte Hochschule zertifiziert und muss dafür einige Voraussetzungen erfüllen. Dabei geht es um Verbesserungen für Schwangere, für Mütter mit Kindern und für pflegende Studenten. Ein Aspekt der Zertifizierung ist unter anderem der Ausbau der Betreuungsangebote und der Infrastruktur für Eltern und Kinder.

Dies passiert im Falle der HHN zunächst im städtischen Kindergarten an der Kita Robert-Bosch-Straße, mit dem die Hochschule einen Kooperationsvertrag über Belegplätze besitzt. 20 Kinder im Alter zwischen zwei Monaten und sechs Jahren können aufgenommen werden und sind dort in den jeweiligen Altersgruppen integriert. Für die Betreuung von Kindern über drei Jahren mit Erstwohnsitz in Heilbronn entfällt wie in der ganzen Stadt die Kindergartengebühr. Geplant ist ein solches Betreuungsangebot übrigens auch in den beiden Außenstellen der HHN am Campus in Schwäbisch Hall sowie der Reinhold-Würth-Hochschule, dem Campus in Künzelsau.

Im Audit zum Zertifikat werden auch noch andere Ziele auf ihre Umsetzung hin geprüft: Zum Beispiel wird die Steigerung des Bekanntheitsgrads von Regelungen und Angeboten für Studenten mit Kind gefordert. Es geht aber auch um die Stärkung des gegenseitigen Austauschs innerhalb der Hochschule. Ein Eltern-Kind-Treff ist dafür eine Plattform, die die HHN einmal pro Semester anbietet.

Checklisten für Schwangere

Auch die Verbesserung des Schutzes schwangerer Studentinnen hat sich die Heilbronner Hochschule vorgenommen. 28 Schwangere haben sich im letzten Jahr gemeldet und erhalten Hilfe. Die Frauen bekommen Checklisten. Die Listen enthalten gebündelte Informationen zum Studium in Teilzeit, Verschiebung von Prüfungsterminen und Streckung des Studiums. „Es ist oft eine dramatische Situation, wenn Studentinnen schwanger werden“, sagt Wibke Backhaus, Referentin für Gleichstellung und Diversität an der HHN. Mütter würden auch finanziell über das Bafög unterstützt, was aber nicht für ausländische Studenten ohne Anspruch auf Sozialleistungen gelte.

Hilfe durch Lotsen

Ein weiterer Punkt der Zertifizierung ist, pflegende Studenten zu unterstützen. Sie sollen Studium und Pflege vereinbaren können. Für sie werden Informationsveranstaltungen durchgeführt, die den Studierenden im Alltag helfen sollen. Vier „Pflegelotsen“ aus der Hochschulverwaltung stehen den Betroffenen zur Seite, verweisen sie an die richtigen Stellen und geben wichtige Informationen. Dieses Angebot werde vor allem von den Mitarbeitern der Hochschule genutzt, erklärt Backhaus. „Ziel ist es ein guter, attraktiver Arbeitgeber zu sein. Ebenso wollen wir den Studierenden die Chance geben, ein Studium mit unterschiedlichen Lebensbedingungen abschließen zu können“, verdeutlicht die Referentin.

Mehr und Mehr Betreuungsplätze

Die HHN will das Angebot in Zukunft noch ausweiten. Angestrebt werden zusätzliche Betreuungsplätze an den Heilbronner Standorten in Sontheim und am Bildungscampus. Im Umfeld des Bildungscampus hat die Dieter-Schwarz-Stiftung zehn Belegplätze in der neuen Kita-Einrichtung am Neckarbogen erworben. In Künzelsau wurde bereits eine Vereinbarung mit der Stadt getroffen, um dort Belegplätze anbieten zu können. In Schwäbisch Hall strebt man dies ebenfalls an. Bereits fertig eingerichtet ist das Eltern-Kind-Zimmer in Sontheim, das momentan wegen der umfassenden Bauarbeiten nicht zugänglich ist. Die Hochschulverwaltung hofft, dass es im Herbst zu Semesterbeginn geöffnet werden kann. In Schwäbisch Hall gibt es das Angebot bereits, in Künzelsau ist es noch in der Planung.

Uwe Deecke