Brücken bauen und gewinnen

Hoda El Gawish weiß: Wer über die Kulturen hinweg erfolgreich zusammenarbeiten möchte, muss auf viele Kleinigkeiten achten. Foto: privat

Unsere Geschäftswelt ist mehr denn je international ausgerichtet. Um im Business jedoch Erfolge feiern zu können, braucht es mehr als eine gemeinsame Sprache – auch zwischenmenschlich muss es passen. Dafür bedarf es Feingefühl, Toleranz und Akzeptanz, denn Unterschiede zwischen den Kulturen gibt es auch heute noch.

Andere Länder, andere Sitten – so heißt es so schön. Wie viel Wahrheitsgehalt in dieser Aussage steckt, merkt man spätestens dann, wenn man in andere Länder reist und auf Menschen aus fremden Kulturkreisen trifft. Doch wir leben in einer globalisierten Welt. Nicht nur im Urlaub begegnen uns Menschen mit scheinbar anderen Gepflogenheiten, sondern regelmäßig auch im Alltag – vor allem am Arbeitsplatz. Und das ist gut so. Denn diese Vielfalt ist ein Gewinn für alle Beteiligten, im Privatleben, aber auch in der Geschäftswelt.

Wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturen aufeinandertreffen, kann Großes entstehen. Vorausgesetzt, die Vorzeichen für ein respektvolles und offenes Miteinander stimmen. Denn kulturelle Vielfalt bringt auch Herausforderungen mit sich. Gegenseitige Akzeptanz und Toleranz sind bei Weitem keine Selbstläufer, sondern vielmehr permanent mit Arbeit verbunden.

Klischees erfüllen

„Wir sind von vielen Vorurteilen und Stereotypen geprägt“, schildert Hoda El Gawish ihre Erfahrungen. Die 36-Jährige weiß nur zu gut, wovon sie spricht. Die gebürtige Ägypterin, die neben Sprachkursen auch Coachings und interkulturelle Trainings anbietet, hat damit fast täglich zu tun – in ihrer Arbeit, aber auch in ihrem Alltag. „Weil ich schwarze Haare und einen dunklen Teint habe, werde ich beim Arzt immer wieder mal gefragt, ob ich Deutsch verstehe“, erzählt sie lachend. Diese kleinen Vorurteile hätten ihr Leben nie negativ beeinflusst, versichert sie. Aber sie stelle eben fest, dass sie da sind – vermutlich bei jedem von uns. „Wir haben von Menschen aus anderen Kulturen ein sehr starres Bild vor Augen. Wir haben eine gewisse Erwartungshaltung, die wir auch erfüllt sehen möchten.“

Das, so die zweifache Mutter, sei keinesfalls per se negativ zu bewerten, da Stereotype auch helfen können, sich besser auf sein Gegenüber einzulassen. Aber sie bringen eben auch Unsicherheiten mit sich – darüber, wie man mit dem anderen umgehen soll. Was geht? Was nicht? „Man merkt, dass wir Menschen im Umgang mit anderen keine Fehler machen wollen. Wir denken über sehr viel nach. Und das verunsichert manche von uns nur noch mehr.“

Was in solch einer Situation also tun? Vorbereitung scheint dabei das Zauberwort zu sein, das über Erfolg und Misserfolg in der Zusammenarbeit entscheiden kann. „In jeder Kultur herrschen andere Sitten und Gebräuche vor, die – je nach Nation – ganz unterschiedlich ausgeprägt sein können. Man muss jedes Land für sich betrachten und sich mit einer gewissen Neugierde auch darauf einlassen wollen.“ Beispielhaft nennt sie die arabischen Länder, immerhin 22 an der Zahl. „Wir haben eine gemeinsame Kultur. Und dennoch gibt es viele Unterschiede. Oft sind es Kleinigkeiten, die im Alltag jeder anders macht.“ Saudi-Arabien sei nicht Ägypten, Deutschland nicht Frankreich oder Italien. Und das müsse jedem klar sein.

Global denken und handeln

Was aber heißt das für den Berufsalltag? „Unternehmen müssen global denken und handeln. Und zwar auf allen Ebenen. Wir brauchen gute Fach- und Führungskräfte – unabhängig von ihrer Herkunft, Religion oder Kultur“, ist die Crailsheimerin überzeugt. Die Firmenstruktur, gerade im Leitungsbereich, sei aber häufig noch sehr regional ausgeprägt, auch wenn sich dies in den vergangenen Jahren verbessert habe. Auch das bringt in Teilen Unterschiede mit sich. „Je nach Kultur kann auch die Religion eine große Rolle spielen. Als Unternehmen sollte man sich im Vorfeld klarmachen, was auf einen zukommen kann und ob man bereit ist, gegebenenfalls flexibel zu sein und das mitzugehen“, rät El Gawish daher. Und hier zeigt sich: Integration ist mehr, als andere Sprachen zu verstehen. Integration heißt, sich auch in einem fremden Land mit einer fremden Kultur wohlzufühlen und ein Stück Heimat finden zu können.

Lydia-Kathrin Hilpert

Zur Person
Hoda El Gawish (36) hat in Kairo und München Politik- und Wirtschaftswissenschaften sowie Internationale Beziehungen und Anglistik studiert. Die Mutter zweier Kinder stammt gebürtig aus Ägypten, lebt seit 2003 jedoch in Deutschland. Seit 2009 ist El Gawish als Coach und Trainerin selbstständig in Crailsheim.