Das meint der Personaler

Stefan Brehm ist seit 1991 Personalleiter der Rauch Möbelwerke GmbH in Freudenberg. Foto: Rauch Möbelwerke

Ein gute Bewerbung ist das A und O beim Start in die Karriere. Worauf es bei der Selbstpräsentation ankommt, darüber haben wir mit Personalleiter Stefan Brehm gesprochen.

Herr Brehm, was ist das erste, worauf Sie bei einer Bewerbung achten?

Brehm: Eine Bewerbung sollte einen gefälligen Gesamteindruck abgeben und für den Empfänger übersichtlich und gut handhabbar sein. Ich persönlich finde zum Beispiel Bewerbungsmappen in Papierform zum Aufklappen, bei denen verschiedene lose Blätter übereinander in die Seitenecken eingesteckt werden, sehr unpraktisch. Optimal ist für uns eine E-Mail mit PDF-Dokumenten im Anhang, denn so können wir die Bewerbung am einfachsten bearbeiten.

Was darf auf keinen Fall bei einer Bewerbung fehlen?

Brehm: Der tabellarische Lebenslauf – ohne Lücken und übersichtlich aufbereitet – ist für mich das Kernstück einer Bewerbung. Ein Bewerbungsschreiben (nicht umfangreicher als eine DIN A4-Seite) und die letzten Zeugnisse sollten auch dabei sein. Selbst wenn es heute nicht mehr zwingend erforderlich ist, können sich die Bewerber gerne mit einem Foto präsentieren.

Was macht aus Ihrer Sicht eine gute Bewerbung aus?

Brehm: Im Idealfall sollten gute Leistungen übersichtlich und in gefälliger Optik präsentiert werden. Korrekte Rechtschreibung und Grammatik sind auch in unseren digitalen Zeiten immer noch wichtig. Darüber hinaus ist es hilfreich, Interesse an einem Beruf zum Beispiel durch den Hinweis auf Praktika oder durch entsprechende Freizeitaktivitäten zu untermauern. Es schadet sicherlich nicht, wenn in der Bewerbung auch Anhaltspunkte zu finden sind, dass man sich mit dem Unternehmen, in das man eintreten möchte, auseinandergesetzt hat.

Was kommt bei Ihnen persönlich gut an?

Brehm: Gut finde ich es, wenn Bewerber für Ausbildungs- oder Studienplätze bereits ein Praktikum in unserem Unternehmen absolviert und dabei einen guten Eindruck hinterlassen haben.

Schauen Sie sich in der Personalabteilung überhaupt die gesamte Mappe oder Datei an oder beschränken Sie sich auf bestimmte Bestandteile?

Brehm: Das kommt immer darauf an, wie viele Bewerbungen jeweils eingehen und auch darauf, wie übersichtlich eine Bewerbung gestaltet ist. Das Anschreiben, der Lebenslauf und das letzte Zeugnis werden in der Regel immer angeschaut.

Nach welchen Kriterien werden Bewerbungen bei Ihnen selektiert?

Brehm: Ob jemand zum Vorstellungsgespräch oder Auswahlverfahren eingeladen wird, ist von den für die Ausbildung wichtigen Zeugnisnoten und einem positiven Gesamteindruck der Bewerbungsunterlagen abhängig. Eventuell können auch einschlägige Praktika oder sonstige Engagements, zum Beispiel in Vereinen, mitentscheidend sein.

Wie sollte sich ein Bewerber in seinen Ausführungen präsentieren?

Brehm: Er darf sich gerne positiv darstellen, sollte aber insgesamt bei den Tatsachen bleiben und nicht in der Selbstdarstellung überziehen. Besser ist es, auf die wirklich guten Fakten kurz und knapp hinzuweisen, als eine umfangreiche Aufzählung mit weniger wichtigen Punkten.

Honorieren Sie es, wenn der Bewerber Ihr Unternehmen beispielsweise im Anschreiben kurz beschreibt oder lobt?

Brehm: Ein Satz, warum sich die Person gerade bei uns bewerben will oder ein kurzer Hinweis, aus dem hervorgeht, dass er sich über unser Unternehmen informiert hat, ist durchaus positiv.

Und wann sehen sie es als negativ an?

Brehm: Man sollte auch hier nicht überziehen und zum Beispiel nicht in größerem Umfang von der Firmenhomepage abschreiben.

Was hat sich durch die digitalen Bewerbungen geändert? Gibt es dadurch andere Ansprüche Ihrerseits?

Brehm: Unsere Ansprüche haben sich durch digitale Bewerbungen nicht wirklich geändert. Wir brauchen auch heute geeignete Bewerber für unsere berufs- und firmenspezifischen Anforderungen. Selbstverständlich muss man sich aber heute in der digitalen Welt bewegen können. Durch die neuen Medien gibt es eine Veränderung in der Geschwindigkeit der Kommunikation. Außerdem können Bewerbungen digital einfacher vervielfältigt und aufbereitet werden. Deshalb bewerben sich die meisten Bewerber bei uns heute per E-Mail.

Wie wichtig ist Ihnen die optische Gestaltung der Unterlagen?

Brehm: Die Bewerber sollten sich schon Mühe geben, die Unterlagen für den Leser gefällig und vor allem übersichtlich zu gestalten. Allerdings ist eine sehr aufwendige Gestaltung aus meiner Sicht nicht nötig und kann inhaltliche Mängel der Bewerbung sicher nicht ausgleichen.

Interview: Alexander Liedtke