Der erste Eindruck zählt

Beim Vorstellungsgespräch sollten Bewerber ansprechend gekleidet sein. Foto: adobe Stock/yurolaitsalbert

Das erste Vorstellungsgespräch steht vor der Tür. Was Unternehmen von Bewerberinnen und Bewerbern erwarten, erklärt Personalchefin Meike Kämmler.

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Bewerber für ein Vorstellungsgespräch aus?

Meike Kämmler: Grundsätzlich kommt es auf das Bewerberprofil an. Wir gehen da weniger auf Zeugnisse oder Noten ein, sondern schauen uns eher die Tätigkeiten der Bewerber an. Bei der Ausbildung hat man solche Daten jedoch nicht. Da muss man doch die Schulzeugnisse heranziehen. Weil Azubis meistens unter 18 Jahren sind, spielt es ebenfalls eine Rolle, woher die Bewerber kommen, da diese meist noch nicht mobil sind.

Was sind die wichtigsten Punkte, die ein Bewerber beim Vorstellungsgespräch beachten sollte?

Kämmler: Man sollte offen und freundlich sein. Alles andere kommt dann von selbst. Wichtig ist auch, sich vorher schon Gedanken zu folgenden Fragen zu machen: Warum habe ich mich bei der Firma beworben und warum dieser Beruf?

Spielt es noch eine Rolle, wie ein Bewerber angezogen ist?

Kämmler: Der erste Eindruck ist wichtig. Dazu zählt das äußere Erscheinungsbild. Man sollte nicht gerade in den dreckigsten Klamotten kommen. Es reicht aber, ganz normal gekleidet zu sein. Ich erwarte nicht, dass man seinen Konfirmationsanzug aus dem Schrank holt. Es sollten aber auch keine zerrissenen Jeans sein.

Bedeutet ein langes Bewerbungsgespräch automatisch, dass der Bewerber besonders interessant ist?

Kämmler: Nein, nicht für mich. Häufig kommen zu lange Vorstellungsgespräche sogar etwas übereifrig rüber. Es kann manchmal sein, dass ein Vorstellungsgespräch relativ kurz ist, man aber das Gefühl hat, der Bewerber passt zu uns. Voraussetzung sollte dabei sein, dass alle wichtigen Dinge innerhalb der kurzen Zeit gefragt wurden und auch genügend Rückfragen kamen.

Welche Frage stellen Sie in einem Vorstellungsgespräch am liebsten?

Kämmler: Warum haben Sie sich beworben und warum genau diese Stelle? Diese Frage ist relativ offen. Da muss der Bewerber etwas erzählen und man erkennt relativ schnell, ob er sich wirklich über die Stelle informiert hat. Man bekommt auch schnell heraus, ob das, was in den Bewerbungsunterlagen steht, der Wahrheit entspricht. Fragen zu Stärken und Schwächen mag ich gar nicht. Diese kennt jeder Bewerber und hat sie auswendig gelernt.

Wie gehen Sie in der Entscheidungsfindung vor, wenn nach den Vorstellungsgesprächen zwei Bewerber „gleich gut“ sind?

Kämmler: Es wird auf jeden Fall ein zweites Gespräch geben. Das erste Gespräch dient immer zum Kennenlernen. Im zweiten Gespräch gehen wir mehr in die Tiefe. Häufig nehmen wir noch eine weitere Person aus der jeweiligen Fachabteilung dazu. Diese Person ist in erster Linie Zuhörer und Beobachter des Gesprächs. Sie soll beurteilen, ob der Bewerber ins Team passt.

Welche Tipps möchten Sie jungen Erwachsenen für ihr erstes Vorstellungsgespräch mit auf den Weg geben?

Kämmler: Holt euch Infos ein! Geht dazu auch auf die Homepage des Unternehmens. Vielleicht könnt ihr sogar jemanden ausfragen, der dort arbeitet. Wichtig ist, zu wissen, was die Firma macht. Und: Notiert euch Fragen! Ich habe nichts dagegen, wenn jemand seinen Notizblock mitbringt.

Interview: Yannis Gaukel