Der Schnelle wird den Langsamen überholen

Im Jubiläumsjahr plant Gründer Andreas Schirmer, die Kapazitäten von IFC Intelligent Feeding Components zu verdoppeln. Mut, Flexibilität und das sprichwörtliche Glück des Tüchtigen bescherten dem Spezialisten für Zuführtechnik und 3D-Druck weltweit Kunden.

IFC Checkbox
Andreas Schirmer (Mitte) und sein Team planen gemeinsam an Zuführlösungen der Zukunft. Fotos: IFC Intelligent Feeding Components GmbH

Interview mit Andreas Schirmer, IFC Intelligent Feeding Components

Herr Schirmer, vor fast genau 25 Jahren haben Sie die Intelligent Feeding Components GmbH (IFC) gegründet. Wen oder was füttern Sie – und inwiefern intelligent?

Andreas Schirmer: Wir haben uns auf Zuführtechnik spezialisiert, genauer gesagt das Zuführen von Kleinteilen. Schrauben, Stiftkontakte, Kunstoffdeckel und mehr – egal für welche Branche, ob Automotive, Pharma oder Elektronik: Überall müssen Kleinteile lagerichtig für den nächsten Montage- oder Bearbeitungsprozess in die Maschine befördert werden. Das geschieht optisch, das heißt kameraüberwacht. Teile werden aus einem Fördertopf oder aus dem Flächenspeicher vereinzelt und auf ein Förderband überführt. Über diesem Band sitzt eine Kamera, die Checkbox. Sie scannt jedes Teil direkt im Durchlauf: Richtiges Teil, richtige Lage – läuft weiter im Bearbeitungsprozess. Richtiges Teil, falsche Lage – wird zurückgeblasen in den Fördertopf. Falsche Teile und Fremdteile wie zum Beispiel Späne werden aussortiert.

Ein Vierteljahrhundert später zählen Sie dank dieser Checkbox zu den Hidden Champions der Region. Wie kamen Sie zu dieser technischen Lösung?

Andreas Schirmer: Dieses Checkbox-System haben wir in der Vergangenheit von der Firma Festo zugekauft. Als sie das Produkt eingestellt haben, hätten wir im Prinzip unsere Türen schließen können. Doch für uns ergab sich daraus die große Chance, von Festo das gesamte System inklusive des Supports übernehmen zu können. In den vergangenen zweieinhalb Jahren haben wir das Produkt auf eine neue zukunftsfähige Elektronikplattform übertragen und auf dieser Basis schließlich unsere IFC-Checkbox entwickelt.

IFC ist ein relativ kleines Unternehmen – würden Sie das als Glücksfall bezeichnen?

Andreas Schirmer: Ja. Wir haben dadurch einen riesigen Boom erfahren. Inzwischen agieren wir weltweit: in Mexiko, Indien, Korea, USA und natürlich Europa. Wir haben auch in Heilbronn-Franken sehr große Kunden.

Warum fiel die Wahl bei Weiterführung des Checkbox-Systems damals auf Sie und IFC?

Andreas Schirmer: Vor IFC war ich bei Festo genau für dieses System verantwortlich und habe es mitentwickelt. IFC hat schon immer weltweit als Integrator für die Checkbox gearbeitet. Bereits 2020 haben wir dank unseres langjährigen Know-hows den technischen Support für das System übernommen. So kam es überhaupt zu dem Angebot. Die Zusammenarbeit mit Festo war zu jeder Zeit sehr eng und bis heute besteht guter Kontakt.

Sie haben sozusagen ihr „eigenes Baby“ nach Hause geholt?

Andreas Schirmer: Ja. Jetzt mein Baby wieder zurückzubekommen, ist für mich ein wunderbares Gefühl. Ich habe damals das Potenzial erkannt und bin mehr denn je davon überzeugt, dass es auch heute noch seine Daseinsberechtigung hat und viele Möglichkeiten und Flexibilität bietet.

Sie haben in einem Interview gesagt, sie hätten 2001 bei Null angefangen. So ganz stimmt das dann ja nicht.

Andreas Schirmer: Da haben Sie vollkommen recht. Wir hatten einen Partner, dessen Produkt wir eingesetzt haben. Wir waren in gewisser Weise die verlängerte Werkbank.

Wenn Sie an die Gründungsphase vor 25 Jahren zurückdenken, was war damals die größte Herausforderung?

Andreas Schirmer: Ich glaube, ohne diese Startbedingungen wäre das Risiko viel höher gewesen. Offen und ehrlich: Einfach so irgendetwas aus dem Boden zu stampfen, damit hätten wir keine Chance gehabt. Für mich war die Selbstständigkeit dennoch ein großer Schritt.

Hat sich der ländliche Standort nahe Heilbronn für Sie ausgezahlt?

Andreas Schirmer: Grundsätzlich ja. Wir sind der Gemeinde Oedheim sehr dankbar, dass wir bei unserem Neubau stark unterstützt wurden, der im Mai 2027 fertig gestellt werden soll. Im Randbereich der großen Industrie zu sitzen, wo wir zu vernünftigen Preisen Platz haben, Personal und Kunden bekommen, ist ein starker Vorteil. Die Region bietet uns ein starkes Umfeld mit engagierten Fachkräften. Ich bin überzeugt, dass wir hier genau die Mitarbeitenden gefunden haben, die wir für unseren Weg gebraucht haben.

Sie schmieden bereits am Erfolg von IFC weiter. Mit 3D-Druck haben Sie ein weiteres Geschäftsfeld erobert.

Andreas Schirmer: Das Checkbox-System ist einzigartig am Markt, und wir entwickeln es weiter. Zudem sind wir Technologieführer beim 3D-Druck von Fördertöpfen, die wir selbst entwickelt und konstruiert haben – das macht sie reproduzierbar und extrem flexibel. Unser Know-how im 3D-Druck stellen wir auch unseren Kunden zur Verfügung: Als Dienstleistung unterstützen wir sie von der Konstruktion bis zum fertigen Bauteil.

Macht das Ihr Unternehmen krisenresilienter, weil es neue Kundenkreise eröffnet?

Andreas Schirmer: Ja, denn das Thema 3D-Druck ist nicht nur für den Maschinenbau interessant. Mittlerweile haben wir eine Kooperation mit einem großen Orthopädiehaus und drucken zum Beispiel Behandlungslagerschalen, Einlagen und Inlays. Für uns ist der medizinische Bereich ein zweites Standbein außerhalb des Maschinenbaus. Wir wollen weiter wachsen – nicht nur um zehn Prozent, sondern eklatant, um das Doppelte.

Haben Spezialisten wie IFC in Heilbronn-Franken also Rückenwind?

Andreas Schirmer: Ich bin überzeugt, der Schnelle wird den Langsamen überholen. Und genau das ist es, worin unser Vorteil als kleines Unternehmen besteht: Wir sind flexibel und können schnell auf die Bedürfnisse unserer Kunden reagieren.

Interview von Natalie Kotowski

Weitere Informationen

Nach seinem Abschluss als Diplom-Ingenieur (FH) in Geislingen an der Steige ging Andreas Schirmer zu Festo, wo er unter anderem als Entwickler und Systemintegrator für ihr Checkbox-System arbeitete. 2001 gründete Schirmer die IFC Intelligent Feeding Components GmbH in seiner Heimat Oedheim. Für Festo übernahm IFC den Support des Checkbox-Systems und etablierte sich rasch als Produzent intelligenter Zuführlösungen für die Automobil- und Zuliefer- sowie die Elektroindustrie, Metall- und Kunststoffverarbeitung und die Medizin-, Pharma- und Kosmetikbranche.

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