Der Wandel zum langfristigen Horizont

Die Globalisierung und die Digitalisierung haben Einfluss auf die Arbeit mit und von Lieferanten genommen. Foto: Shutterstock/Krivosheev Vitaly

In Zeiten von digitaler und weltweiter Zusammenarbeit hat sich auch die Beziehung zwischen Unternehmen und deren Lieferanten geändert. Ging es den Produzenten früher nur um günstige Beschaffungskosten, ist heute eine langfristige und zuverlässige Zusammenarbeit das A und O.

Die Globalisierung sowie die zunehmende Digitalisierung haben zu komplexen Leistungsnetzwerken geführt, die den Globus umspannen und sich aus einer Großzahl an Akteuren zusammensetzen. In diesen sogenannten Supply Chains stellt nicht ein einzelnes Unternehmen ein Produkt her. Vielmehr erzeugt eine Vielzahl an Unternehmen die Leistung, die der Endkunde bezieht. Diese veränderten Rahmenbedingungen haben dazu geführt, dass sich die Rolle der Beschaffung eines Unternehmens sowie die Bedeutung von Lieferanten verändert haben.

Die Kommunikation und Abstimmung mit den Lieferanten hat sich zu einer zentralen Aufgabe der Beschaffung entwickelt. In ihrer Verantwortung liegt auf einer strategischen Ebene zudem die Identifikation und Sicherung des Zugangs zu gegenwärtig und zukünftig relevanten Güterquellen. Somit ist es nicht nur ihre Aufgabe kurz- und mittelfristig die Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu ermöglichen, sondern auch langfristig dessen Wettbewerbsfähigkeit zu realisieren und zu erhalten. Mit dieser umfassenden auch strategisch bedeutenden Ausrichtung der Beschaffung hat sich die Rolle von Lieferanten stark gewandelt. Von einer eher kurzfristigen Betrachtungsweise mit dem Streben nach möglichst günstigen Beschaffungskosten hat sich die Perspektive zu einem längerfristigen Horizont weiterentwickelt.

Durch den Aufbau von dauerhaften Beziehungen ist es beschaffenden Unternehmen möglich, neben den Produkten und Materialien auch von Effizienzfortschritten in der Produktion, Innovationen sowie Flexibilität und optimierten Logistikprozessen der Zulieferer zu profitieren. Langfristig gesehen können neben hervorragender und beständiger Produktqualität diese Aspekte einen strategischen Wettbewerbsvorteil darstellen. Aufbau und Pflege von Lieferanten-Abnehmer-Beziehungen sind daher Bestandteil eines umfassenden, zielgerichteten und strukturierten Lieferantenmanagements.

Alle Fähigkeiten nutzen

Im Rahmen des modernen Beschaffungsmanagement gilt es aber auch, alle Beteiligten der Lieferantenkette zu kennen und ihre Fähigkeiten zu nutzen. Wie wichtige diese Fähigkeit in eng vernetzen und komplexen Supply Chains ist, hat sich in den letzten Jahren vermehrt gezeigt. Globale Wertschöpfungsnetzwerke sind so gestaltet, dass auch kleine Störungen bei vorgelagerten Lieferanten zu erheblichen Versorgungsengpässen bei einem steuernden Unternehmen führen können. Gefahren beschränken sich jedoch nicht nur auf die Materialversorgung, sondern betreffen beispielsweise auch Arbeitsbedingungen und ökologische Auswirkungen der Produktionsprozesse der Lieferanten und deren Zulieferern.

Angesichts zunehmend kritischer Konsumenten, die nachhaltige Produkte fordern, müssen Lieferanten vermehrt nachweisen, dass sie ökologische und soziale Standards bei der Qualität der Güter und deren Herstellung sowie im Transport einhalten. Für die Beschaffung bedeutet dies, nachhaltige Gesichtspunkte bei der Partnerauswahl zu beachten. Dies führt in der Regel dazu, dass sich die Anzahl potenzieller Lieferanten auf eine kleine Zahl beschränkt. Umso wichtiger sind dauerhafte und vertrauensvolle Lieferanten-Abnehmer-Beziehungen.

Eric Sucky und Immanuel Zitzmann

Zu den Personen
Prof. Dr. Eric Sucky ist seit April 2007 Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Produktion und Logistik, an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg. Immanuel Zitzmann ist seit April 2012 wissenschaftlicher Mitarbeiter an diesem Lehrstuhl.