Die Zukunft des Wohnens

Der Baubeginn steht kurz bevor: 96 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern sollen im neuen Heilbronner Wohngebiet Kirschengartenstraße entstehen. Visualisierung: Thomas Hammer

Die Stadtsiedlung Heilbronn GmbH prägt seit mehr als 160 Jahren das Gesicht der Neckarstadt. Geschäftsführer Dominik Buchta gibt Einblick in aktuelle und bevorstehende Projekte im kommunalen Wohnungs- und Gewerbebau und erklärt, wie eine moderne und zukunftsfähige Quartiersentwicklung aussieht.

Die Geschichte der Stadtsiedlung begann 1856 mit dem Bau von Arbeiterwohnungen. Wie ist der Stand heute? Wie viele Wohnungen werden derzeit bewirtschaftet und wie viele sollen noch entstehen?

Dominik Buchta: Aktuell haben wir 3713 Wohnungen, bis 2030 wollen wir unseren Wohnungsbestand auf 4500 Wohnungen aufstocken. Zurzeit haben wir 249 Wohneinheiten in Bearbeitung, die bis Ende 2019 fertiggestellt werden. Ein weiteres großes Projekt ist das neue Wohngebiet Kirschengartenstraße, jetzt Luise-Bronner-Straße. Hier entstehen 96 Zwei-, Drei-, und Vier-Zimmer-Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Baubeginn ist im Frühjahr 2019. Bereits im Jahr 2018 haben wir unseren Bestand um 53 Mietwohnungen erweitert. Dazu kommen Projekte in Böckingen, der Kernstadt und in Neckargartach.

Was sind Ihrer Ansicht nach die größten städtebaulichen Herausforderungen jetzt und in Zukunft?

Buchta: Die Schaffung von Wohnraum für breite Schichten der Bevölkerung in Heilbronn im Spannungsfeld der großen gesellschaftlichen Themen: Energiewende und bezahlbares Wohnen, Stadtumbau und Quartiersentwicklung sowie Integration und demografischer Wandel – mit einer hohen gesellschaftlichen und politischen Erwartungshaltung an das ökologische, ökonomische und sozial verträgliche Handeln.

Bezahlbaren Wohnraum zu finden, ist insbesondere für Menschen mit geringem Einkommen ein Problem. Wie bewerten Sie die derzeitige Lage auf dem Wohnungsmarkt?

Buchta: Im preisgünstigen Marktsegment deckt das Angebot die Nachfrage nicht mehr. Hier muss gezielt auf ein breiteres Angebot hingearbeitet werden. Die Stadtsiedlung tut dies durch ihr Mietenkonzept für den Gesamtbestand. Etwa 90 Prozent der eigenen Wohnungen sind als preisgünstig einzustufen. Im gehobenen Preissegment – ab 11 €/m² – besteht momentan ein ausreichendes Angebot. Hier ist in Zukunft eher mit einem Überangebot zu rechnen. Was jedoch fehlt, ist ein breiteres Angebot im mittleren Preissegment zwischen 8 und 11 €/m².

Und wie wird die Stadtsiedlung ihrer sozialen Verantwortung gerecht?

Buchta: Wir sind einer der Hauptakteure im Aktionsprogramm Wohnen, das Teil des städtischen Handlungsprogramms Wohnen ist. Bei allen seit 2016 fertiggestellten und kommenden Neubauprojekten haben wir uns als freiwillige Selbstverpflichtung auferlegt, 30 bis 40 Prozent der Wohneinheiten als geförderte Wohnungen zu errichten.

Im Neckarbogen arbeiten Sie an der Stadt der Zukunft. Was macht die dortigen Konzepte so innovativ?

Buchta: Unsere Gebäude in der Stadtausstellung sind ökologisch, ressourcensparend und nachhaltig, dazu bieten sie auch architektonisch hohe Qualitäten. Unser Anspruch ist die Ausrichtung an den Bedürfnissen der Menschen und an ihrer Umwelt.

Und inwieweit passen solche Prestigeprojekte zu Ihnen?

Buchta: Auch eine kommunale Wohnbaugesellschaft kann Neuland betreten und kann dringend benötigte Innovationen im Geschosswohnungsbau wagen. Ich betrachte die Gebäude auch weniger als Prestigeprojekte. Vielmehr geht es um zukunftsweisende Modellvorhaben, aus denen wichtige Erkenntnisse für das künftige Bauen gewonnen werden sollen.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei Ihren Bauprojekten?

Buchta: Die Nachhaltigkeitsorientierung ist in der Wohnungswirtschaft traditionell fest verankert, denn die Bewirtschaftung von Wohnraum erfordert langfristiges Denken und verantwortliches Handeln. Die Stadtsiedlung hat sich bereits 2015 zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex bekannt. Damit entsprechen wir bei der Entwicklung unserer Wohnungen den Anforderungen an Nachhaltigkeit und Qualität. Besonders in den technischen Bereichen, etwa bei der Anlagentechnik. Es ist anzunehmen, dass auch bei Immobilien die CO2-Emissionen irgendwann einmal bepreist werden. Daher streben wir die Verringerung des CO2-Verbrauchs an. Auch bei der Entwicklung zukünftiger Quartiere ist Nachhaltigkeit ein Thema, damit die Bewohner von stabilen sozialen Strukturen profitieren und das Unternehmen langfristigen ökonomischen Nutzen generiert.

Die Stadtsiedlung ist auch im Gewerbe­bau aktiv. Was sind hier Ihre wichtigsten Projekte?

Buchta: Die Region Heilbronn-Franken gehört aus wirtschaftlicher Perspektive zu den am stärksten wachsenden Regionen in Deutschland. Aus diesem Grund hat sich hier eine aktive Start-up-Szene entwickelt. Erste Anlaufstelle für innovative Gründer und technologieorientierte Start-ups ist seit fast 20 Jahren die Innovationsfabrik Heilbronn (IFH). Sie bietet perfekte Rahmenbedingungen für die ersten Schritte von Start-ups, die hier für wenig Geld und Festpreis Räume anmieten können. Das Erfolgsmodell IFH wird seit Herbst 2009 von der Stadtsiedlung Heilbronn und ihrer Projektgesellschaft wtz Heilbronn GmbH mit dem Zukunftspark Wohlgelegen fortgeschrieben. In den neun Gebäuden, die bis heute im Zukunftspark realisiert wurden, haben sich bereits 28 Mieter und Nutzer mit zusammen rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angesiedelt. Darunter befinden sich – neben mehreren früheren Start-ups der IFH – die seit Kurzem zum Dax-Unternehmen Fresenius Medical Care gehörende Xenios AG und die Kommunale Informationsverarbeitung Baden-Franken (KIVBF).

Interview: Dirk Täuber


Zur Person
Dominik Buchta ist Geschäftsführer der Stadtsiedlung Heilbronn GmbH. Vor dem Wechsel nach Heilbronn war der Diplom-Ingenieur Bereichsleiter Technik und Prokurist der Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz mbH, einer Tochter der Stadt Heidelberg.