Digitalisierung mit Strategie

Die Baugruppe Stauch aus Kupferzell steht beispielhaft für viele Unternehmen in der Region, die ihre Digitalisierung vorantreiben wollen. Wie die hfcon (Digital Hub Heilbronn-Franken) sie dabei unterstützt, erläutert Geschäftsführer Thorben Heinrichs im Interview.

Digitalisierung
Im Gespräch über digitale Transformation im Bauwesen: Thorben Heinrichs (links), Geschäftsführer der hfcon GmbH, und Christian Dorsch (rechts), Geschäftsführer der Baugruppe Stauch, auf einer Baustelle in Heilbronn-Franken. Gemeinsam haben sie einen umfassenden Digitalisierungsprozess umgesetzt, der als Beispiel für viele mittelständische Unternehmen der Region steht. Foto: hfcon GmbH & Co. KG

Thorben Heinrichs, hfcon GmbH & Co. KG (Digital Hub)

Mit Unterstützung von hfcon hat die Baugruppe Stauch einen weitreichenden Digitalisierungsschritt vollzogen. Ist dieses Projekt ein Einzelfall – oder stehen viele Unternehmen in Heilbronn-Franken vor ähnlichen Herausforderungen?

Thorben Heinrichs: Die Baugruppe Stauch ist ein typisches Beispiel für viele Betriebe der Region. Die meisten Betriebe haben in den vergangenen Jahren bereits einzelne digitale Lösungen eingeführt. Gleichzeitig stehen sie vor der Herausforderung, diese Systeme sinnvoll zu vernetzen und Prozesse ganzheitlich zu betrachten. Besonders stark beschäftigen die Unternehmen derzeit Themen wie Künstliche Intelligenz und Wissensmanagement. Viele wollen die Chancen neuer Technologien nutzen, fragen sich aber, wie sie diese sinnvoll und wirtschaftlich in ihren Unternehmensalltag integrieren können.

Wie kam die Zusammenarbeit mit Stauch Bau zustande?

Thorben Heinrichs: Der Auslöser für das Projekt war zunächst ganz pragmatisch: Die eingesetzte Unternehmenssoftware wurde nicht länger unterstützt, sodass die Einführung eines neuen ERP-Systems notwendig wurde. Die Verantwortlichen haben jedoch schnell erkannt, dass sie diesen Schritt nutzen können, um das Unternehmen insgesamt weiterzuentwickeln. Statt lediglich eine Software auszutauschen, wollten sie Prozesse analysieren, Insellösungen abbauen und die Digitalisierung im gesamten Unternehmen voranbringen.

Was heißt das konkret?

Thorben Heinrichs: Gerade im Bauwesen treffen zwei unterschiedliche Arbeitswelten aufeinander. Auf der einen Seite stehen Verwaltung, Buchhaltung und Planung im Büro, auf der anderen Seite die Teams auf den Baustellen. Unsere Aufgabe bestand darin, gemeinsam mit den Mitarbeitenden sämtliche Abläufe zu analysieren, Medienbrüche zu identifizieren und Anforderungen an eine neue Systemlandschaft zu definieren. Wichtig war, die Lösungen nicht von außen vorzugeben, sondern die Mitarbeitenden aktiv einzubeziehen. Denn echte Partizipation schafft Vertrauen und die Bereitschaft, einen eigenen Beitrag zum Gelingen der Veränderung zu leisten.

Welche Veränderungen wurden umgesetzt?

Thorben Heinrichs: Ein Beispiel ist die Zeiterfassung. Früher wurden Arbeitszeiten auf Baustellen handschriftlich dokumentiert, heute erfolgt die Erfassung per App. Die Daten stehen sofort zur Verfügung, Übertragungsfehler werden vermieden und die Weiterverarbeitung in der Abrechnung wird deutlich einfacher. Auch Personal- und Maschineneinsatzpläne werden künftig digital und systemgestützt erstellt. Dabei können Qualifikationen von Mitarbeitenden, Verfügbarkeiten und Maschineneinsätze automatisch berücksichtigt werden. Solche Verbesserungen sparen Zeit und schaffen Transparenz.

Was lässt sich daraus für andere Unternehmen in der Region lernen?

Thorben Heinrichs: Das Beispiel zeigt, dass Digitalisierung nicht einfach bedeutet, analoge Prozesse digital abzubilden. Der eigentliche Mehrwert entsteht erst dann, wenn Systeme miteinander kommunizieren und Informationen durchgängig fließen. Genau hier liegt in vielen Unternehmen noch Potenzial. Oft gibt es bereits digitale Lösungen, allerdings nebeneinander und ohne übergreifende Strategie.

Wo sehen Sie deshalb die größten ungenutzten Potenziale in der Region?

Thorben Heinrichs: Viele Unternehmen haben bereits wichtige Schritte gemacht. Was häufig fehlt, ist eine ganzheitlich gedachte Digitalisierungsstrategie. Eine Strategie zeigt nicht nur den Weg vom Ist- zum Soll-Zustand auf, sondern schafft auch Klarheit und Verbindlichkeit darüber, wer welchen Beitrag dazu leistet und wie gute Entscheidungen im Sinne des gemeinschaftlichen Ziels getroffen werden. Die zentralen Fragen lauten: Auf welche Vision beziehungsweise auf welches Ziel arbeiten wir hin? Welche Technologien helfen uns dabei? Wie binde ich die Mitarbeitenden ein und wie verändert sich unsere Unternehmenskultur? Welchen Einfluss hat der aktuelle Wandel auf mein Geschäftsmodell respektive meine Wertschöpfung?

Künstliche Intelligenz gilt aktuell als das große Zukunftsthema. Wo stehen die Unternehmen dabei?

Thorben Heinrichs: Das Interesse ist riesig. Viele Unternehmen kommen mit dem Wunsch auf uns zu, etwas mit KI zu machen. Häufig steht zunächst die Technologie im Mittelpunkt und nicht die eigentliche Herausforderung. Dann hören wir Sätze wie: „Alle machen KI, wir möchten das auch.“ Die wichtigere Frage lautet aber: Welches Problem soll gelöst werden? KI ist ein Werkzeug, kein Selbstzweck.

Wo möchten Sie die Unternehmen der Region in den kommenden Jahren sehen?

Thorben Heinrichs: Zunächst wünsche ich mir, dass wir in fünf Jahren noch genauso viele starke Unternehmen haben wie heute. Trotz anspruchsvoller wirtschaftlicher Rahmenbedingungen sehe ich viel Innovationskraft und Veränderungsbereitschaft. Besonders großes Potenzial liegt für mich in datenbasierten Dienstleistungen und digitalen Mehrwerten rund um bestehende Produkte. Viele Unternehmen verkaufen heute hochwertige Produkte. Künftig wird es zusätzlich verstärkt darum gehen, die Perspektive der Kunden einzunehmen: Welche Vorteile haben diese durch technologische Innovation und wie füge ich mich in deren zunehmend digitalen Alltag ein?

Die hfcon begleitet diese Entwicklung seit mittlerweile sieben Jahren. Welche Bilanz ziehen Sie?

Thorben Heinrichs: Wir haben in den vergangenen Jahren mit mehr als 200 Unternehmen und Institutionen zusammengearbeitet, über 100 Projekte angestoßen und mehr als fünf Millionen Euro Fördermittel von Bund und Land in die Region geholt. Zunehmend unterstützen wir Unternehmen auch bei der Entwicklung erster Prototypen. Wenn ein Betrieb beispielsweise eine KI-Anwendung testen möchte, entwickeln wir gemeinsam mit dem Unternehmen eine erste funktionale Lösung. So können die relevanten Mitarbeitenden prüfen, ob eine Idee funktioniert und wirtschaftlich sinnvoll ist, bevor größere Investitionen anstehen.

Was treibt Sie dabei an?

Thorben Heinrichs: Wir wollen als Digital Hub und langfristiger Partner für die Unternehmen in Heilbronn-Franken an der Erfolgsgeschichte dieser Innovationsregion mitschreiben.

Interview von Teresa Zwirner

Weitere Informationen

Thorben Heinrichs ist Geschäftsführer der hfcon GmbH & Co. KG. Die Gesellschaft mit Sitz in Künzelsau begleitet Unternehmen der Region bei Digitalisierung, Innovation und Technologietransfer. Hinter hfcon stehen die regionalen Unternehmen Adolf Würth GmbH & Co. KG, ebm-papst Mulfingen GmbH & Co. KG, OPTIMA Packaging Group GmbH und Würth Industrie Service GmbH & Co. KG.