Dynamischer Industriestandort

Oberbürgermeister Hertwig erläutert die Gewichtigkeit von Audi in Neckarsulm. Foto:Stadt Neckarsulm

Neckarsulm, die größte Stadt im Landkreis Heilbronn, ist zugleich Standort des größten Arbeitgebers der Region, der Audi AG. Was das für die Stadt bedeutet, erläutert Oberbürgermeister Steffen Hertwig.

Herr Hertwig, welche Bedeutung besitzt Audi für die Stadt Neckarsulm?

Steffen Hertwig: Mit rund 17 000 Beschäftigten im Werk Neckarsulm und im Heilbronner Gewerbegebiet „Böllinger Höfe“ ist die Audi AG der größte Arbeitgeber in der Stadt und in der gesamten Region. Die Marke prägt bis heute die Lebens- und Arbeitswelt und die Bedeutung der Stadt als einem der wichtigsten Industriestandorte in Baden-­Württemberg. Bis heute gibt Audi am Standort Neckarsulm den Takt vor für die Weiterentwicklung der Mobilität.

Was bringt ein so großer Arbeitgeber alles mit sich, was tut man bereits und wo müsste investiert werden?

Hertwig: Die Stadt ist ihrer hohen Verantwortung als Standortkommune stets gerecht geworden. Richtungsweisend war zum Beispiel die Entscheidung, den städtischen Bauhof und die Stadtwerke von der Hafenstraße an den neuen Standort am Hungerberg zu verlegen. Mit den frei werdenden Flächen erhielt Audi neue Entwicklungsmöglichkeiten, die für zukünftige Bauprojekte genutzt werden. Von entscheidender Bedeutung für das Werk ist der Hochwasserschutz. Der Bau der Sulmdole im Jahr 1975 war Voraussetzung, um das Audi-Werk zu erhalten und die Arbeitsplätze zu sichern. Dieses Funktionsbauwerk wird in diesem Jahr auf der Gesamtlänge von 2,5 Kilometern für 1,6 Millionen Euro saniert. Der erhöhte Hochwasserdamm auf der östlichen Neckartalseite bietet seit 2005 größtmöglichen Schutz für das Werksgelände. Die aktuell größte Herausforderung ist der Verkehr. Mit mehr als 35 000 Berufseinpendlern pro Arbeitstag leidet die Stadt ganz besonders unter der Verkehrsbelastung. Das Straßennetz stößt an seine Kapazitätsgrenzen, teilweise ist es bereits überlastet. Und die Unternehmen in unserem Wirtschaftsraum entwickeln sich weiter. Um mit dieser Dynamik Schritt zu halten, müssen wir die Hauptverkehrsstraßen weiter ausbauen. Dazu gehört der geplante Bau des B27-Anschlusses „Binswanger Straße“ und der vierspurige Ausbau der B27. Auf den Bau des B27-Anschlusses können wir nicht verzichten. Gleichzeitig müssen wir alternative Verkehrsmittel stärken, um den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren. Hier gibt der Mobilitätspakt für den Wirtschaftsraum Heilbronn-Neckarsulm die Richtung vor. Die Stadt und die Audi AG sind aktive Partner des Mobilitätspaktes.

Die Gewerbesteuereinnahmen brachen in Neckar­sulm unlängst um rund zwei Drittel ein. Wünschen Sie sich als Träger der Lasten eine andere Verteilung als bisher?

Hertwig: Es gehört zu den kommunalpolitischen Aufgaben, für eine leistungsfähige Infrastruktur mit allen wichtigen öffentlichen Einrichtungen zu sorgen. Der jüngst eingebrachte Entwurf des Haushaltsplans für das Jahr 2019 zeigt, dass wir in den kommenden Jahren wieder mit verlässlichen Gewerbesteuereinnahmen rechnen können, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Die Höhenflüge bei den Gewerbesteuereinnahmen werden sich so nicht mehr einstellen.

Wie eng und in welchen Bereichen arbeiten Sie mit Audi-Verantwortlichen zusammen und wo könnten Sie sich noch Verbesserungen vorstellen?

Hertwig: Die Zusammenarbeit ist traditionell sehr eng und erstreckt sich nicht nur auf den Mobilitätspakt. Bei der Fortschreibung des Flächennutzungsplans, die im vergangenen Jahr genehmigt wurde, hat die Stadt als erfüllende Gemeinde eng mit Audi zusammengearbeitet. Damit konnten die Entwicklungsperspektiven des Unternehmens planungsrechtlich abgesichert werden. So wurde ein Lkw-Sammelplatz an der Autobahnabfahrt Heilbronn/Untereisesheim als Verkehrsfläche in den Plan aufgenommen. Dieser soll die „just in time“-Anlieferung im Werk sicherstellen. Die Stadt und die Audi AG gehören auch gemeinsam zu den Förderern des Schülerwettbewerbs „Kreative Köpfe“ im Raum Neckarsulm. Ziel ist es, junge Menschen für Technik zu begeistern.

Der Standort in Neckarsulm stößt an seine Grenzen, deshalb ist Audi schon nach Heilbronn ausgewichen. Hätten Sie gern mehr Platz für eine Expansion von Audi in Neckarsulm?

Hertwig: Die Erweiterungsmöglichkeiten der Audi AG am Standort Neckar­sulm sind ausgeschöpft. Die neuen Produktionsstätten, die in den kommenden Jahren für die Elektrooffensive benötigt werden, entstehen teilweise durch den Abbruch bestehender Gebäude. So entsteht neuer Raum für weitere zukunftsträchtige Investitionen am Standort Neckarsulm. Dass Audi zusätzlich auf verfügbare Flächen im Heilbronner Gewerbegebiet „Böllinger Höfe“, also in direkter Nachbarschaft zurückgreift, ist nachvollziehbar. So bleiben die Arbeitsplätze und das fachliche Know-how in unserem Wirtschaftsraum erhalten. Dies stärkt auch die Region insgesamt.

Interview: Uwe Deecke

Zur Person
Steffen Hertwig ist seit 2016 Oberbürgermeister von Neckarsulm. Der studierte Jurist war zuvor beim Würth-Konzern tätig.