„Eigentlich kann nicht viel passieren.“

Eine gute Vorbereitung ist das halbe Bewerbungsgespräch. Dazu gehört es ebenso, sofort auf eine Einladung zu reagieren, wie auch, sich noch einmal über den Arbeitgeber zu erkundigen. Foto:shutterstock/Minerva Studio

Bianca Rößler und Siegfried Kletzander begleiten als Berufsberater viele Jugendliche im Bewerbungsprozess. Für uns haben sie ihre Tipps fürs Vorstellungsgespräch gesammelt.

Eine gute Vorbereitung ist das halbe Bewerbungsgespräch. Dazu gehört es laut Bianca Rößler, Berufsberaterin der Arbeitsagentur Schwäbisch Hall, ebenso, sofort auf eine Einladung zu reagieren, wie auch, sich noch einmal über den Arbeitgeber zu erkundigen. Ein Tag der offenen Tür eigne sich dafür gut, sagt sie. Pünktlichkeit ist außerdem eine Grundvoraussetzung. „Lieber zehn Minuten vor der Zeit da sein“, weiß ihr Teamleiter Siegfried Kletzander. So bleibe auch noch genug Zeit, um vorher auf Toilette zu gehen.

„Eher zu konservativ, als zu leger“, so die Berufsberaterin zur Kleidungsfrage. Mit hochwertigen, sauberen und der Branche angepassten Textilien punktet der Bewerber beim ersten Eindruck. Bei diesem zählt auch die Frisur. Piercings sollten abgenommen werden. Bei einer Bank etwa sind nicht mehr als fünf Schmuckstücke angemessen. „Sie müssen sich klar machen, dass sie es nicht mit Gleichaltrigen zu tun haben“, stellt Kletzander fest. Auch die Körpersprache kann über den Ausgang der Bewerbung entscheiden: „Wie man reinläuft, die Hände schüttelt, sich auf den Stuhl setzt“, zählt der Berufsberater auf.

Bei kleineren Betrieben führt eventuell nur der Chef das Gespräch, bei größeren Firmen sitzen vielleicht vier Leute vor einem. Auch darauf könne man sich vorher bereits einstellen, rät der Teamleiter. Angebotene Getränke sollten als Zeichen der Gastlichkeit angenommen und bis zum Ende des Gesprächs ausgetrunken werden.

Die meisten Fragen betreffen den Lebenslauf, Werdegang, Schulfächer, Berufswahl, Persönlichkeit und die Entscheidung für dieses Unternehmen. Bei den Schwächen solle man nicht die Eigenschaften nehmen, die für den Job wichtig seien. Dasselbe gelte bei Aussagen über Schulfächer, verrät Rößler. Wenn die Note beispielsweise in Mathe nicht allzu überragend ist, dann ist es häufig der bessere Weg, dazu zu stehen. „Ich habe das Problem erkannt und nehme bereits Nachhilfe“, sei beispielsweise eine gute Reaktion. Denn der Arbeitgeber weiß, dass er keine Musterschüler vor sich sitzen habe. Die mangelnde Leistung auf den Lehrer zu schieben, sei dagegen eher negativ, so die Expertin der Arbeitsagentur.

Kletzander betont: „Die größere Hürde ist genommen“. Der Arbeitgeber sei mit den formalen Voraussetzungen der Bewerbung bereits zufrieden, sonst würde er gar nicht einladen. Dann müsse man nur noch im Gespräch überzeugen. Also ist keine übertriebene Aufregung angesagt. „Ein Arbeitgeber wird in der Regel versuchen, eine herzliche Atmosphäre herzustellen“, beruhigt er. Manchem mag es zwar sehr privat vorkommen, aber auch Fragen zu Familie und Hobbies sind nicht unüblich. Der Arbeitgeber erwarte acht Stunden am Tag Konzentration, da möchte er schon auch wissen, womit man sich in der verbleibenden Zeit beschäftigt. „Ein guter Umgang in der Familie kann ein Indiz für Teamfähigkeit und Konfliktverhalten sein“, sagt der Teamleiter.

Fehler passieren meistens nur durch Schnellschüsse. Rößler rät daher bei schwierigen Fragen, kurz einen Moment inne zu halten, sich Zeit zu nehmen und dann strukturiert zu antworten. Wer das noch ein bisschen mehr üben möchte, kann das bei den individuellen Bewerbungstrainings der Arbeitsagentur tun. „Wir haben in jeder Phase der Berufswahl und -entscheidung das richtige Angebot“, unterstreicht Kletzander.

Mareike Manzke