Ein Dorf sieht gold

Vor drei Monaten erhielt der Krautheimer Teilort Oberginsbach Besuch von der Landeskommission des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Foto: privat

Dass das Dorf Oberginsbach Zukunft hat, ist diesem nun auch offiziell attestiert worden. Denn es hat an einem Wettbewerb teilgenommen, in dem es darum ging, zu zeigen, dass auch kleine Orte – und nicht nur Städte – ihren Reiz haben. Für das Engagement der Oberginsbacher Einwohner gab es eine Goldmedaille.

Wer die Wahl hat, im Dorf oder in der Stadt zu leben, der wird sich in Zeiten der Urbanisierung so gut wie immer für Zweiteres entscheiden. Städte sind für viele einfach attraktiver. Sie bieten Einkaufsmöglichkeiten, Straßen- und U-Bahn, Theater und Kino, Diskotheken und Clubs, Universitäten und interessante Arbeitgeber. Das pulsierende Leben also. Besonders für junge Leute sind Städte deshalb sehr reizvoll. Und das Dorf? Was hat dieses im Gegenzug für Vorzüge? Auf den ersten Blick vielleicht weniger als die City. Doch ein Leben im Dorf hat auch seinen Reiz. Das hat der Krautheimer Teilort Oberginsbach kürzlich demonstriert.

Mit 27 anderen baden-württembergischen Ortschaften musste sich Oberginsbach vergangenes Jahr messen, als es darum ging, den Bezirksentscheid des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ erfolgreich zu absolvieren. Aus dem Hohenlohekreis hatte sich neben dem Krautheimer Teilort auch Laibach in Dörzbach qualifiziert. Es klappte: Oberginsbach schaffte es unter die neun besten Ortschaften und damit zum Landesentscheid.

Der 15. Juni 2018, der Tag, an dem das Dorf hohen Besuch von der Landeskommission des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft erhielt, wird dem Krautheimer Bürgermeister Andreas Köhler, Oberginsbachs Ortsvorsteher Martin Schmitt und auch den Einwohnern wohl intensiv in Erinnerung bleiben. Es war ein warmer und sonniger Freitag, als um 8 Uhr die 13-köpfige Kommission anreiste, um sich ein Bild von dem 280-Einwohner-Dorf im Jagsttal zu machen. Nach einer informativen Ortsbegehung wurde auf dem frisch sanierten Dorfplatz ein herzlicher Empfang von Bürgern und Vereinen bereitet. Der Gesangverein präsentierte sein Können und die Frauengruppe verköstigte die Delegation mit Selbstgemachtem. Die Entscheidung fiel nur ein paar Stunden später: Zum Sieg reichte es zwar nicht, doch Oberginsbach erhielt eine von vier Goldmedaillen. Ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann.

„Es ist schon beachtlich, was die Leute im Ort alles machen und leisten“, bemerkt Bürgermeister Andreas Köhler anerkennend. Das Engagement und der Zusammenhalt in Oberginsbach suchten wahrlich Ihresgleichen. Der 35 Jahre alte Dorfplatz, der von den Hiesigen „Roter Platz“ genannt wird, sei nahezu komplett in Eigenregie erneuert worden. Das Material habe die Stadt Krautheim zur Verfügung gestellt und um Wasser und Abwasser habe sich der Bauhof gekümmert. Alles andere hätten die Oberginsbacher selbst geleistet. „Das waren bestimmt sechs Wochen Arbeit“, erinnert sich Köhler. Viele Einwohner seien aber auch handwerklich begabt, ergänzt der 59-Jährige.

Die Arbeit jedenfalls hat sich gelohnt. Schließlich war der neu gestaltete Dorfplatz ein relevantes Entscheidungskriterium für die Landeskommission, Oberginsbach Gold zu verleihen. „Die Goldmedaille ist ein Lohn für unser langjähriges ehrenamtliches Engagement, zu dem viele Einwohner ihren Teil beigetragen haben“, ist Martin Schmitt überzeugt. Ortschaftsrat, Sangesfreunde, Kirchengemeinderat, Frauen- und Jugendgruppe, Freiwillige Feuerwehr, Fischereiverein und nicht zuletzt die Motorrad- sowie die Schlepperfreunde – alle haben ihren Anteil daran und darauf sei er stolz.

Dass sie den Wettbewerb nicht gewonnen haben, hätten die Bürger verschmerzen können, meint der Schultes. „Die Leute haben gerne teilgenommen und sich gemeinsam engagiert. Das Fest hat allen Spaß gemacht und man ist trotzdem weit gekommen“, resümiert er. Das Ziel sei außerdem gewesen, zu zeigen, dass man auch in einem Dorf gut leben kann – nicht nur in der Stadt. Und das kann man in Oberginsbach, wie eine Umfrage des Ortschaftsrates von 2016 untermauert. „Wir wollten wissen, was gut ist, was man besser machen kann und was im Ort fehlt“, erzählt Schmitt. „Das erfreuliche Ergebnis dabei war, dass sich 97 Prozent der Einwohner wohlfühlen und das spiegelt sich in der Vielzahl unserer Vereine wider. Unser kulturelles Dorfleben ist beeindruckend und es ist deutlich, dass Jung und Alt gut harmonieren.“

Olga Lechmann