Ein Fest für alle Bürger

„Wir wollten den Bürgern was bieten“, erklären Werner Grässle und Thomas Fuchs, Vorstände des extra gegründeten Fördervereins „1250 Jahre Gemmingen e.V.“. Foto: Stefanie Pfäffle

Man schrieb das Jahr 769 nach Christus, als Gemmingen das erste Mal Erwähnung im berühmten Kodex des Klosters Lorsch fand. Das ist 1250 Jahre her. Dieses Jubiläum feiert die Kraichgaugemeinde natürlich. Aber nicht etwa ein Festwochenende lang, wie das die meisten machen, sondern das ganze Jahr hindurch.

Ein Fest von Bürgern für Bürger – das ist der Anspruch. Werner Grässle war schon bei der 1200-Jahr-Feier aktiv dabei, weswegen er um sein Engagement gebeten wird. „Wir haben auf die Erfahrung aufgebaut, aber das Programm hat einen anderen Charakter, ist moderner, vielfältiger und geht eben das ganze Jahr durch“, erklärt der 65-Jährige.

Die ersten Riesenevents haben bereits stattgefunden. Über 2000 Menschen feierten auf dem Buckel zwischen Gemmingen und dem Ortsteil Stebbach, auf einem extra angelegten Festgelände, eine Silvesterparty und Anfang Februar füllte die Phil Collins & Genesis Tributeband die Kraichgauhalle. Ein Höhepunkt wird sicher der Auftritt vom Comedian Bülent Ceylan im Juli sein, der bereits ausverkauft ist. Die tausend Karten wurden im Losverfahren vergeben. „Dass wir den wirklich bekommen haben, ist schon genial.“ Das Glück der Gemminger: Ceylan ist zu Beginn seiner Karriere beim Kulturverein Kukuk in der Krone aufgetreten, das hat er nicht vergessen.

Vom Poetry Slam bis zum Theaterstück

Doch es sind nicht nur diese Großveranstaltungen, die das Festjahr ausmachen. Viele Vereine beteiligen sich mit Sonderterminen. Das geht von der Faschingsparty über Poetry Slam und naturkundliche Führungen bis zum internationalen Wasserballturnier. „Am Anfang hatten wir noch Bedenken, ob die Vereine überhauptmitmachen, weil die ja eh schon viel zu tun haben unterm Jahr, aber dann haben wir ein paar Vorschläge gemacht und plötzlich kamen sie alle“, freut sich Fuchs. Ähnlich sei es auch in der Bevölkerung gewesen. Zunächst herrschte noch große Skepsis, aber nach den ersten Veranstaltungen sei die Begeisterung übergeschwappt und jetzt wolle jeder dabei sein. Bei dem abwechslungsreichen Programm könne auch wirklich jeder was finden, sind die beiden überzeugt.

Die Geschichte Gemmingens findet sich auch in Veranstaltungen wieder. So wird es eine Fahrt nach Lorsch geben. Pater Eberhard von Gemmingen, ehemaliger Leiter der deutschsprachigen Version von Radio Vatikan, hat im Heimatort seiner Vorfahren einen ökumenischen Gottesdienst gehalten. Auch ein unrühmliches Kapitel, der Gemminger Hexenprozess von 1563, wird in einem extra geschriebenen Theaterstück thematisiert. Ein Projektchor wird das Halleluja von Händel aufführen, wie schon vor fünfzig Jahren. Damit sowas auch über Gemmingen hinaus bekannt wird, produziert der Verein im Vorfeld kleine, lustige Werbeclips, die auf Youtube hochgeladen werden. Bei jeder Veranstaltung wird ebenfalls gefilmt, sodass am Ende ein Werk in Spielfilmlänge heraus kommt.

Da findet sich natürlich auch das Festwochenende vom 28. Juni bis 1. Juli wieder. Vom Festbankett über Jahrgangstreffen, einem Festumzug, dem Abend der Vereine bis hin zum Spielenachmittag und viel Musik wird einiges geboten – da wird der ganze Ort auf den Beinen sein. Das Ganze soll keinen Eintritt kosten. „Wir wollen jedem etwas Gutes tun, deswegen sind auch die sonstigen Eintrittskarten immer an der unteren Grenze dessen, was für die Künstler möglich war“, erklärt Grässle. So können wirklich alle Bürger bei den Veranstaltungen dabei sein.

Stefanie Pfäffle