Einmal Wein, immer Wein

Verena Heyer hat sich nach ihrer Zeit als Hohenloher Weinprinzessin zur Weinerlebnisführerin ausbilden lassen. Foto: Olga Lechmann

Es gibt diejenigen, die gerne ein gutes Glas Wein zum Essen oder auch mal abends beim Fernsehen trinken. Und es gibt diejenigen, die für den Rebensaft leben, sich mit dem Anbau, der Lese, den verschiedenen Sorten bestens auskennen und ihr Wissen auch mit anderen teilen. Verena Heyer wird beiden Kategorien gerecht.

Das Jahr 2016 sei eines der besten ihres Lebens gewesen – vielleicht sogar das beste –, sagt Verena Heyer aus heutiger Perspektive. Es klingt nicht pathetisch, als es über ihre Lippen kommt, sondern schlicht nach einer Tatsache, die sie sehr glücklich zu machen scheint. Die 28-Jährige meint mit dieser Äußerung Folgendes: Vor zwei Jahren traf sie eine Entscheidung, die ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt hat. Und dieser Entschluss, der ähnlich wie ein Dominoeffekt viele Veränderungen in Gang setzte, hatte mit Wein zu tun.

Rückblick: Spontan und mehr aus einem Impuls ihrer besten Freundin heraus bewirbt sich die Niedernhallerin für das Amt der Hohenloher Weinkönigin. „Zunächst hatte ich Bedenken, dass man aus einer Winzerfamilie kommen muss, doch die Begeisterung für Wein reichte vollkommen aus“, erinnert sich Heyer. Auch wenn sie später nicht zur Weinkönigin gewählt wird, so erfüllt ihre Aufgabe als Weinprinzessin sie genauso mit Stolz und Dankbarkeit. Obwohl die Hohenloherin einerseits vermeintlich bloß die zweite Geige spielt, meint es das Schicksal – oder vielleicht auch die magische Kraft des Rebensaftes – andererseits doch sehr gut mit ihr.

Schließlich findet sie im gleichen Jahr ihre große Liebe und nimmt eine neue Stelle an, was sie beides tatsächlich ihrem Amt verdankt. Nach einer eher nicht so rosigen Zeit sind diese positiven Veränderungen genau das, was die Produktmanagerin dringend braucht. Natürlich sammelt sie als Weinhoheit auch viele unvergessliche und wertvolle Erfahrungen, lernt interessante Menschen kennen, kommt in der Region und in ganz Deutschland herum. Das Amt lässt sie selbstbewusst und bühnensicher werden. Heute ist Heyer nicht mehr Weinprinzessin – den Titel und die Krone trägt man nur ein Jahr. Doch das Thema Wein ist nach wie vor ihr treuer Begleiter. Denn seit September 2017 lässt sich die Pferdenärrin zur Weinerlebnisführerin ausbilden. Wie sie darauf kam, diese Weiterbildung in Angriff zu nehmen? „Mir war klar, dass ich mich nach meiner Amtszeit weiterhin dem Wein in irgendeiner Art und Weise widmen wollte“, erzählt die Frohnatur und meint damit nicht nur das Trinken.

Zunächst sei die Überlegung gewesen, sich zur Sommelière ausbilden zu lassen. Doch dieses Vorhaben mit ihrem Beruf zeitlich in Einklang zu bringen, wäre sehr schwierig geworden. Daher verwarf Heyer diese Idee schnell wieder. Im Mai 2017 nahm sie dann zum ersten Mal an einer Weinerlebnistour teil – und war so begeistert davon, dass sie sich anschließend über eine dafür nötige Ausbildung detailliert informierte. Im Juni meldete sich die ehemalige Weinhoheit noch kurzfristig für den nächsten Kurs an der staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) in Weinsberg, der bereits drei Monate später beginnen sollte, an.

Mittlerweile hat die charmante junge Frau ihre Weiterbildung erfolgreich absolviert. Doch so einfach, wie es sich hier liest, war das Ganze nicht. Denn der Weinerlebnisführer-Kurs lief absolut parallel zu ihrem Fulltime-Job, sodass sie dafür 2017 acht und 2018 14 Tage ihres Erholungsurlaubs bei ihrem Arbeitgeber einreichte. Insgesamt musste sie 80 Prozent der 27 Termine an der LVWO präsent sein. „Ich habe allerdings nur zweimal gefehlt – einmal davon an der Firmenweihnachtsfeier“, weiß Heyer noch. Hinzu kommen noch die Zeit, die sie dafür aufgewendet hat, eine zehnseitige Ausarbeitung zu einer potenziellen Weinerlebnistour zu verfassen und die Stunden, in denen sie für die Abschlussprüfung Anfang Mai lernen musste. Das lief alles nebenher – neben Job, Beziehung, Haushalt und Pferd Diego. Aber: „Ich bereue meine Entscheidung auf keinen Fall“, sagt die Hobby-Dichterin. „Ich habe sehr viel Neues gelernt, gerade in Sachen Kellerwirtschaft.“ Und vor allem die Exkursionen zu Weinbaubetrieben wie in Stuttgart oder Hessigheim im Landkreis Ludwigsburg, die regelmäßig stattfanden, seien sehr aufschlussreich gewesen. Darüber hinaus habe sie Kontakte zu etlichen Winzern geknüpft.

Wie soll es denn nun nach dem Seminar weitergehen? „Ich möchte auf jeden Fall dran bleiben und Touren anbieten“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Sie spiele mit dem Gedanken, sich damit nebenberuflich selbstständig zu machen. Eine Tour hat Heyer ja schon in petto – die, die sie sich für ihre Ausarbeitung einfallen lassen hat. „Es ist eine Weinerlebnistour im Kochertal für echte Spürnasen mit dem Titel ‚Ey Mann, wo is‘ mein Trollinger?‘“, verrät die ehemalige BWL-Studentin, die selbst übrigens am liebsten einen Riesling trinkt.

Olga Lechmann

Zur Person
Verena Heyer wurde am 17. Mai 1990 in Künzelsau geboren. Nach einem Studium im Bereich BWL-Handel an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mosbach arbeitete die Niedernhallerin bei einem großen Spezialisten für Befestigungs- und Montagetechnik in der Region. Mittlerweile ist sie bei der pVS – pro Verlag und Service GmbH & Co. KG in Schwäbisch Hall tätig. Heyer war von 2016 bis 2017 Hohenloher Weinprinzessin.