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Beim Thema KI stehen meist Modelle und Rechenleistung im Fokus. Für Alexander Gerfer, CTO bei der Würth Elektronik eiSos Gruppe in Waldenburg, ist dies nur ein Teil der Wahrheit: An der Steckdose entscheide sich, wie viel KI Europa tragen kann.

Während die Welt über neue KI-Modelle und immer leistungsfähigere Chips spricht, richten Sie den Blick auf die Steckdose. Warum wird die Energieversorgung zur entscheidenden Voraussetzung für die KI-Zukunft?
Alexander Gerfer: Weil das eine ohne das andere nicht funktioniert. In der Regel wird die Aufmerksamkeit dem Gehirn der KI, den Modellen und den Prozessoren zuteil. Aber nur mit der Stromversorgung wird die Leistung an den Ort des Rechnens gebracht. Modelle kann man kopieren, ein Stromnetz nicht.
Die Internationale Energieagentur prognostiziert für das Jahr 2030 einen Stromverbrauch von etwa 945 Terawattstunden durch Rechenzentren, was nahezu dem Doppelten des heutigen Verbrauchs entspricht. Wird Energie zum begrenzenden Faktor?
Gerfer: Er ist es bereits. Laut der Denkfabrik Ember steigt der Verbrauch von Rechenzentren in Europa von 96 Terawattstunden im Jahr 2024 auf 168 Terawattstunden bis 2030. Der Bau von Kraftwerken, Netzen und Anschlüssen dauert Jahre, während der Bedarf sich in Monaten entwickelt. Es ist also notwendig, die Rechenleistung pro Kilowattstunde zu steigern.
Wie wichtig sind Bauteile wie Spulen und Kondensatoren?
Gerfer: Sie bestimmen, wie viel Strom den Chip erreicht und wie viel auf dem Weg dorthin als Wärme verloren geht. Ein Verlustrückgang um ein Prozent bei der Stromwandlung entspricht, hochgerechnet auf alle Rechenzentren, dem Verbrauch von zwei bis vier Millionen Haushalten. In der Welt der KI wird jede Steigerung der Modellgenauigkeit um einen Prozentpunkt gefeiert. Das sollte auch für den Wirkungsgrad gelten.
Eine Vielzahl an Firmen errichtet Rechenzentren von wachsendem Umfang. Ist es notwendig, einen Teil der Intelligenz näher an die Anwendung zu bringen, sei es in Fabriken oder in Fahrzeugen?
Gerfer: Beides ist zutreffend. Das Training großer Modelle ist entscheidend, es benötigt Größe und Kühlung. Die Anwendung hingegen sollte dort platziert werden, wo die Daten generiert werden: an der Maschine, im Fahrzeug, im medizinischen Gerät. Das spart Wege und Energie, und die Betriebsdaten verbleiben im Haus.
In Sachen KI-Rechenkapazität liegt Europa im Vergleich zu den USA und China weit zurück. Welche Bedeutung können Industrieregionen wie Hohenlohe haben?
Gerfer: Laut dem Wettbewerbsbericht der EU-Kommission entfallen etwa fünf Prozent der globalen Rechenkapazität für KI auf die Union, etwa 74 Prozent auf die USA und 14 Prozent auf China. Serverschränke werden uns nicht dabei helfen, diesen Rückstand aufzuholen. Die industrielle KI ist das europäische Rückgrat: prädiktive Instandhaltung, vernetzte Produktionsstätten, Robotik. Hohenlohe verfügt über Faktoren, die nicht käuflich sind: Maschinenbau-Know-how, Fertigungstiefe, mittelständische Weltmarktführer und jahrzehntelange Produktionsdaten. Ein Unternehmen, das die effektivsten Bausteine liefert, wird zum unverzichtbaren Bestandteil.
Zehn Jahre in die Zukunft geschaut: Bestimmen die besten Modelle oder die effizienteste Infrastruktur das Ergebnis?
Gerfer: Die Rahmenbedingungen. Ein Modell kann in ein paar Monaten überholt sein, ein Stromnetz und eine Fertigung nicht. Derjenige wird gewinnen, der für das gleiche Resultat den geringsten Energieaufwand benötigt. In dieser Kalkulation nimmt Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle ein.
Interview: Teresa Zwirner
Zur Person:
Alexander Gerfer ist Chief Technology Officer der Würth Elektronik eiSos. Hier startete er bereits vor über 25 Jahren seine Karriere als Technischer Vertriebsmitarbeiter. Seither hatte er in dem Unternehmen verschiedene Positionen inne und Expertise in unterschiedlichen Bereichen aufgebaut.

Kontakt:
Würth Elektronik eiSos
GmbH & Co. KG , Max-Eyth-Straße 1
74638 Waldenburg
www.we-online.com/de
