Vom Informatik-Studenten zum Co-Founder eines Tech-Start-ups: Sam Harjung spricht über den Karriereweg, der mit einem dualen Studium begann und ihn bis zur Entwicklung der App „Mutually“ führte. Im Interview erklärt er, warum kontinuierliches Lernen für ihn wichtig ist, weshalb der Austausch mit anderen für bessere Entscheidungen sorgt und was Erfolg für ihn heute bedeutet.

Welche Entscheidung hat Ihre Karriere am stärksten geprägt – und was hat diese Entscheidung ausgelöst?
Sam Harjung: Die vermutlich prägendste Entscheidung meiner bisherigen Karriere war es, mich nach dem Abitur für die Informatik und ein duales Studium zu entscheiden. Alles, was danach kam, baut letztlich darauf auf. Während des Studiums habe ich nicht nur wertvolle Praxiserfahrung gesammelt, sondern auch zwei meiner drei heutigen Mitgründer kennengelernt. Im Rahmen einer Studienarbeit entstand der erste Prototyp unserer App „Mutually“, mit der wir Menschen über gemeinsame Interessen miteinander verbinden.
Für Software als Berufsfeld habe ich mich entschieden, weil sie mich schon in der Schule interessiert hat und mir Spaß gemacht hat – vermutlich auch, weil ich schon immer ein Nerd war und viel Zeit am Computer verbracht habe. Gleichzeitig hat mich die Möglichkeit gereizt, einmal selbst etwas aufzubauen, und Software bietet eine vergleichsweise niedrigschwellige Chance, eigene Ideen als digitale Produkte umzusetzen.
Was war Ihr größter beruflicher Irrtum und was haben Sie daraus gemacht?
Sam Harjung: Eine konkrete berufliche Fehlentscheidung fällt mir nicht ein. Ich hatte allerdings lange die Vorstellung, dass Softwareentwicklung ein Bereich ist, in dem gute berufliche Perspektiven praktisch garantiert sind. Als ich mich für diesen Weg entschieden habe, galt die Branche als sehr sicher: viele offene Stellen, gute Arbeitsbedingungen und große Entwicklungsmöglichkeiten.
Inzwischen hat sich gezeigt, dass sich solche Rahmenbedingungen rasch ändern können. Wirtschaftliche Entwicklungen und insbesondere der rasante Fortschritt bei KI verändern die Anforderungen an Entwickler spürbar. Gerade für Berufseinsteiger ist der Einstieg heute deutlich weniger selbstverständlich als noch vor einigen Jahren, und auch die Aufgaben und Anforderungen entwickeln sich stetig weiter.
Für mich heißt das: Man sollte sich nicht darauf verlassen, einmal einen vermeintlich sicheren Weg gewählt zu haben. Entscheidend ist, neugierig zu bleiben, sich weiterzuentwickeln und neue Technologien nicht als Bedrohung, sondern als Chance zu sehen, die eigenen Fähigkeiten weiter auszubauen.
Was treibt Sie im Job mehr an: das Ergebnis oder der Weg dorthin?
Sam Harjung: Ganz klar: das Ergebnis. Mich motiviert vor allem, am Ende zu sehen, dass aus einer Idee, einem Projekt oder einer Aufgabe etwas Konkretes entstanden ist – idealerweise etwas, das einen echten Mehrwert schafft.
Der Weg dorthin ist natürlich wichtig: Gute Zusammenarbeit, saubere Entscheidungen und das Lösen von Problemen entscheiden darüber, ob ein Ergebnis wirklich gut wird. Zufrieden macht mich aber vor allem der Moment, in dem ein Meilenstein erreicht ist und man sieht, was man gemeinsam geschaffen hat.
Wo arbeiten Sie lieber: remote oder vor Ort – und was macht für Sie den Unterschied?
Sam Harjung: Grundsätzlich arbeite ich lieber remote. Die Möglichkeit, ortsunabhängig zu arbeiten, war für mich schon früh einer der großen Vorteile der Branche und kommt meiner Produktivität eher entgegen.
Gleichzeitig habe ich, nicht zuletzt nach über zwei Jahren ausschließlich remote aufgrund der Pandemie, die Arbeit vor Ort wieder stärker schätzen gelernt. Dabei geht es für mich weniger um die reine Produktivität als um die zwischenmenschliche Seite: ein Gespräch beim Kaffee, spontane Abstimmungen oder einfach eine andere Atmosphäre als allein am Schreibtisch. Ideal finde ich ein Hybridmodell, das die Vorteile von beidem vereint.
Wo liegt für Sie der Schlüssel zum Erfolg: im Austausch mit anderen oder in möglichst viel Eigenverantwortung?
Sam Harjung: Früher hätte ich wahrscheinlich klar Eigenverantwortung gesagt. Gerade in der Software kann man viele Probleme zunächst sehr gut allein durchdenken und lösen. Das selbstständige Arbeiten und Vorantreiben von Themen ist mir auch heute noch wichtig.
Wenn ich mich aber entscheiden muss, liegt der Schlüssel für mich inzwischen klar im Austausch mit anderen. Gerade bei komplexeren Themen merkt man schnell, dass die eigene Perspektive nicht ausreicht. Im Gespräch mit anderen zeigt sich oft früher, ob eine Idee wirklich trägt, ob man etwas übersehen hat oder ob ein Problem vielleicht ganz anders gelöst werden sollte.
Eigenverantwortung bleibt wichtig, damit Dinge nicht nur diskutiert, sondern auch umgesetzt werden. Die besseren Entscheidungen entstehen für mich aber im Austausch.
Was bedeutet Erfolg für Sie heute?
Sam Harjung: Erfolg bedeutet für mich heute, mich konstant weiterzuentwickeln und dabei an Dingen zu arbeiten, die wirklich etwas voranbringen.
Zur Person
Sam Harjung ist Co-Founder und CEO des Start-ups Connecture, das die Freundschafts- und Dating-App Mutually entwickelt. Zudem ist er als Software Developer bei ZEISS Semiconductor Manufacturing Technology tätig.


