Gemeinsam in die Pedale treten

Bei der Übergabe der Siegerurkunde für die Stadt Neuenstadt (von links): Michael Groß (Leiter Stabsstelle Energie und Klima beim Landrats­amt Heilbronn), Norbert Heuser (Bürgermeister Stadt Neuenstadt), Ulrike Höfken (Ministerin für Umwelt und Energie Rheinland Pfalz), Dieter Gerth und Hardy Frauer (beide TSV Neuenstadt) sowie Gisbert Hetzler (Organisator Neuenstädter Firmen- und Kastanienradtour). Foto: view-die agentur/Reiner Voß

An der Aktion Stadtradeln nehmen Städte und Gemeinden sowie Regionen und Kreise deutschlandweit teil, um möglichst viele Kilometer mit dem Fahrrad zurückzulegen. Besonders engagiert sind dabei der Landkreis Heilbronn und eine Stadt des Kreises.

Lange Staus, verstopfte Innenstädte, genervte Autofahrer – die negativen Folgen von hohem Verkehrsaufkommen sind bekannt. Dazu kommen gesundheitliche Belastungen durch erhöhte Werte von Feinstaub, Stickoxiden und Kohlenstoffdioxid.

Was lässt sich dagegen unternehmen? Wie kann zugleich die Zahl an Autofahrern und die Umweltschädigung gesenkt werden? Zum Beispiel durch den Umstieg auf das Fahrrad als Transportmittel. Hierzu ruft die bundesweite Kampagne Stadtradeln seit 2008 auf. Durch die Aktion des Klima-Bündnisses, des größten kommunalen Netzwerks zum Schutz des Weltklimas, sollen die Themen Fahrradnutzung und Radinfrastruktur verstärkt in die Kommunen eingebracht werden. Mit im Boot sind deren Einwohner: An 21 Tagen am Stück innerhalb des bundesweiten Aktionszeitraums von Mai bis September sollen möglichst viele Bürger das Fahrrad privat und beruflich nutzen. Jeder Bewohner kann für seine Stadt oder Gemeinde Kilometer sammeln und diese auf der Internetseite der Kampagne eintragen. Jedes Jahr werden deutschlandweit die fahrradaktivsten Kommunen ausgezeichnet.

Motivation für Seltenradler

Teilnehmer an der Aktion können auch ganze Regionen oder Landkreise sein. Einer davon ist der Landkreis Heilbronn, der gemeinsam mit einigen Städten und Gemeinden aus dem Kreis zum Radfahren animiert. „Wir möchten den Einwohnern zeigen, dass sich viele Wege im Alltag bestens mit dem Fahrrad oder Pedelec zurücklegen lassen. Der Wettbewerbscharakter motiviert viele Nicht- oder Seltenradler, während dieser drei Wochen aufs Rad umzusatteln“, erklärt Sandra Holte, Mitarbeiterin der Stabsstelle Energie und Klima beim Landratsamt Heilbronn sowie Stadtradeln-Koordinatorin des Landkreises Heilbronn. Rund 2000 Pedaleure aus 14 Kommunen haben 2018 mitgemacht. Dieses Jahr sollen es mehr werden. Schließlich kann jede Stadt und Gemeinde auch seinen Nutzen aus der Aktion ziehen. „Viele Kommunen erhalten über das Stadtradeln einen Einstieg in die Radverkehrsförderung und setzen darauf aufbauend eigene Projekte im Radverkehr um“, berichtet Holte.

Eine wahre Vorzeigekommune in Sachen Fahrradaktivität ist Neuenstadt am Kocher. Seit 2017 nimmt die an Brettach und Kocher gelegene Stadt am Stadtradeln teil und legt eine steile Erfolgskurve vor. Im ersten Jahr noch als kilometerstärkster Teilnehmer aus dem Landkreis Heilbronn mit Achtungserfolg gestartet, war Neuenstadt im vergangenen Jahr bundesweit fahrradaktivste Kommune bei Kommunen unter 10 000 Einwohnern. „Auf diesen Erfolg bin ich als Bürgermeister sehr stolz. Es freut mich aber ganz besonders, dass diese Leistung nicht einer kleinen Gruppe von Menschen zu verdanken ist, sondern eine Aktion war, an der sich alle beteiligen konnten. Angemeldet hatten sich einzelne Fahrer, Unternehmen und Vereine, Schüler und Seniorengruppen. Das Stadtradeln hat Menschen aller Altersklassen angesprochen und unser Gemeinschaftsgefühl gestärkt“, meint Norbert Heuser, Rathauschef von Neuenstadt.

Zeichen setzen für Klimaschutz

Trotz des Imageerfolgs steht für Heuser die Umwelt im Fokus der Aktion: „Als Kommune möchten wir mit unserer Teilnahme am Stadtradeln ein deutliches Zeichen für den Klimaschutz setzen. Der Wettbewerb gibt uns die Möglichkeit, unsere Bürger zu ermutigen, bei alltäglichen Strecken das Fahrrad zu nutzen. Wir hoffen, dass dieses Verhalten dann auch nach dem Kampagnenzeitraum noch anhält und wir einen langfristigen Effekt zum Schutz des Klimas erzeugen können.“

Auf den Sattel geht es im Landkreis Heilbronn in diesem Jahr vom 22. Juni bis 12. Juli. Den Auftakt bildet die Neuenstädter Kastanien- und Firmenradtour am ersten Tag des sechswöchigen Zeitraumes. Beide Radtouren laden im Rahmen des Kastanienfestes im Neuenstädter Teil­ort Kochertürn dazu ein, privat oder mit seinen Kollegen auf ausgewählten Strecken erste Kilometer zu sammeln. „Bürger und Firmen haben damit gleich den direkten Wettbewerb untereinander“, erläutert Gisbert Hetzler, Organisator der Firmen- und Kastanienradtour. Hetzler ist selbst leidenschaftlicher Pedaleur und Teilnehmer der Stadtradeln-Aktion: „Jeder Einzelne tut etwas für sich und seine Gesundheit. Außerdem entlastet man den Verkehr vor der eigenen Haustüre.“

Alexander Liedtke

Stadtradeln im Landkreis Heilbronn
Der gewählte sechswöchige Aktionszeitraum des Stadtradelns im Landkreis Heilbronn ist in diesem Jahr vom 22. Juni bis 12. Juli. Jeder Landkreis legt das genaue Datum selbst fest, deshalb varriieren die Zeiträume in der Region Heilbronn-Franken. Alle Informationen zur Kampagne gibt es im Internet unter www.stadtradeln.de