Genussbotschafter für Hohenlohe

Weinreben auf den Hängen prägen die Landschaft Hohenlohes. Foto: Adobe Stock/Prill Mediendesign

Was wäre Genuss ohne einen guten Tropfen Wein? Eberhard Brand, Geschäftsführer der Weinkellerei Hohenlohe eG, verrät im Interview, welche Rebsorten in Hohenlohe gedeihen, wie wichtig Nachhaltigkeit ist und welche Rolle der Weintourismus spielt.

Was macht Hohenlohe zu einem guten Weinbaugebiet?

Eberhard Brand: Die durch sanfte Hügel und Wälder geschützten Hanglagen begünstigen den Weinbau in Hohenlohe. Durch die besondere Geographie ergibt sich ein ideales Kleinklima für den Weinbau. Die Bodenformationen reichen vom Muschelkalk im Kochertal bis hin zum tonhaltigen Keuper im Steinbacher Tal. Das prägt die Weine und verleiht ihnen eine individuelle Charakteristik.

Welche Faktoren spielen eine Rolle, um gute Weine herzustellen?

Brand: Ganz wichtig ist die Auswahl der richtigen Rebsorte im Hinblick auf die Lage. Nicht jede Sorte passt in jedes Flurstück. Eine frostempfindliche Rebe sollte nicht in den tieferen Lagen angepflanzt werden und eine Sorte, die etwas mehr Wasser benötigt, sollte nicht auf sandigem Boden stehen. Darüber hinaus entscheiden die qualitative Arbeit der Weingärtner sowie der richtige Lesezeitpunkt über die Güte der Trauben. Der letzte wichtige Faktor ist die Arbeit des Kellermeisters mit seinem Team. Grundsätzlich aber gilt: Die Qualität entsteht im Weinberg. Aus minderwertigem Lesegut kann kein guter Wein entstehen.

Welchen Vorteil bietet es, in einer Genossenschaft zusammenzuarbeiten?

Brand: Als Antwort darauf zitieren wir Friedrich Wilhelm Raiffeisen: „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele.“ Unser Einzugsgebiet umfasst inzwischen rund 75 Prozent der Rebfläche in Hohenlohe. Im Durchschnitt bewirtschaften unsere aktiven Genossenschaftsmitglieder rund einen Hektar Rebfläche. Neben einigen Haupt­erwerbswinzern betreiben viele den Weinbau im Nebenerwerb, aus Leidenschaft und Überzeugung. Sie leisten damit auch einen erheblichen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft, was ohne die genossenschaftliche Struktur nicht möglich wäre.

Was sind die typischen Rebsorten – und welche sind eher Exoten?

Brand: Die mit Abstand größte Rebsorte ist der Riesling, gefolgt von Trollinger, Lemberger, Schwarzriesling, Spätburgunder und Dornfelder. Aber auch weitere traditionelle Rebsorten wie Müller-Thurgau, Silvaner und Kerner werden noch in beachtlichem Umfang angebaut. In den letzten Jahren haben Rebsorten wie Grauburgunder, Weißburgunder und Chardonnay an Bedeutung gewonnen. Exoten wie Ortega, Bachus, Hegel und Rotberger spielen kaum noch eine Rolle. Durch die Klimaveränderung werden in Zukunft eher internationale Rebsorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc ins Auge gefasst.

Bereitet Ihnen der Klimawandel Sorge?

Brand: Tendenziell wird der Klimawandel dazu führen, dass künftig noch weitere internationale Rebsorten angebaut werden. Damit kommen wir auf der anderen Seite aber auch dem Nachfragetrend entgegen. In Deutschland werden inzwischen fast 60 Prozent ausländische Weine konsumiert. So betrachtet bietet der Klimawandel auch Chancen. Das Risiko sind eher Wetterextreme wie Sturm, Hagel und Frost. Hier muss man die nächsten Jahre beobachten, ob das weiter zunimmt.

Wie wichtig ist Nachhaltigkeit?

Brand: Die Nachhaltigkeit ist sehr wichtig. Wir legen großen Wert auf eine umweltfreundliche, integrierte Bewirtschaftung. Es dürfen nur zugelassene Pflanzenschutzmittel und diese nur in absolut notwendiger Menge eingesetzt werden. Die Geräte müssen vom TÜV abgenommen sein und die Weingärtner müssen qualifiziert sein. So setzen wir zum Beispiel bei der Bekämpfung des Traubenwicklers Pheromone ein, die eine Ausbreitung des Schädlings auf natürlichem Wege unterbinden. Bei Pflanzenschutzmitteln wird darauf geachtet, dass sie schonend für Raubmilben und ungefährlich für Bienen sind. Auch bei der Bodenpflege achten wir darauf, dass das Bodenleben erhalten bleibt.

Was sind derzeit die Bestseller?

Brand: Unsere meist verkauften Weine sind Riesling, Trollinger, Trollinger mit Lemberger und Schwarzriesling Weißherbst. In den letzten vier Jahren haben Weine mit etwas mehr Süße deutlich zugelegt, konkret unser Lemberger weiß gekeltert, Samtrot rosé und Riesling mit Muskateller. Außerdem ist die Nachfrage nach unserem Cuvée Sekt trocken sehr stark gestiegen.

Welcher ist Ihr Lieblingswein?

Brand: Persönlich trinke ich Wein am liebsten zu einem guten Essen. Und dabei ist es mir wichtig, dass der Wein und das Essen gut zusammenpassen. Ich liebe Weißweine ebenso wie Rotweine und Rosé, trockene ebenso wie Weine mit Süße.

Welche Rolle spielt Weintourismus?

Brand: Der Weintourismus ist wichtig, denn davon profitiert die ganze Region. Hohenlohe ist inzwischen überregional als Genießerregion bekannt. In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf das Schwäbisch-Hällische Landschwein oder das Limpurger Rind verweisen. Zusammen mit unserem Wein und den vielen Weinveranstaltungen sind das Genussbotschafter für Hohenlohe. Das Wichtigste ist, dass wir in der Region alle an einem Strang ziehen und nicht müde werden, Hoh­en­lohe weiter bekannt zu machen. Eine wichtige Rolle spielt die Gastronomie, denn dort kehren die Touristen ein und dort müssen die Produkte aus der Region erhältlich sein.

Interview: Dirk Täuber

Zur Person
Eberhard Brand ist Geschäftsführer der Weinkellerei Hohenlohe eG, die unter der Marke Fürstenfass genossenschaftlich produzierte Weine vertreibt.

Mehr Infos unter: www.weinkellerei-hohenlohe.de