„Gut gerüstet für die Zukunft“

Fachwerkidylle am Kocher: Schwäbisch Hall ist die größte Stadt im gleichnamigen Landkreis und Sitz des Landratsamts. Foto: Adobe Stock/pure-life-pictures

Mit welchen Konzepten sich der Landkreis Schwäbisch Hall den Herausforderungen der kommenden Jahre stellen will, erläutert Landrat Gerhard Bauer im Interview.

Wie beurteilen Sie derzeit die Zukunftsfähigkeit des Landkreises?

Gerhard Bauer: Ich sehe unseren Landkreis gut gerüstet für die Zukunft. Wichtige Zukunftsthemen werden gemeinsam angegangen und dank einer starken Wirtschaft, einer engagierten Bürgerschaft und einer leistungsfähigen Verwaltung sehe ich gute Chancen für eine weitere positive Entwicklung des Landkreises. Dies bestätigt ja nicht zuletzt der aktuelle Prognos-Zukunftatlas, bei dem der Landkreis Schwäbisch Hall deutschlandweit im ersten Viertel steht, auf Platz 91 von 401.

Welche Strategien gibt es für die Landkreisentwicklung in den kommenden Jahren?

Bauer: Das Leitmotiv ist nach wie vor „Gut Leben und Arbeiten im Landkreis Schwäbisch Hall“– und zwar in allen Bereichen: von der Gesundheitsversorgung über leistungsfähige Dateninfrastruktur bis hin zu einem gut ausgebauten und verlässlichen ÖPNV. Wir brauchen weiter eine solide, finanzielle Grundlage, müssen effektiv mit den Mitteln umgehen und dabei unsere Infrastruktur ausbauen und erhalten – vom schnellen Internet über die Gesundheitsversorgung bis zum Verkehr. Letztlich geht es darum, dass die gute Lebensqualität für unsere Bürger erhalten bleibt oder verbessert wird.

Wo liegen Ihrer Ansicht nach die größten Herausforderungen für die Zukunft des Landkreises?

Bauer: Zum einen im Ausbau der Breitbandinfrastruktur. Hier werden die Kommunen und der Landkreis in den nächsten Jahren erhebliche Mittel in eine Glasfaserinfrastruktur investieren, um zukunftsfähige Lebens- und Arbeitsbedingungen im ländlichen Raum zu schaffen. Bis das letzte Gebäude mit einem leistungsfähigen Internetanschluss versehen ist, wird es viele Jahre dauern. Deshalb stellen der Landkreis und die Kommunen derzeit die Weichen für die langfristige Zusammenarbeit, indem Sie einen Zweckverband gründen. Dieser kümmert sich um den Breitbandausbau. Zum anderen ist die Weiterentwicklung der Infrastruktur beim Straßen- und Schienennetz eine große Herausforderung. Auch die positive Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung im Landkreis ist eine große Aufgabe. Zusätzlich dazu hat auch der Landkreis seinen Beitrag zum aktiven Klimaschutz zu leisten.

Wie engagiert sich der Landkreis im Bereich Klimaschutz?

Bauer: Bereits im Jahr 2006 hat der Kreistag beschlossen, dass sich der Landkreis mittel- bis langfristig aus erneuerbaren und regionalen Energiequellen versorgen soll. Das Energiezentrum, die regionale Energieagentur des Landkreises Schwäbisch Hall, dokumentiert die Fortschritte auf dem Weg dorthin. Wir sind schon ein bisschen stolz, dass bereits seit dem letzten Jahr über 100 Prozent des im Landkreis verbrauchten Stroms über erneuerbare Quellen erzeugt wurden. Um sich aktiv im Klimaschutz zu engagieren, beschloss der Kreistag 2015 die Erstellung eines integrierten Klimaschutzkonzepts. Mit Caroline Schöner konnte eine sehr engagierte Klimaschutzmanagerin eingestellt werden, die seit zweieinhalb Jahren unermüdlich die Aufgabenliste des Klimaschutzkonzepts abarbeitet. Ein Beispiel dafür ist die Einführung des Pfandbechersystems, um die Flut an Einwegbechern im Coffee-to-go-Bereich einzudämmen. Weitere Schwerpunkte in der Kooperation von Energiezentrum und Klimaschutzmanagement liegen in der Informations- und Aufklärungsarbeit, der Wissensvermittlung bereits ab dem Kindesalter und der Beratung von Bauherren, Eigenheimbesitzern und Gewerbebetrieben.

Weltmarktführer und ein starker Mittelstand prägen den Landkreis. Was macht den Standort für Unternehmen attraktiv?

Bauer: Gut ausgebildete Fachkräfte, fleißige Menschen und eine hervorragende Infrastruktur mit schneller Erreichbarkeit der großen Ballungsräume sind sicherlich wesentliche Standortvorteile. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis ist daher auch im Zeitraum von 2007 bis 2017 um 20 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Großraum Stuttgart gibt es hier auch noch Flächen für Betriebserweiterungen und für Neuansiedlungen.

Mit welchen Maßnahmen unterstützt der Landkreis die Unternehmen?

Bauer: Hier sind zum einen natürlich die Strukturförderprogramme ELR, LEADER sowie die Innovationslinie „Spitze auf dem Land“ zu nennen, in denen der Landkreis die Unternehmen, Kommunen und auch die Bürgerschaft berät und unterstützt. Zum anderen sind hier die Beratungsangebote unserer Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) zu nennen: Mit dem Programm „unternehmensWertMensch“, einer Personalberatungsroadshow mit Partnernetzwerk, dem Projekt Lernfabrik 4.0 und der Ausbildungsbörse Jobs4young hat die WFG einen Strauß an weiteren aktuellen Unterstützungsleistungen im Portfolio. In der Verwaltung des Landkreises haben wir stets ein offenes Ohr für die Anliegen aus der Wirtschaft. Mit meinen Firmenbesuchen mehrmals im Jahr kann ich mir darüber hinaus direkt vor Ort einen Überblick über aktuelle Themen der Unternehmerschaft verschaffen. Das Landratsamt hat hier eine Bündelungsfunktion inne, mit kompetenten Ansprechpartnern sowie ämterübergreifender Koordination, denn zügige Genehmigungsverfahren sind wesentlich.

Welchen Stellenwert hat die Land- und Forstwirtschaft im Landkreis?

Bauer: Im Landkreis Schwäbisch Hall ist die Landwirtschaft im Vergleich zu vielen anderen Landkreisen nach wie vor von großer Bedeutung. Es werden etwa 78.000 Hektar landwirtschaftliche Flächen von rund 2.300 Landwirten bewirtschaftet. Und das neben der erfolgreichen Wirtschaft mit einer großen Anzahl von Weltmarktführern – besonders im Bereich Verpackungsmaschinenbau – und dem ausgewogenen Branchenmix im Landkreis Schwäbisch Hall. Besonders die Fleischproduktion und die Milchwirtschaft sind von Bedeutung. Der drittgrößte Schlachthof Europas befindet sich im Landkreis, außerdem haben wir hier drei große Molkereien, die ihre Produkte international vermarkten.

Aber auch bei der Herstellung von Lebensmitteln sind große Produzenten hier beheimatet. Der Landkreis ist bekannt für seine gesunden und nachhaltig produzierten Lebensmittel. Dies dokumentiert den überragenden Stellenwert der Landwirtschaft im Landkreis. Mit rund 50.000 Hektar Waldfläche sind etwa ein Drittel des Landkreises mit Wald bedeckt. Besonders in der landwirtschaftlich geprägten Hohenloher Ebene dient der Wald als wichtiger Rückzugsort für Mensch und Tier. Als bedeutsamer Wirtschaftsfaktor bieten zahlreiche Forstbetriebe und Sägewerke in der Region vielen Menschen Beschäftigung. Mit hohem Engagement kümmern sich die Mitarbeiter des Kreisforstamts und die Waldbesitzer um unseren Wald, um ihn bestmöglich zu schützen und zu erhalten.

Wie entwickelt sich der Tourismus als Wirtschaftsfaktor?

Bauer: Der Tourismus entwickelt sich auch weiterhin sehr gut. Wir verzeichnen erfreulicherweise in den vergangenen Jahren stetige Steigungen bei den Ankünften und Übernachtungen im Landkreis. Das ist sehr erfreulich. Auch die Anzahl der Betten ist leicht angestiegen. Durchschnittlich bleiben die Gäste 2,1 Nächte bei uns im Landkreis. Mit dem Kocher-Jagst-Radweg mit 4-Sterne-ADFC-Auszeichnung und vielen weiteren Sehenswürdigkeiten haben wir absolute Highlights zu bieten.

Wie ist der Landkreis im Bereich Bildung aufgestellt?

Bauer: Der Landkreis ist Schulträger der Berufsschulzentren und der Sprachheilschulen in Schwäbisch Hall und in Crailsheim, einer Förderschule in Fichtenau und der Fröbelschule in Ellrichshausen. Unsere Schulen sind baulich in gutem Zustand und sehr modern ausgestattet. Darauf lege ich als Landrat großen Wert, genauso wie unser Kreistag. Bei jedem Betriebsbesuch ist der Fachkräftenachwuchs ein Thema. Die Beruflichen Schulen mit der dualen Berufsausbildung in Teilzeit und mit den berufsvorbereitenden Vollzeitschulen sowie unseren Meisterschulen sehe ich deshalb auch als einen Teil der Wirtschaftsförderung. Besondere Leuchttürme sind unsere Lernfabriken 4.0 an den gewerblichen Schulen Crailsheim und Schwäbisch Hall in Kooperation mit einem Steinbeis-Transferzentrum.

Interview: Dirk Täuber