Hauptschlagader der Energiewende

Ende Mai wurde das Infocenter von TransnetBW eröffnet. Das Unternehmen will damit mehr Transparenz für seine Pläne zur Stromversorgung schaffen. Foto: Benjamin Stollenberg/TransnetBW GmbH

Der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW will mit dem Projekt „SuedLink“ Strom aus erneuerbaren Energien vom Norden nach Süddeutschland transportieren. Das neu eröffnete Infocenter in Leingarten liefert Wissenswertes zum Vorhaben.

Eines der großen Themen der Zukunft ist die Energiewende. Diese ist vor allem eins: ein Kraftakt. Denn Energiewende bedeutet Veränderung. Ein Aspekt ist die Art und Weise, wie Strom erzeugt wird. Deutschland setzt zunehmend auf regenerative Energiequellen wie Wind, Sonne und Biomasse. Gleichzeitig wird die Erzeugung durch viele Windkraft-, Biomasse-und Fotovoltaikanlagen kleinteiliger. Damit steigt die Zahl der Akteure am Markt.

Ebenso steigt die Distanz zwischen Erzeugung und Verbraucher. Früher lag die durchschnittliche Entfernung zwischen Kraftwerk und Endverbraucher bei etwa 80 Kilometern. Heute beträgt der Weg null Kilometer, wenn der Verbraucher eine eigene Fotovoltaikanlage auf dem Dach installiert hat, und über 700 Kilometer, wenn der Strom von Windparks an den Küsten nach Süddeutschland transportiert werden muss.

All diese Faktoren stellen vor allem an die Netzbetreiber in Deutschland hohe Anforderungen. Einer davon ist TransnetBW. Der Energieflussexperte betreibt das Übertragungsnetz in Baden-Württemberg. Das heißt, das Unternehmen mit Sitz in Stuttgart steuert und kontrolliert die Energieflüsse im Netz und sorgt für dessen Instandhaltung sowie Planung und Ausbau. Der Übertragungsnetzbetreiber versorgt rund elf Millionen Menschen. Zudem sorgt er dafür, dass die Industrie im Südwesten jederzeit ausreichend Strom zur Verfügung hat.

Damit die Versorgung auch künftig garantiert werden kann, setzt das Unternehmen unter anderem auf den Ausbau der Netzinfrastruktur. „Die sinnbildliche Schere zwischen dem Ausbau der erneuerbaren Energien und dem Netzausbau klafft. Wir müssen den Netausbau schneller und intelligenter machen, damit wir den Kraftakt Energiewende stemmen können“, sagt Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung von TransnetBW.

Stromautobahn

Das derzeit größte Vorhaben des Netzbetreibers ist das Infrastrukturprojekt „SuedLink“. Es soll ab 2025 die windreichen Regionen Norddeutschlands mit nutzungsstarken Zentren in Baden-Württemberg und Bayern verbinden. Ebenso soll die Trasse Strom, der aus Wasserkraft in Norwegen erzeugt wird und über „NordLink“ nach Deutschland kommt, weiterverteilen. Der Ausbau wird von den beiden Übertragungsnetzbetreibern TenneT und TransnetBW umgesetzt. Die Projektpartner investieren laut eigenen Angaben rund zehn Milliarden Euro. Das Geld fließt in Planung, Bau und Betrieb von zwei Gleichstromübertragungsleitungen zwischen Schleswig-Holstein und Süddeutschland.

Die Unternehmen setzen bei ihrem Vorhaben bewusst auf Gleichstromleitungen. Das Höchstspannungsnetz in Deutschland wird bisher in Wechselstrom betrieben. Leistungsstarker Gleichstrom hat allerdings den Vorteil, dass auf langen Strecken weniger Energie verloren geht. Ende 2015 hat der Bundestag festgelegt, dass die Gleichstromleitung „SuedLink“ unterirdisch verlaufen soll. Die Erdkabel werden in 1,60 Meter Tiefe in den Boden verlegt. Dieser ist danach wieder landwirtschaftlich nutzbar. Bebauung und Aufforstung oberhalb der Kabeltrasse sind nicht möglich.

Ort für Dialog

Ende Februar haben TransnetBW und TenneT der Bundesnetzagentur einen konkreten Vorschlag für den Verlauf der Stromautobahn vorgelegt. Die Behörde will Ende des Jahres den finalen Korridor von „SuedLink“ bekanntgeben. Der Vorschlag der beiden Netzbetreiber sieht vor, dass die Stromtrasse von Schleswig-Holstein über Westniedersachsen, Nordhessen und Südthüringen läuft und in Grafenrheinfeld in Bayern sowie in Leingarten im Landkreis Heilbronn endet. Speziell für die Region Heilbronn-Franken bedeutet dies, dass die Nord-Süd-Verbindung von Unterfranken und dem Neckar-Odenwald-Kreis kommend durch den Main-Tauber-Kreis, den Hohenlohekreis sowie den Landkreis Heilbronn verläuft. Endpunkt ist das Umspannwerk in Leingarten-Großgartach.

Genau dort hat TransnetBW ein Informationscenter zur Energiewende, zum „SuedLink“-Konzept und zu den regionalen Besonderheiten im Südwesten gebaut. Das Gebäude wurde Ende Mai dieses Jahres eröffnet. „Mit dem Infocenter zeigen wir in Leingarten Flagge. Wir sind persönlich und dauerhaft ansprechbar“, erklärte TransnetBW-Geschäftsführer Götz bei der Eröffnung. Transparenz sei eines der wichtigsten Anliegen innerhalb des Projekts. Für Helmfried Meinel, Ministerialdirektor des baden-württembergischen Umweltministeriums, ist das Infocenter ein Beispiel dafür, wie die Energiewende gelingen kann: „TransnetBW, die Bürger der Region sowie die kommunale und staatliche Verwaltung gehen zupackend und zugleich dialogorientiert aufeinander zu, um Energiewendeprojekte konstruktiv zu begleiten und zu unterstützen.“

Ohne die Unterstützung der Gemeinde wäre das Center nicht entstanden. Ralf Steinbrenner, Bürgermeister von Leingarten, ist vom Projekt überzeugt: „Baden-Württemberg ist schon heute Stromimport-Land. Auch wir in Leingarten brauchen daher SuedLink, um die Versorgung mit Strom für unsere Arbeitsplätze, aber auch für Wohnen und Freizeit zu sichern.“

Leingarten ist für die Stromversorgung innerhalb Baden-Württembergs ein wichtiger Standort. Das Umspannwerk, das direkt an das Infocenter angrenzt, ist ein zentraler Verknüpfungspunkt des baden-württembergischen Übertragungsnetzes. Als Endpunkt von „SuedLink“ wird die Bedeutung des Konverterstandorts sowie der umliegenden Region noch weiter steigen.

Alexander Liedtke

Infocenter
Das Infocenter liegt direkt an der B293 zwischen Heilbronn und Leingarten. In direkter Nachbarschaft befindet sich das Umspannwerk, welches von TransnetBW betrieben wird. In das Infocenter wurde etwa eine Million Euro investiert. Der Vortragsraum bietet Platz für 50 Personen. Für den Besuch des Infocenters ist eine Anmeldung per Mail an infocenter-leingarten@transnetbw.de erforderlich.