Hervorragende Entwicklung

Die Vielfalt im Heilbronner Land ist groß.

Dr. Patrick Dufour behält als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn (WFG) den Überblick über die Unternehmen im Landkreis. Im Interview spricht er über die hiesige Branchenvielfalt.

 

Herr Dr. Dufour, wie sehen Sie das Heilbronner Land aus der Sicht eines Wirtschaftsförderers? Sind Sie zufrieden mit der wirtschaftlichen Vielfalt?

Dufour: Das Heilbronner Land schneidet in allen relevanten Rankings hervorragend ab. Damit wird uns von unabhängiger Seite bestätigt, dass der Landkreis Heilbronn sich hervorragend entwickelt hat. Wir haben traditionell eine starke Position in der Autmobilindustrie, im Maschinenbau, in der Raumfahrt und in den Bereichen Kunststoff- und Metallverarbeitung. Zusätzlich hat eines der größten Einzelhandelsunternehmen seinen Sitz im Landkreis, und die unternehmensnahen wissensintensiven Dienstleistungen entwickeln sich positiv. In der Stadt Dortmund, in der ich aufgewachsen bin, hat man immer vom Dortmunder Dreiklang gesprochen und damit die drei führenden Branchen bezeichnet. Hier könnte man in Bezug auf die Branchenvielfalt eher von einem Tausendfüßler sprechen.

Was könnte besser sein?

Dufour: Die Verkehrssituation könnte besser sein. Dieser Aussage würden Unternehmer und Pendler sicherlich uneingeschränkt zustimmen. Außerdem fehlen Fachkräfte. Allerdings ziehen auch viele Menschen gerne in die Region. Die gute wirtschaftliche Gesamtsituation und die Existenz vieler namhafter Unternehmen führt dazu, dass Menschen aus ganz Deutschland sich für einen Jobwechsel und einen Umzug entscheiden.

Gibt es eine Branche, die Sie sich verstärkt im Landkreis wünschen würden?

Dufour: Ich würde mich darüber freuen, wenn wir noch weiter diversifizieren würden. Da geht es aber nicht konkret um eine einzelne Branche, sondern um das Gesamtbild. Viel wichtiger als der Wunsch nach einer bestimmten Branche ist es, dass unsere Unternehmen die sich abzeichnenden Entwicklung z.B. hinsichtlich einer immer weiter fortschreitenden Digitalisierung in der Produktion aufgreifen und wenn möglich zu Trendsettern werden.

Was können Sie tun, um Unternehmen zur Ansiedlung im Landkreis zu bewegen?

Dufour: Seit den 1970er und 1980er Jahren hat sich im Bereich der Expansion von Unternehmen sehr viel getan. Durch die Globalisierung und die geopolitischen Entwicklungen seit Beginn der 1990er Jahre sind neue Investitionsziele entstanden, die einen ungleich größeren Reiz als die westeuropäischen Hochlohnländer darstellten. Investitionsentscheidungen werden wesentlich strategischer getroffen als früher. Das führt dazu, dass Ansiedlungen in der Regel aus einem sehr konkreten Anlass heraus entstehen. Unsere Aufgabe als Wirtschaftsförderer ist es, die Unternehmen bestmöglich zu begleiten, wenn sie sich dafür entscheiden, in den Wirtschaftsraum Heilbronn zu ziehen. Zu dieser Begleitung gehört es natürlich, dass wir den Unternehmen die erforderlichen Standortinformationen zur Verfügung stellen und die Kontakte zu den Entscheidern in den Kommunen, im Landratsamt oder den Landesministerien herstellen.

Steht die Stadt Heilbronn mit dem Landkreis diesbezüglich in Konkurrenz?

Dufour: Im Falle der Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn Gmbh existiert diese Konkurrenzsituation explizit nicht, da wir für beide tätig sind. Wenn wir von einem hier ansässigen Unternehmen kontaktiert werden, das sich mit dem Gedanken trägt, den Standort zu verlagern oder zu erweitern, sprechen wir zuallererst mit der Kommune, in der das Unternehmen aktuell sitzt. Manchmal führt das dazu, dass dem Unternehmen eine Lösung am alten Standort angeboten werden kann, manchmal ist das nicht möglich. Für uns ist es ganz wichtig, dass das Unternehmen im Wirtschaftsraum bleibt, das heißt in der Stadt Heilbronn oder im Landkreis Heilbronn. Selbstverständlich gibt es Unternehmen, die von der Stadt Heilbronn in den Landkreis ziehen. Es gibt aber auch umgekehrt Unternehmen, die vom Landkreis in die Stadt Heilbronn kommen. Das neue Audi-Werk in den Böllinger Höfen ist dafür sicherlich das beste Beispiel. Letztlich geht es darum, für das Unternehmen die bestmögliche Lösung zu finden. Im Falle von auswärtigen Unternehmen loten wir aus, welchen Standort sich das Unternehmen grundsätzlich vorstellen kann. Dann kontaktieren wir alle in Frage kommenden Kommunen. Das Hauptproblem besteht darin, dass die von den Unternehmen geforderten Flächen häufig nicht zur Verfügung stehen. Dass Kommunen miteinander um die Unternehmen konkurrieren ist dabei natürlich legitim. Eine Unternehmensansiedlung bedeuten im besten Fall Erlöse aus dem Verkauf der Gewerbefläche, Steuereinnahmen und neue Arbeitsplätze. Als Wirtschaftsförderung verhalten wir uns an dieser Stelle aber völlig neutral.

Hat die Stadt es einfacher, Unternehmen an sich zu binden als der Landkreis? Wenn ja, woran liegt das? Und können Sie dagegen steuern?

Dufour: Nein, ich denke, dass jeder Standort viel dazu beitragen kann, dass die existierenden Unternehmen sich am Standort wohlführen. In der Beziehung machen Politik und Verwaltung in der Stadt Heilbronn und im Landkreis Heilbronn grundsätzlich einen sehr guten Job. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Menschen einfach unterschiedlich sind. Der Eine bevorzugt die Stadt und der andere bevorzugt den ländlichen Raum. Diese Grundhaltung wird sich durch die Arbeit der Wirtschaftsförderung nicht verändern.

Mit welchen Vorteilen kann das Heilbronner Land bei Unternehmen punkten?

Dufour: Das Heilbronner Land ist Bestandteil der Region der Weltmarktführer. Die unternehmerische Basis ist also hervorragend. Gerade für Unternehmen, die als Zulieferer, Ausrüster oder Dienstleiter für andere Unternehmen tätig sind, gibt es hier beste Voraussetzungen. Die Kommunen und das Landratsamt Heilbronn arbeiten sehr gut zusammen, wenn es darum geht, die erforderlichen administrativen Schritte zu unternehmen. Die unternehmerfreundliche Verwaltung erweist sich gegenüber manch anderem Standort als deutlicher Standortvorteil. Zusätzlich punktet die Region mit einer hervorragenden Lebensqualität. Wir sind vor etwas über fünf Jahren als Familie ins Unterland gezogen und fühlen uns hier sehr wohl. Und das kann ich den interessierten Unternehmen sicherlich glaubhaft vermitteln.

Welche Nachteile können Sie in Gesprächen mit Firmen nicht verschweigen?

Dufour: Mir fallen keine Punkte ein, die verschwiegen werden sollten. Der Landkreis ist ebenso wie die Stadt Heilbronn hervorragend aufgestellt. Es wäre zudem völlig unsinnig, die Antwort auf eine durch ein Unternehmen gestellte Frage zu verweigern. Ansiedlungsprojekte ziehen sich meist über einen längeren Zeitraum hin, so dass die Fakten früher oder später auf den Tisch kommen. Und die ansässigen Unternehmen kennen die Region mindestens ebenso gut wie ich. Grundsätzlich fehlen uns im Augenblick freie Gewerbeflächen und auch der Wohnungsmarkt ist angespannt. Aber das ist ein Begleiteffekt der Dynamik, die unseren Wirtschaftsraum ausmacht.

Was wünschen Sie dem Landkreis für die Zukunft?

Dufour: Ich wünsche dem Landkreis Heilbronn, dass er sich weiterhin so positiv entwickelt. Zu diesem Zweck ist es nach meiner Überzeugung notwendig, dass die starke Position der Industrie erhalten bleibt. Und daran arbeiten wir.

Interview: Anja Gladisch