„Hier ist die Welt noch in Ordnung“

Reinhard Frank (64) ist seit 2005 Landrat des Main-Tauber-Kreises. Er ist Leiter des Landratsamts, Leiter der unteren Verwaltungsbehörde und Vorsitzender des Kreistags. Unter anderem schätzt er an Tauberfranken, dass er einer der sichersten Landkreise ist. Foto: Landratsamt Main-Tauber-Kreis

Hohe Weltmarktführerdichte, herrliche Natur, hervorragende Lebensqualität für Familien: Was den Main-Tauber-Kreis so attraktiv macht, verrät Landrat Reinhard Frank im Interview.

Herr Frank, der Main-Tauber-Kreis ist Heimat zahlreicher Weltmarktführer. Was macht Tauberfranken als Wirtschaftsstandort attraktiv?

Reinhard Frank: Die Branchenvielfalt ist ein sehr positives Merkmal Tauberfrankens. Schwerpunkte finden sich beim Maschinenbau sowie in der Elektro-, Möbel- und Glasindustrie. Auch im digitalen Bereich haben sich Unternehmen überaus positiv entwickelt. Hinzu kommt die Gesundheitsstadt Bad Mergentheim. Im Main-Tauber-Kreis sind 23 Weltmarktführer beheimatet, außerdem auch erfolgreiche Dienstleister und engagierte Handwerksbetriebe. Die wirtschaftlichen Zentren sind in Wertheim, Bad Mergentheim, Tauberbischofsheim, Boxberg und Weikersheim. In weiteren Städten und Gemeinden strahlen bestimmte Unternehmen als industriell-gewerbliche Leuchttürme. Die Standorte bieten attraktive Innenstädte, ein sehr angenehmes Wohnklima, Betreuungsangebote für Kinder und eine breitgefächerte Schullandschaft.

Mit welchen Maßnahmen unterstützt der Landkreis die ansässigen Wirtschaftsunternehmen?

Frank: Die Kreis-Wirtschaftsförderung konzentriert sich auf die Themen Fachkräftegewinnung unter dem Motto „Zukunft Main-Tauber“, Begeisterung für die duale Ausbildung unter dem Motto „Karriere daheim“ und Standortwerbung. Besondere Schwerpunkte der Wirtschaftsförderung setzt der Landkreis beim Breitbandausbau und beim Engagement für den Ausbau der Mobilfunkversorgung.

Welchen Stellenwert haben Landwirtschaft und Weinbau im Landkreis?

Frank: Die Landwirtschaft ist nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftszweig und heute auch Garant für die Landschaftspflege. Weizen-, Raps- und Maisanbau sind weit verbreitet, im südlichen Landkreis auch die Tierzucht. Der Weinbau bringt nicht nur exzellente, national anerkannte Produkte hervor, er charakterisiert auch das Taubertal.

Wie entwickelt sich der Tourismus als Wirtschaftsfaktor?

Frank: Der Tourismus entwickelt sich prächtig, 2018 war ein Rekordjahr. Erstmals wurde bei den Übernachtungen die Zwei-Millionen-Grenze überschritten. Der länderübergreifende Zusammenschluss von Rothenburg o.d.T. bis Freudenberg am Main arbeitet effizient, kontinuierlich und nachhaltig. Neben der Landschaft sind es vor allem die hochwertigen Rad- und Wanderangebote, die Gäste anziehen. Hinzu kommen die Gesundheit in Bad Mergentheim, der internationale

Tourismus in Rothenburg sowie die Schifffahrt in Wertheim und Freudenberg. Inzwischen können im Lieblichen Taubertal weit über 9000 Personen ihr Primäreinkommen aus dem Tourismus erzielen.

Wie engagiert sich der Landkreis im Bereich Klimaschutz und erneuerbare Energien?

Frank: Der Kreistag hat im Jahr 2018 ein Klimaschutzkonzept verabschiedet. Wir gehen zunächst die Themen Energieeffizienz, Solarenergie und Elektromobilität an. Die E-Mobilität möchten wir durch Mobilitätsstellen an den Bahnhöfen in Bad Mergentheim und Lauda unterstützen. Dort werden wir in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Kommune, dem Stadtwerk Tauberfranken, der Ver­kehrsgesellschaft Main-Tauber und den Schienen- und Busunternehmen einen E-Fahrrad- sowie E-Pkw-Verleih aufbauen. Daneben freue ich mich über das ständig wachsende Netz der Elektro-Ladestationen.

Gibt es derzeit größere Projekte zum Erhalt und Ausbau der Infrastruktur?

Frank: Bei den Verkehrswegen im Bereich der Kreisstraßen läuft der Neubau der Tauberbrücke in Markelsheim und startet noch in diesem Jahr der Ausbau der Pestalozziallee in Tauberbischofsheim. Der Breitbandausbau steht besonders im Fokus. 2019 wollen wir das Ruftaxikonzept noch bekannter machen. Als großes Projekt steht die Entwicklung des Regionalbahntaktes zwischen Osterburken und Lauda auf der Agenda.

Der Landkreis ist flächenmäßig einer der größten in Baden-Württemberg, weist aber zugleich eine geringe Einwohnerdichte auf. Wie beurteilen Sie die Bevölkerungsentwicklung?

Frank: Aufgrund der guten wirtschaftlichen Entwicklung und auch durch die Flüchtlingsbewegung leben heute wieder rund 132 200 Einwohner im Main-Tauber-Kreis, Tendenz steigend. Wir freuen uns auch über die steigenden Geburtenzahlen und sehen am Beispiel des Kindergartenbaus in verschiedenen Kommunen die positive Trendwende bestätigt.

Der Main-Tauber-Kreis gilt als Top-­Region für Familien. Was macht das Leben dort so familienfreundlich?

Frank: Hier ist die Welt noch in Ordnung. Es gibt günstiges Bauland, gute Bildungs- und Betreuungsmöglichkeiten, ein tolles Freizeitangebot und eine vielfältige Vereinslandschaft. Zudem leben wir in einem der sichersten Landkreise.

Wie ist der Landkreis im Bereich Bildung und Schulwesen aufgestellt?

Frank: Im Main-Tauber-Kreis werden alle allgemein bildenden Schularten wohnortnah geboten. Bildungsriesen sind die sechs beruflichen Schulen mit rund 5200 Schülerinnen und Schülern in Bad Mergentheim, Tauberbischofsheim und Wertheim. Sie befinden sich in Trägerschaft des Landkreises, ebenso wie die hervorragenden sonderpädagogischen Schulkindergärten und Schulen. Erfreulich sind die Entwicklung der Dualen Hochschule BW Campus Bad Mergentheim und das Angebot der SRH-Fernhochschule mit ihrer Außenstelle in Wertheim.

Was wünschen Sie sich für die weitere Entwicklung des Main-Tauber-­Kreises in den kommenden Jahren?

Frank: Im letzten Deutschland-Ranking der Zeitschrift „Focus“ hat der Main-Tauber-Kreis es unter die „Aufsteiger des Jahres“ geschafft. Darin spiegelt sich auch der Erfolg unserer Arbeit wieder, und daran möchten wir weiter anknüpfen, für den wirtschaftlich erfolgreichen, lebenswerten und familienfreundlichen Main-Tauber-Kreis der Zukunft.

Interview: Dirk Täuber