„Ich schaue keine Politiksendungen mehr“

Albert Berner mit einer Skulptur des Bildhauers Karl Ulrich Nuss vor dem Firmengebäude auf dem Künzelsauer Garnberg. Foto: Berner Group

Albert Berner, der zweitgrößte Schraubenhändler Hohenlohes, hat als Unternehmer Hochs und Tiefs erlebt. Im Interview erläutert der 87-Jährige, was in Krisenzeiten wichtig ist – und warum Investitionen in den Klimaschutz alternativlos sind.

Wir befinden uns in einer einzigartigen Situation: Die Krisen überlappen sich, die Auswirkungen sind überall spürbar. Gibt es da noch etwas, das Sie optimistisch stimmt?

Albert Berner: Wir wären alle gut beraten, wenn wir weniger über Krisen und mehr über Lösungen sprechen würden. Das ist auch ein Grund, warum ich keine Politiksendungen mehr schaue. Viele, die heute ständig Krisen beschreiben, wissen gar nicht, was eine wirkliche Krise ist. Das permanente Dramatisieren hilft uns jedenfalls nicht weiter, sondern führt zu Verunsicherung, Sozialneid und Lethargie in der Bevölkerung. Und das ist das Gegenteil von dem, was jetzt benötigt wird – nämlich aktives Gegenhalten.

Sie haben mehrere Weltkrisen erlebt – einschließlich dem Zweiten Weltkrieg. Wie ordnen Sie die aktuelle Krise hier ein?

Berner: Wir müssen aufpassen und gemeinsam daran arbeiten, dass die aktuelle Situation nicht zu einer wirklichen Krise wird. Noch sind die Auftragsbücher der Handwerker voll. Die Lieferketten kommen langsam wieder so in Gang wie vor Corona und noch gibt es Strom, Gas und Öl. Daran zu arbeiten, dass das so bleibt, muss die oberste Pflicht aller Politiker sein. Alle anderen Aufgaben und politischen Ziele müssen in dieser Phase zunächst zurückstehen.

Was war Ihr persönliches Erfolgsrezept als Unternehmer, Krisen zu überwinden?

Berner: Ich habe mich immer den Herausforderungen gestellt. Das heißt: Man muss die Situation annehmen und man muss alles dafür tun, um zu gewinnen. In jungen Jahren waren es vor allem Mut, Erfolgswille und Unbekümmertheit, die mir geholfen haben. Später kamen natürlich Erfahrung und das Verantwortungsbewusstsein für eine immer größer werdende Zahl an Mitarbeitern hinzu.

Zurück zur aktuellen Situation: Während manche Unternehmen kämpfen, hat die Berner Group den Gesamtumsatz nach eigenen Angaben um zehn Prozent gesteigert – wie geht das?

Berner: Der Grundstein für die guten Zahlen wurde bereits vor Jahren gelegt. Die Transformation der Berner Group hat dazu geführt, dass unser Geschäftsmodell heute viel robuster ist als 2012. Wir sind jetzt viel breiter aufgestellt, können Herausforderungen früher erkennen und somit früher reagieren. In der Corona-Zeit gehörte Berner zu den systemrelevanten Firmen, weil wir durchgängig lieferfähig waren und das Handwerk mit Produkten versorgten, damit der Wirtschaftsmotor nicht ins Stottern geriet.

Stichwort Klimawandel: Die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern ist nicht nur im Hinblick auf die Versorgung kritisch. Phasenweise entsteht der Eindruck, dass das Thema Klimawandel aus den Schlagzeilen verschwindet. Wie ist Ihre Haltung dazu?

Berner: Das Thema Klimawandel wird nicht aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinden, weil wir durch Hochwasser, Dürrezeiten oder Extremwetter immer wieder schmerzhaft daran erinnert werden. Und weil das so ist, werden die Unternehmen auch nicht aufhören, ihren Beitrag zu leisten, die Klimaziele zu erreichen. Wenn ich bei uns am Garnberg und in Ingelfingen sehe, wie stark wir in Klimaschutz investieren, dann ist das richtig und unumkehrbar. Ich würde mir natürlich wünschen, dass dieser Eifer in Ländern wie China und Russland auch nur annährend so groß wäre.

Der Standort in Künzelsau ist das Herzstück der Berner Group. Es wurde aber auch ein Sitz in Köln gegründet, unter anderem um leichter Fachkräfte zu gewinnen sowie Digitalisierung und Internationalisierung voranzutreiben, wie es heißt. Warum geht das nicht auch von Hohenlohe aus? Was fehlt hier noch?

Berner: Damals brauchte es teilweise mehr als ein Jahr, um bestimmte sehr spezielle Positionen für die Transformation und Digitalisierung zu besetzen. Es gab damals in unserer Region bereits einen Arbeitnehmermarkt. Heute ist es aufgrund des fortschreitenden Fachkräftemangels noch schlimmer. In Köln ist es besser möglich, den Bedarf an Mitarbeitenden schnell und gut zu decken. Junge Menschen zieht es nun einmal in städtische Gebiete. Die Mitarbeiterzahl in der Holding beträgt heute in Köln rund 145, die Transformation der Berner Group kommt erfolgreich voran. Ohne Nachteile für Künzelsau. Dort ist die Mitarbeiterzahl seit 2016 ebenfalls gestiegen, von knapp 110 auf jetzt 130. Übrigens, Nachahmung ist das größte Kompliment. Andere Firmen im Kreis Hohenlohe, aber auch in anderen ländlich geprägten Regionen haben inzwischen unser Modell kopiert und teilweise Abteilungen in größere Städte verlegt.

Zur Person: 
Albert Berner ist Gründer der Berner Group, die in zweiter Generation von seinem Sohn Christian geleitet wird. Er selbst hat sich aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen und ist noch Ehrenvorsitzender im Aufsichtsrat.

Interview: Dirk Täuber