„Ich sehe mich als einer unter vielen“

Stefan Brandl ist seit mehr als einem halben Jahr der neue CEO des Ventilatorenherstellers Ebm-Papst. Foto: Foto: Ebm-Papst Mulfingen GmbH & Co. KG

Ändert sich die Besetzung der Geschäftsführung eines Unternehmens, wird das gerne mit frischem Wind und neuen Ideen gleichgesetzt. Wie viel davon Stefan Brandl, der neue CEO des Ventilatorenbauers Ebm-Papst aus Mulfingen, mitbringt, hat er im Interview verraten.

Herr Brandl, Sie sind nun seit über einem halben Jahr Vorsitzender der Geschäftsführung der Ebm-Papst-Gruppe. Wie ist es Ihnen bisher ergangen?

Brandl: Sehr gut. Aber das war auch nicht anders zu erwarten, denn ich wusste ja, was auf mich zukommt. Ich habe – weil ich kein Externer bin und die Firma seit 25 Jahren kenne – gleich vom ersten Tag an richtig arbeiten können, um die Erfolgsgeschichte des Unternehmens langfristig und nachhaltig weiterzuführen. Den Rückenwind von den Kollegen in der Geschäftsführung, dem Beirat und von den Mitarbeitern habe ich deutlich gespürt. Ich bin gut aufgenommen worden.

Sie waren ja ab November 2010 alleiniger Geschäftsführer der Ebm-Papst Landshut GmbH. Was ist für Sie der größte Unterschied zu Ihrer jetzigen Position?

Brandl: Der größte Unterschied ist wohl die Dimension. Es ist eine ganz andere Größenordnung: Mehr Mitarbeiter, mehr Umsatz, die weltweiten Standorte – das sind neue Herausforderungen für mich. Die Triebfeder ist jedoch immer, unseren mehr als 14 000 Mitarbeitern den Arbeitsplatz zu sichern und die Ebm-Papst-Gruppe erfolgreich weiterzuentwickeln. Darüber hinaus habe ich als Insider den Vorteil, den Stammsitz in Mulfingen durch meine Position beim Satelliten Landshut auch von außen zu kennen.

Hätten Sie 1991, als Sie bei Ebm-Papst anfingen, gedacht, dass Sie mal an der Spitze des Unternehmens stehen?

Brandl: Damit habe ich mich natürlich nicht beschäftigt. Allerdings haben mich schon damals die Philosophie und Innovationskraft des Unternehmens begeistert. Beides hat maßgeblich dazu beigetragen, dass ich bis heute bei diesem geblieben bin. Außerdem ist die Identifikation der Mitarbeiter mit der Firma motivierend.

Sie kennen das von Gerhard Sturm gegründete Familienunternehmen seit einem Vierteljahrhundert. Welche Vorteile bringt Ihnen das?

Brandl: Ich kenne nicht nur unsere Produkte, Kunden und Standorte, sondern auch viele Menschen und die Unternehmenskultur. Ich habe den Stammsitz von innen und von außen kennengelernt. Eine Einarbeitungsphase war für mich nicht nötig. Wie gesagt, ich habe am ersten Tag losgelegt.

Sie haben bei Ihrem Antritt strategische Veränderungen in der Ebm-Papst-Gruppe angekündigt. Wie möchten Sie Ihre Erfahrung einbringen?

Brandl: Entscheidend ist, dass es gelingt, alle Menschen im gesamten Unternehmen mitzunehmen. Das erfordert Fingerspitzengefühl, Achtsamkeit, Geduld – und Zeit. Es gibt einen großen Aktionsplan, der über die einzelnen Geschäftsbereiche definiert ist, die sogenannte „one Ebm-Papst“-Strategie. Dieser Prozess wird uns mit Sicherheit die nächsten fünf Jahre und wahrscheinlich darüber hinaus begleiten.

Was verbirgt sich hinter der „one Ebm-Papst“-Strategie?

Brandl: ONE steht für die englischen Wörter Opportunity (Möglichkeit), Network (Netzwerk) und Efficiency (Effizienz). Wir sind ein erfolgreiches Unternehmen und haben unsere Wachstumsziele erreicht. Um das fortzuschreiben, müssen wir uns neu aufstellen, weil sich die Welt verändert. Sie wird schnelllebiger, digitaler und globaler. Wir müssen in der Gruppe stärker voneinander profitieren, ohne unsere dezentrale Struktur aufzugeben und mehr Synergien nutzen. Das gilt für alle Unternehmensbereiche. Gleichzeitig müssen wir einen Nutzen aus den Wachstumsregionen in Asien und Nordamerika für uns ziehen und dort regionale Akzente setzen.

Welche Veränderungen haben Sie an sich selbst – und am Unternehmen – im Laufe der 25 Jahre, die Sie jetzt schon Teil der Ebm-Papst-Familie sind, festgestellt?

Brandl: Auf das Unternehmen bezogen: Das Geschäft wird immer schneller. Wir müssen mit dem Wettbewerb mithalten, global denken. Vor allem die Digitalisierung ist eine neue Welle, die es zu nehmen gilt. Es kommen neue Fragen, neue Zukunftsvisionen auf uns zu. Was mich angeht, bin ich immer noch der gleiche Typ wie vor 25 Jahren. Ich sehe mich als einer unter vielen. Ich habe meine Bodenständigkeit und Nahbarkeit beibehalten und versuche auch, diese Eigenschaften auf meinen Führungsstil in der Firma zu übertragen. Eine hohe Identifikation mit Ebm-Papst und den Menschen, die dort arbeiten, ist mir sehr wichtig.

Interview: Olga Lechmann

Zur Person

Stefan Brandl ist seit Januar 2017 Vorsitzender der Geschäftsführung der Ebm-Papst-Gruppe. Vorher war er sechs Jahre lang alleiniger Geschäftsführer der Ebm-Papst Landshut GmbH mit Verantwortung für drei Tochtergesellschaften. Brandl hat 1991 beim Familienunternehmen als Trainee in Mulfingen angefangen und ist diesem nun seit fast 26 Jahren treu. Der 49-Jährige ist verheiratet und hat zwei Söhne im Alter von 15 und 20 Jahren.