Im Zeitraffer durch majestätische Tage

Antike Möbel, Gemälde von Personen adeliger Herkunft und eine Holzbibliothek (hier nicht zu sehen) gehören zu den Dingen, die im Schlossmuseum Langenburg ausgestellt sind. Foto: Olga Lechmann

Die Museumslandschaft in Heilbronn-Franken kann sich definitiv sehen lassen – von diversen Automobilmuseen über ein Jeansmuseum bis hin zum Weinbaumuseum gibt es viel zu entdecken und bestaunen. Das Schlossmuseum in Langenburg hat royalen Charme.

Wieso lachen dem Besucher des Schlossmuseums Langenburg Prinz William und Herzogin Kate im Lindenstammzimmer aus einem Foto, das am Tage ihrer Hochzeit im Jahr 2011 aufgenommen worden ist, entgegen? Und warum steht daneben ein Teller mit dem Konterfei von Queen Elisabeth II.?

Die Antwort auf beide Fragen ist, weil das Fürstenhaus zu Hohenlohe-Langenburg bereits seit dem 18. Jahrhundert mit dem englischen Königshaus verwandtschaftlich verbunden ist. Eine der Ersten, die auf diese Verbindung zurückgeführt werden kann, ist Adelheid, die Enkelin von Fürst Christian Albrecht. Dieser wiederum war der zweite Fürst des Hauses Hohenlohe-Langenburg. Adelheid – später Adelaide genannt – heiratete 1818 mit damals 25 Jahren den 53-jährigen König William IV. aus dem Vereinigten Königreich.

Und auch heute noch wird der Kontakt zwischen dem deutschen und dem britischen Königshaus aufrechterhalten. So war Queen Elisabeth II. höchstpersönlich mit ihrem Mann Prinz Philip 1965 zu Besuch auf Schloss Langenburg – ein Großereignis für die kleinste Stadt Baden-Württembergs. Rund 4000 Menschen kamen an diesem 24. Mai vor 52 Jahren aus dem gesamten Hohenloher Land, um das royale Paar mit eigenen Augen sehen zu können. Auch die aktuellen Schlossherren Fürst Philipp und Fürstin Saskia werden selbstverständlich regelmäßig nach Großbritannien eingeladen. Die familiären Beziehungen intakt zu halten, ist im Interesse beider Häuser.

Wie sieht es nun aus, das Schloss, in dem schon die Queen zu Gast war? Imposant trifft es vermutlich am besten. Allein schon der Innenhof aus der Renaissance ist beeindruckend. „Er ist das Glanzstück des Schlosses und gilt als einer der schönsten und bekanntesten Renaissance-Innenhöfe Deutschlands“, sagt Axel Dittrich, der für Gästebetreuung, Gruppenanmeldung und Schlossführungen verantwortlich zeichnet. Der Schlosshof entstand zwischen 1610 und 1627 zusammen mit den Prunksälen und der Kapelle unter Graf Philipp Ernst, der die einstige Burg im Jahre 1610 erbte.

Weiter geht es über einen unscheinbaren Eingang zum Barocksaal im Westflügel des Schlosses. Dieser wurde 1613 fertiggestellt. Blickt man nach oben, zeigt sich eine wunderschöne weiße Stuckdecke mit Putten in jeder Ecke. Sie symbolisieren die vier Jahreszeiten. Außerdem sind an den Stirnseiten die Wappen von Hohenlohe und Nassau-Saarbrücken, einem Geschlecht, das einst in die Langenburger Linie einheiratete, abgebildet. Im Barocksaal finden Konzerte des Hohenloher Kultursommers, Tagungen und andere Veranstaltungen statt. Er ist der einzige Raum des nichtbewohnten Schlossteils, der genutzt wird. Die anderen Zimmer dienen lediglich einem musealen Zweck und können nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. „Alle Möbelstücke sind Originale und wurden von Hohenloher Handwerkern angefertigt“, erzählt Dittrich.

Über den Bretternen Gang, der vor den 60er Jahren ein Außengang war und an dessen Ende ein echter ausgestopfter Bär steht, den Fürst Ernst II. 1890 in St. Petersburg geschossen hat, führt Dittrich in die Renaissance-Tafelstube. Auch hier fesselt eine prächtige Stuckdecke das Auge. Entworfen hat sie Johann Kuhn um 1620 und sechs mythologische Liebespaare in großen Medaillons darauf verewigt.

In der Archivstube kann der Besucher gleich weiterstaunen – dort steht nämlich eine äußerst seltene Kostbarkeit: 54 Bände einer historischen Holzbibliothek. Was das ist, eine Holzbibliothek? „Jedes Buch steht für einen anderen Baum und das Äußere ist aus dessen Rinde“, erklärt der Schlossführer. Im Inneren der Bücher sind Proben von mehr als 115 Holzarten inklusive Samen, Keimlingen und sogar Schädlingen enthalten. Ein Paradies für Naturliebhaber und Förster – und das in einem Schlossmuseum.

Bevor die Runde im Lindenstammzimmer beziehungsweise auf der herausführenden Terrasse endet, darf noch ein Blick in die Feodora-Bibliothek aus der Epoche des Biedermeier geworfen werden. „Feodora war eine der wichtigsten Langenburger Fürstinnen, da sie viele Verbindungen für das Haus mitgebracht hat“, weiß der 33-Jährige. So war sie die Halbschwester der englischen Königin Victoria und heiratete Fürst Ernst I.. In dem Raum, der nach ihr benannt ist, ist ein Teil ihrer privaten riesigen Büchersammlung ausgestellt sowie ein historisches Klavier, auf dem einmal der ungarische Komponist Franz Liszt gespielt hat. Darüber hinaus befindet sich in einem edlen Holzschrank eine Kollektion bemalten russischen Porzellans.

Nach dem Motto „Das Beste zum Schluss“ geleitet Dittrich auf die Terrasse hinaus. Bei dem An- beziehungsweise Ausblick, der sich einem von dort eröffnet, gerät der Atem kurz ins Stocken. Man sieht über das ganze Tal, auf die Pracht Hohenlohes mit seinen grünen oder eher schon vom Herbst gelb und rot gefärbten Wäldern. Ein perfekter Abschluss für eine Zeitraffer-Reise in die Vergangenheit majestätischer Tage.

Olga Lechmann

Neue Saison

Schloss Langenburg ist seit dem 13. Jahrhundert im Familienbesitz und bis heute Wohnsitz der Fürstenfamilie zu Hohenlohe-Langenburg. Fürst Philipp und Fürstin Saskia sind die aktuellen Schlossherren. Anfang November schließt das Schlossmuseum für eine Winterpause. Doch ab Ostern 2018 beginnt die neue Saison und dann können die Räumlichkeiten, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind, wieder besichtigt werden. Auch Sonder- und Kinderführungen werden angeboten. Mehr Informationen gibt es im Internet auf www.schloss-langenburg.de.