Metall – genau ihr Fall

Auch Untersuchungen am Mikroskop gehörten zum Tätigkeitsbereich von Natalie Ortwein bei ihrer Ausbildung zur Werkstoffprüferin. Foto: Audi AG

Mit ihrer Ausbildung zur Werkstoffprüferin bei Audi in Neckarsulm hat Natalie Ortwein ihre Passion gefunden. Daran hat auch die Ausbildungsstätte Anteil.

Frauen in technischen Berufen sind nach wie vor eine Ausnahme. Das heißt aber nicht, dass sie keine Leidenschaft für Technik entwickeln können. Natalie Ortwein ist der Beweis. Die 23-Jährige hat im Juni ihre Ausbildung zur Werkstoffprüferin, Fachrichtung Metalltechnik, bei Audi in Neckarsulm abgeschlossen. Ohne Begeisterung für technische Prozesse hätte sie die Ausbildung wohl kaum gemeistert. Ortwein war zudem die landesbeste Auszubildende ihrer Branche.

„Ich habe mich schon immer für Technik interessiert“, betont die Erlenbacherin. Nach ihrem Abitur hat sich die junge Frau deshalb bewusst für eine Ausbildung entschieden. „Ich wollte einen Beruf erlernen, bei dem ich mit meinen Händen arbeiten kann, aber gleichzeitig auch viel mit Menschen zu tun habe“, erklärt sie. Genau eine solche Stelle hat sie beim Automobilhersteller Audi gefunden. Ein sprichwörtlich wahrer Glücksfall, denn eine Ausbildung zum Werkstoffprüfer wird bei Audi nur im Bedarfsfall für den späteren Einsatz in der Qualitätssicherung angeboten. Auf die Ausbildungsangebote aufmerksam wurde sie durch eine Berufsinfomesse im Audi-Werk in Neckarsulm. Dort lud man sie zu einem Praktikum ein. „Das Praktikum war ausschlaggebend für meine Wahl“, erzählt Ortwein.

Ausbildungsinhalte

Was lernt man als Werkstoffprüferin genau? Als sie diese Frage hört, sprudeln die Antworten nur so aus ihr heraus. Die Begeisterung ist ihr deutlich anzuhören. Zuerst stand ein Metallgrundkurs an. „Dort konnte ich erste Erfahrungen mit dem Werkstoff sammeln“, erzählt die Werkstoffprüferin. Danach lernte sie die verschiedenen Prüfverfahren kennen, die Audi mit seinen verwendeten Materialien durchführt. Beim Druckversuch beispielsweise wird beobachtet, wie sich das Metall verformt, sollte es zu einer hohen Druckeinwirkung, etwa bei einem Auffahrunfall kommen. Die Theorie dazu lieferte der Unterricht in der Berufsschule in Stuttgart.

Im dritten Ausbildungsjahr arbeitete die technikbegeisterte Frau dann fest in der Bauteilprüfung mit, wo Bauteile abgeprüft werden. In diesem Bereich legte sie auch ihre Abschlussprüfung der Ausbildung ab. „Meine Abteilung konnte mir immer in der Praxis zeigen, was ich theoretisch gelernt habe. Das hat mein Wissen geprägt“, berichtet die Absolventin. Dass das Zusammenspiel von Theorie und Praxis stimmig war, beweist ihr Prüfungsergebnis. Auch die Ausbildungsstätte trug so ihren Teil zur Leistung der Auszubildenden bei. Das kann Natalie Ortwein bestätigen: „Meine Kollegen haben sich wirklich Zeit für mich genommen. Es war jedem wichtig, dass ich alles verstanden habe.“

An ihre Ausbildung hat die 23-Jährige direkt ein Studium im Fach Werkstofftechnik angeschlossen. Sie hätte aber auch im Unternehmen bleiben können. In gewisser Weise tut sie das trotzdem, denn in den Semesterferien arbeitet sie in ihrer ehemaligen Abteilung mit. „Ich freue mich schon, wenn ich wieder dort bin“, verkündet die Studentin mit einem Lächeln im Gesicht.

Alexander Liedtke