Mit Mut zum Erfolg: Hohenloher Unternehmer Albert Berner feiert 90. Geburtstag

Er gehört zu den Unternehmern, die Weltmarktführer geschaffen und Heilbronn-Franken groß gemacht haben: Albert Berner. Am Samstag, den 12. Juli 2025 wurde er 90 Jahre alt. Gemeinsam mit Gästen aus Wirtschaft und Politik sowie seiner Familie feierte er seinen Geburtstag in der Firmenzentrale in Künzelsau.

Albert Berner
Der Künzelsauer Unternehmen Albert Berner ist 90 Jahre alt geworden. Foto: Berner Group

Mit einem Festakt am Montag, 14. Juli hat die Berner Group das Leben ihres Gründers Albert Berner geehrt. Neben engen Freunden und Wegbegleitern würdigten geladene Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft das Lebenswerk des Unternehmers unter dem Motto: 90 Jahre Mut.

„Mut hast du, lieber Papa, immer und immer wieder gezeigt“, erklärte sein Sohn Christian Berner, der das Familienunternehmen als CEO seit 2012 in zweiter Generation führt. „Wir wollen von dir lernen, wie man mutig ist.“ Gefeiert wurde deshalb mehr als nur der Geburtstag seines Vaters: „Wir feiern darüber hinaus das Vermächtnis seines Unternehmertums, seiner Werte, seines Beitrags für dieses Land und für Europa“, so Christian Berner in seiner Rede.

Ein Videoclip führte die Gäste vorbei an den wichtigsten Karrierestationen von Albert Berner, der sich nach einer wilden Jugend im Nachkriegsdeutschland zu einem Vorzeigeunternehmer entwickelt hat. Seine Bestimmung fand er als Kaufmann. Die entsprechende Lehre hat er beim Schraubenhändler Adolf Würth, dem Vater seines Schulfreunds Reinhold Würth, absolviert. Doch er wollte etwas Eigenes aufbauen und machte sich quasi über Nacht selbstständig: mit 3000 D-Mark Startkapital besuchte er im Alter von 21 Jahren mit einem alten Auto und einem Kofferraum voller Schrauben am 1. April 1957 seinen ersten Kunden.

Wohlstand entsteht nur durch Leistung

So mutig wie bei der Gründung agierte Albert Berner auch später als Unternehmer. Er war risikobereit, nahm oft Schulden auf, um notwendige Investitionen zu finanzieren. Oft setzte er auch einen fundamentalen Anteil seiner Firma ein, um ein neues Geschäftsfeld oder neue Märkte im Ausland zu erschließen, in die er sich ohne Fremdsprachenkenntnisse wagte. „Ich denke, es gab viele Momente von Angst und Verzweiflung in deinem Leben“, resümierte Christian Berner. „Und ihr hattet nur Risiken, keine Sicherheit“, betonte er mit Blick auf die Lebensumstände der Aufbaugeneration der Nachkriegszeit. Die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs mit Tod, Zerstörung und dem Verlust von Hab und Gut habe die Generation seines Vaters tief geprägt. „Euch war bewusst: Alles hat seinen Preis. Dass Risiko und Ertrag linear miteinander verbunden sind, habt ihr verstanden, lange bevor Bankprofessoren diese Gleichung aufgebaut haben.“ Für Christian Berner stehen diese Erfahrungen im Gegensatz zur heutigen Gesellschaft, „die bei vielen Themen duschen, sich aber nicht nassmachen will.“

Hungrig nach einem besseren Leben hat sich Albert Berner mit Disziplin, Pflichterfüllung, Willens- und Schaffenskraft aus bescheidenen Verhältnissen und unter denkbar schlechten Ausgangsbedingungen immer weiter hoch gearbeitet. „Ich nehme mir das zum Vorbild“, so sein Sohn. „Eure Generation hat verstanden, dass Wohlstand nur mit Leistung existieren kann. Arbeit war für euch keine Bürde. Euch war klar, dass ihr nur dann etwas mehr bekommt, wenn ihr härter anpackt und mehr leistet als die anderen. Ihr habt nicht auf Hilfe von außen gewartet, sondern geschafft – und das Land wieder aufgebaut.“ Selbst schwerste Krisen – ob wirtschaftlich oder gesundheitlich – konnten Albert Berner nicht stoppen. Er hat sein Unternehmen an die sich ständig wandelnden Realitäten angepasst und stark genug gemacht, um erfolgreich im Wettbewerb zu bestehen.

Hunger auf Erfolg

Der Mut und die unternehmerische Lebensleistung von Albert Berner wurde auch von Walter Döring, ehemals Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident von Baden-Württemberg, in einer Laudatio gewürdigt. Am Ehrgeiz und Leistungswillen von Albert Berner und seiner Generation sollte man sich aus seiner Sicht heute ein Beispiel nehmen. „Wir sind ein bequemes Volk geworden. Wir brauchen eine Renaissance von Begriffen wie Wettbewerb und Leistung. Wir müssen wieder Hunger auf Erfolg entwickeln“, so Döring.

Reinhold Würth, einst Klassenkamerad, zeitweise Kollege und später Wettbewerber, ließ es sich gemeinsam mit seiner Frau Carmen nicht nehmen, Albert Berner die Ehre zu erweisen. Dafür haben die beiden sogar ihren Urlaub unterbrochen. In seiner Festrede begrüßte Reinhold Würth, der wenige Monate älter ist, seinen Weggefährten im „Club der 90-Jährigen“ und sprach ihm seinen tiefen Dank aus, denn ohne ihn wäre er selbst vermutlich nicht das geworden, was er heute ist.

Sowohl privat als auch beruflich habe Reinhold Würth ihm viel zu verdanken. Als junge Männer, während ihrer Zusammenarbeit in der Schraubenhandlung von Adolf Würth, waren sie oft gemeinsam unterwegs zu Kunden. Bei einer solchen Reise – Reinhold Würth hatte einen gesonderten Termin und wollte Albert anschließend für die Heimreise abholen – haben sie sich verpasst. Da sich Reinhold Würth damals verspätete, war Albert Berner nicht mehr am vereinbarten Treffpunkt. Smartphones gab es damals noch nicht, um sich zu kontaktieren. Also beschloss Reinhold Würth als religiöser Mensch noch eine Kirche zu besuchen, in der er seine spätere Frau Carmen kennenlernte. „Wäre Albert da gewesen, wären wir nach Hause gefahren. Und ich hätte nie die Frau kennengelernt, mit der ich seit 69 Jahren verheiratet bin. Wenn es uns vergönnt ist, feiern wir im nächsten Jahr unsere Gnadenhochzeit nach 70 Jahren.“

Auch beruflich sei Albert Berner nach seinem Weggang und dem Sprung in die Selbstständigkeit für ihn immer ein Ansporn gewesen, besser zu werden. „Ich verliere nicht gern“, so Reinhold Würth. Die Konkurrenzsituation habe seinen Ehrgeiz angespornt. „Wir waren Gegner, aber wir waren nie Feinde“, betonte er. „Gegner wie im Sport, die ihre Kräfte messen und sich danach die Hand reichen.“ Albert Berner habe sein Leben auf zwei Ebenen nachhaltig beeinflusst.

Dirk Täuber

Impressionen des Festakts zum 90. Geburtstag von Albert Berner