Neue Ziele setzen

Studium abgebrochen - und nun? Das ist die Chance, sich neu zu orientieren. Foto: Adobe Stock/luismolinero

Ein Studienabbruch ist noch lange kein Beinbruch, sondern kann auch eine Chance bieten.

Am Anfang ist an der Uni alles ganz aufregend, doch manchmal stellt sich nach der ersten Euphorie die Ernüchterung ein. Vielleicht habt ihr schon die eine oder andere Klausur in den Sand gesetzt oder steht vor einer wichtigen Prüfung, die euch schlaflose Nächte bereitet. Für euch steht jedenfalls fest, ihr wollt das Studium abbrechen. Ganz wichtig: Das Studium ohne Abschluss zu beenden, ist vollkommen okay: „Es ist keine Schande, sein Studium abzubrechen“, sagt Ingrid Wolpert. Die Beraterin bei der Agentur für Arbeit in Heilbronn hilft seit mehr als 35 Jahren jungen Menschen bei der beruflichen Orientierung.

Wenn ihr merkt, dass euer Weg möglicherweise nicht der richtige ist, braucht ihr Hilfe. „An der Hochschule gibt es eine zentrale Studienberatung und die Fachstudienberatung“, weiß Wolpert. Zu ihr kommen Studierende, die ihr Studium beenden wollen oder es bereits getan haben. Dabei findet sie heraus, ob es lediglich am Lernverhalten oder am Fach liegt, und ob ein Studienfachwechsel die Lösung sein könnte. Oder die Studis sind eher der Typ für ein Duales Studium oder Fachhochschulstudium. Wem Praxis mehr als Theorie liegt, ist ein guter Kandidat für eine Ausbildung. Sie plädiert dafür, sich frühzeitig Unterstützung von außen zu holen. „Die Frage des Zeitpunkts, wann ich abbreche, spielt eine Rolle“, sagt sie. „Ich empfinde es als absolut nicht tragisch, wenn jemand schnell merkt, das Studium ist nichts für einen.“ Viele zögern den Entschluss hinaus, weil sie einen Studienabbruch als Scheitern empfinden. Dabei seien heute die Lebensläufe selten gradlinig.

Wer sich nach dem Studienausstieg bewirbt, sollte im Anschreiben oder beim Gespräch niemals erklären, dass man das Studium nicht geschafft habe, empfiehlt Wolpert. Besser positiv formulieren: Etwa, indem ihr schreibt, dass euch eher das Praxisorientierte liegt, was ihr durch die Ausbildung dem Unternehmen bieten könnt und warum euch die Arbeit und die Firma interessieren. Auf keinen Fall solltet ihr euch für eure Entscheidung rechtfertigen.

Auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Unternehmer Bill Gates und Moderator Günther Jauch haben ihr Studium abgebrochen. Heute sind sie sehr erfolgreich – und kein Hahn kräht mehr danach, dass sie keinen Uniabschluss haben.

Tanja Capuana-Parisi