Pflege – besser als gedacht?

Sei es nun Alten- oder Krankenpfleger: Die Mitarbeiter im Pflegewesen leisten einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft. Das sollte mehr anerkannt werden. Fotos: Fotolia/Karin & Uwe Annas, privat

Kaum ein anderer sozialer Bereich steht so in der Öffentlichkeit wie das Pflegewesen. Zwangsläufig hat die Pflege mit kontroversen Meinungen zu kämpfen. Dabei ist die Qualität der Pflege in Deutschland besser, als es ihr aktuelles Image vermuten lässt.

Pflege ist ein Thema, mit dem jeder in irgendeiner Weise konfrontiert ist oder sein wird. Deshalb ist dem Thema in der Öffentlichkeit hohe Aufmerksamkeit gewidmet. Oftmals wird Pflege kontrovers diskutiert. Aktuell ist das Image des Pflegewesens durch viele Negativschlagzeilen in den Medien belastet. Die Rede ist dabei von Pflegenotstand, katastrophalen Arbeitsbedingungen und schlechter Versorgung der Patienten.

Obwohl viele der bemängelten Punkte noch verbessert werden müssen, hat sich in den letzten Jahren eine Menge zum Positiven verändert. Die Qualität der Pflege hat sich in vielen Bereichen verbessert. Das bestätigt unter anderem der aktuelle Pflege-Qualitätsbericht vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS).

Die Ergebnisse des Pflege-Qualitätsberichts machen deutlich, dass trotz Personalmangel, Arbeitsverdichtung und der vielen Herausforderungen in der Umsetzung der politischen Reformen nur wenige Qualitätsprobleme festzustellen sind. Die angebotenen Dienstleistungen werden in hohem Maße von bis zu 90 Prozent den Bedürfnissen und Anforderungen pflegebedürftiger Menschen gerecht. Die Zahlen belegen, dass die Pflege weitaus besser ist und eine höhere Qualität aufweist, als von vielen gedacht. Das ist ein großes Verdienst von Unternehmern und Mitarbeitern in der Pflege.

Ein weiterer Bereich der Pflege, der häufig in der Kritik steht, sind die Finanzen. Doch hier gilt: Auch bei der Abrechnung erweisen sich die Pflegedienste als rechtschaffene Unternehmer. Kriminelle Machenschaften einzelner schwarzer Schafe eignen sich nicht zum Betrugsverdacht gegen eine ganze Branche.

Forderung an die Politik

Pflegeeinrichtungen als wirtschaftende Unternehmen müssen betriebswirtschaftliche Kriterien beachten, wenn sie überleben wollen. Ihnen wird jedoch der unternehmerische Handlungsspielraum in Bezug auf die Qualität der Leistungen seitens der Politik vorenthalten.

Politische Vorgaben sind darüber hinaus – neben dem Kampf gegen ein teilweise schlechtes Image – eine Herausforderung für die Pflege. Entscheidungen seitens der Politik sollten daher auf Basis von Anerkennung und Wertschätzung für die professionelle Pflege getroffen werden. Reglementierungen und Prüfungen dürfen nicht das Gebot der Stunde sein, denn sie führen zu Bürokratieaufbau. Es bedarf stattdessen einer nachhaltigen personellen, strukturellen und finanziellen Stabilisierung der professionellen Pflege.

Ebenso muss den Pflegeeinrichtungen die Möglichkeit gegeben werden, sich der Nachfrage anzupassen. Die Entscheidung, ob, wann und wo ein Pflegebedürftiger professionelle Pflege in Anspruch nimmt, wird von ihm allein oder mit der Familie getroffen. Es ist davon auszugehen, dass sich die Beteiligten über die Angebote informieren und feststellen werden, dass die Auswahl groß ist. Dies betrifft sowohl die Wohnform selbst, als auch die konkrete Einrichtung. Bei der Auswahl kommt es hauptsächlich auf die Qualität der Pflege und den Umgang mit den Pflegebedürftigen an.

Nachfrageorientiertes Angebot

Trotz einer hohen Reglementierung durch den Gesetzgeber, eröffnen Pflegeunternehmer schon viele Wahlmöglichkeiten bei Form und Unterbringung der Pflege. Die vorhandene Innovationskraft in der professionellen Pflege muss genutzt und politisch unterstützt werden. Es muss erlaubt sein, andere, vielfältige Angebote als nur ein Einzelzimmer anzubieten, wenn regional danach Nachfrage herrscht. Ebenso muss es gestattet sein, eine andere Leistungsstruktur anzubieten, sofern es die Ausrichtung am Markt sinnvoll erscheinen lässt.

Dasselbe gilt bei der Entscheidung der Einrichtung, welche und wie viele Fachkräfte sie einsetzt. Erst ein solches nachfrageorientiertes Angebot schafft die notwendige Differenzierung. Sie ist Grundlage der Wahlfreiheit für Pflegebedürftige beziehungsweise für ihre Angehörigen und Betreuer.

Pflege ist eine anspruchsvolle und komplexe Dienstleistung am Menschen und wird nie völlig fehlerfrei zu erbringen sein. Sie verdient Vertrauen seitens der Politik, der Öffentlichkeit sowie der Betroffenen, damit jeder, der professionelle Pflege braucht, diese auch in Zukunft bekommt.

Jens Ofiera

Zur Person
Jens Ofiera ist beim Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe e. V. verantwortlich für die Kommunikation und vertritt das Thema Pflege mit dem Schwerpunkt der privaten professionellen Pflege sowohl in der Öffentlichkeit als auch innerhalb des Verbandes.